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Mannheim-Käfertal: Der alte Funkturm auf dem Franklin-Gelände wurde gesprengt (plus Fotogalerie)

Mannheim. (env) Nur kurz hat er sich gewehrt, dann war der 70 Meter hohe Funkturm auf dem Franklin-Gelände Geschichte, krachten 400 Tonnen Beton und Stahl auf die vorbereiteten Erdhügel. Im Zug der Bauarbeiten auf dem Areal der ehemaligen Benjamin-Franklin-Kaserne in Mannheim-Käfertal wurde der alte Funkturm an der Birkenauer Straße kontrolliert gesprengt. "Für uns ist das auch etwas Besonders", erklärte Ralf Eisenhauer, Projektleiter der MWS-Projektentwicklungsgesellschaft, die für die Arbeiten auf dem Franklin-Gelände zuständig ist. Verständlich, immerhin ist das die einzige Sprengung während der Bauphase.

Bereits seit Dienstag hatten die Spezialisten von der Deutschen Spreng GmbH den Turm vor Ort auf sein Ende vorbereitet. Die Berechnungen waren bereits Wochen im Vorfeld erstellt worden. Fast wie bei einem Holzstamm üblich, erhielt der Turm Keilschnitte an seinem Fuß. Sprengmeister André Michael Schewcow bestätigte diesen Eindruck: "Wir wollen den Turm wie einen Baum der Länge nach fällen." Diese Berechnung der Statiker habe sich als beste Lösung herausgestellt. Durch aufgeschüttete Erdhügel am Boden sollte der Koloss dann in mehrere Teile brechen. Der Anstoß dafür war relativ gering. Nur vier Kilogramm Sprengstoff, an den geschaffenen Sollbruchstellen angebracht, fällten den geschwächten Turm.

Der hatte an seinem letzten Tag noch einmal richtig großes Publikum. Ungefähr 500 Zuschauer strömten auf das ehemalige Kasernengelände. So wie Andreas Schöner, der mit der gesamten Familie aus Neckarau nach Käfertal gefahren war. "Kaputtmachen ist faszinierend", sagte der Familienvater lachend. Mit Freunden und Familie hatte er sich einen Platz ganz am Rand des Zauns des 300 Meter breiten Absperrungsgeländes gesichert.

Wie alle anderen musste er sich dann aber in Geduld üben, denn zum angekündigten Sprengzeitpunkt um 12.30 Uhr geschah - nichts. Weder erklang das angekündigte akustische Warnsignal, noch gab es eine Detonation. Erkennbare Aktivitäten fanden auf dem Gelände schon längst nicht mehr statt, hatten sich doch alle Arbeiter in die Sicherheitsbereiche zurückgezogen. Also blieb den Schaulustigen im abgesperrten Bereich bei der ehemaligen Grundschule der Kaserne nichts anderes übrig, als zu warten. Bald wurden die ersten Kinder unruhig und turnten an den zerfallenen Spielgeräten herum, Eltern und Großeltern blickten verstohlen auf ihre Uhren.

Dann ging es plötzlich ganz schnell und ohne Vorwarnung: Ein dumpfer Knall um 12.50 Uhr, Staubwolken aus dem Funkturm und eine Schrecksekunde lang wieder - nichts. Zunächst langsam, aber dann immer schneller neigte sich die Turmspitze in Richtung des vorberechneten Ablageraums. Dort schlug der Turm dann mit einem ebenso dumpfen Donner auf. Eine Staubwolke dehnte sich in alle Richtungen aus. Allerdings war es weniger Staub als befürchtet. "Die feuchte Witterung spielt uns da in die Karten", betonte Eisenhauer. Zudem schirmten eigens aufgestellte Container Straße und Straßenbahnstrecke gegen den Schmutz ab.

André Michael Schewcow hatte die Zündung zwar etwa 20 Minuten nach dem eigentlich geplanten Zeitpunkt ausgelöst, lag aber trotzdem bequem im Sprengungszeitfenster von 12.23 bis 13.10 Uhr. Der Straßenbahnverkehr der Linie 5 zwischen Bahnhof Käfertal und dem Platz der Freundschaft ruhte während dieses Zeitraums. Ab dem morgigen Montag werden die Überreste des Funkturms Stück für Stück abgeräumt. Dort wo er stand, wird ein Studentenwohnheim gebaut.

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