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Ehegattensplitting abschaffen: Neues Modell könnte Geburtenraten erhöhen

Das Ehegattensplitting begünstigt vor allem ein bestimmtes Lebensmodell. Doch ein neuer Ansatz könnte vieles verändern – auch die Familienplanung. Ein Ende des umstrittenen Ehegattensplittings kann einer Studie zufolge zu mehr Geburten in Deutschland führen. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin), die der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorab vorlag. "Die Geburtenrate könnte um 5,7 Prozent höher liegen, wenn das Ehegattensplitting abgeschafft und Steuervorteile nicht mehr an die Heiratsurkunde gebunden würden, sondern an die Kinder", fasste RFBerlin-Projektleiterin Hanna Wang die Ergebnisse zusammen. Steuervorteile pro Kind verdoppeln In dem Modell der Rockwool Foundation sollen die Steuervorteile von der Ehe weg und auf Kinder neu gebündelt werden, etwa durch mehr Elterngeld und niedrigere Kita‑Gebühren. "Auch das Kindergeld müsste ordentlich erhöht werden", fügte Wang hinzu. Das erhöhe die materielle Attraktivität von Kinderwunsch und Familienphase, weil die direkten Kosten für Kinder stärker abgefedert würden. Derzeit profitieren vor allem verheiratete Paare mit ungleichen Einkommensverhältnissen vom Ehegattensplitting. Wenn die staatliche Förderung jedoch pro Kind und nicht pro Ehe ausgestaltet wird, würden nach Ansicht der Forschenden auch unverheiratete Paare, Alleinerziehende und Singles mit Kindern profitieren. Damit werde die Entscheidung für oder gegen Kinder weniger von der "Effizienz der Ehe" abhängig gemacht. Durch die Zusammenveranlagung und die Steuerprogression wird der erste Euro des Zweitverdieners oft quasi mit dem hohen Steuersatz des Hauptverdieners besteuert. Das macht eine Erwerbstätigkeit (typischerweise für Frauen) wirtschaftlich weniger attraktiv und führt oft dazu, dass Frauen nach einer familienbedingten Auszeit nicht wieder in den Beruf zurückkehren. Fazit der Analyse: Mehr finanzielle Sicherheit für Mütter und Väter führt zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dadurch wird der Kinderwunsch attraktiver und finanziell weniger riskant. Experten: Veraltetes Steuerkonzept abschaffen Aus verteilungspolitischer, gleichstellungspolitischer und familienpolitischer Sicht steht das Ehegattensplitting in Deutschland schon länger in der Kritik. Es gilt als veraltetes Modell, das moderne Lebensformen nur unzureichend abbildet und insbesondere Frauen benachteiligt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rät deshalb schon seit Langem zu einer Abschaffung. Viele Ökonomen schlagen stattdessen ein Realsplitting vor, bei dem die Ehepartner im Prinzip unabhängig voneinander besteuert werden. Allerdings kann der Erstverdiener steuerlich einen gewissen Betrag auf den Zweitverdiener übertragen.

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