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Neujahrsempfang Ladenburg: Leben darf keine Frage des Geldbeutels sein

Von Axel Sturm

Ladenburg. In seiner Neujahrsansprache zum Antoniustag forderte Bürgermeister Stefan Schmutz in der voll besetzten Aula der neuen Martinsschule dazu auf, Ladenburg neu aufzustellen. "Ich persönlich habe große Lust dazu, die anstehenden Aufgaben in Angriff zu nehmen", sagte Schmutz. Dasselbe hoffe er auch von den Bürgern.

Eine große Chance biete die aktuelle Entwicklung auf dem Ladenburger Wohnungsmarkt. Schmutz erwartet in den kommenden Jahren eine enorme Dynamik, denn die Bebauung der Hockenwiese, der Martinshöfe und des Gebiets Nordstadt-Kurzgewann stehen für ein neues Ladenburg. In den kommenden zehn Jahren rechnet der Bürgermeister mit einem Bevölkerungszuwachs von mehr als 2000 Bürgern.

"Brauchen ein deutliches Plus an Betreuungsplätzen"

Besonders die Nordstadt versetzt die Stadt in die Lage, eigene wohnungspolitische Akzente zu setzen. "Wir brauchen in Ladenburg mehr bezahlbaren Wohnraum, gerade für Gruppen, die sich keine hohen Mieten leisten können", sagte Schmutz. Aufwachsen und Altwerden in Ladenburg dürften keine Frage des Geldbeutels sein.

Barrieren für ein besseres Miteinander abzubauen, sei ein Anspruch, der in der gesamten Stadt gelte. Schmutz nannte als Beispiel den schrittweisen Austausch des alten Kopfsteinpflasters in der Altstadt. Für die Jugend kündigte er an, Spiel- und Aufenthaltsorte im Fokus zu haben.

Gelächter gab es, als es um die Fertigstellung des Bahnhofs ging, die eigentlich in diesem Januar fällig gewesen wäre. Das jedoch steht noch immer in den Sternen. Zuversichtlicher ist Schmutz dagegen, dass alle Ladenburger einen noch stärkeren Beitrag für ein besseres Miteinander leisten könnten. Selbst beim Autofahren sei jeder gefordert. Wer parkt, müsse beachten, dass auf dem Gehweg ein Kinderwagen oder Rollator vorbei passen sollte. Der Applaus der rund 500 Gäste unterstrich diesen Wunsch.

Auch das Thema Flüchtlinge kam zur Sprache. Die Schließung der Gemeinschaftsunterkunft auf Ladenburger Gemarkung war für Schmutz einerseits eine gute Nachricht. Anderseits betonte er, dass sich die derzeit 150 Flüchtlinge in Ladenburg eine Perspektive wünschen. Wer meine, die Integration der Menschen sei abgeschlossen, irre sich. Schmutz forderte eine gesellschaftliche Beteiligung ein, es dürfe einer schrillen Minderheit nicht gelingen, Gruppen gegeneinander auszuspielen und die Gesellschaft zu spalten.

"Setzen sie sich für ein offenes und tolerantes Ladenburg ein, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht die Herkunft, seinen Glauben oder seine Hautfarbe", sagte Schmutz. Er dankte dem Arbeitskreis "Flüchtlinge und Hilfsbedürftige" für die engagierte Arbeit in den vergangenen Jahren.

Weil die Stadt weiter wachsen wird, sind vorausschauende Ideen erforderlich, wie die Qualität der Infrastruktur gesteigert werden kann. Die Vereinbarung von Familie und Beruf ist für Schmutz ein zentraler Punkt. "Konkret brauchen wir ein deutliches Plus an Betreuungsangeboten im Krippenbereich und zusätzliche Kapazitäten bei den Ganztagesplätzen im Kindergarten und im Grundschulbereich." Schon 2018 soll es Verbesserungen geben, so Schmutz. Auch die Frage nach verfügbaren Hallenkapazitäten griff der Bürgermeister auf. Er sei bereit, mit den Verantwortlichen über die zukünftigen Bedarfe zu diskutieren. "Wir brauchen diese Gespräche, um gemeinsam Perspektiven zu entwickeln." Schmutz betonte aber, dass zusätzliche Kapazitäten nicht über Nacht entstehen werden. Es brauche jedoch eine einheitliche Zielsetzung und eine realistische Vorstellung bei der Umsetzung.

Auch auf die finanzielle Situation ging der Bürgermeister ein. Die Umsetzung der Zukunftsaufgaben koste viel Geld. Auch Ladenburg profitiere von der konjunkturellen Hochphase, von niedriger Arbeitslosigkeit und hohen Steuereinnahmen. Aber: "Nicht alle Wünsche werden wir in den kommenden Jahren erfüllen können." Er ist optimistisch, dass die Stadt ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleiben wird. Das Gelände von Reckitt-Benckiser zum Beispiel werde schon in diesem Jahr "weiterentwickelt". Es drohe also keine Industriebrache.

"Ladenburg hat eine große Vergangenheit auf die wir stolz sind", sagte Schmutz, "Aber wir stehen vor einer ebenso spannenden Zukunft. Es liegt allein an uns, nichts dem Zufall zu überlassen, sondern selbst zu gestalten."

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