Junges Nationaltheater Mannheim: Ein Versuchslabor der runden Dinge
Von Felicitas Hübner
Mannheim. Im Jungen Nationaltheater Mannheim drehte sich alles um das Thema "Die Welt ist rund". Diese Inszenierung von Manuel Moser nimmt Kinder ab 2 Jahren mit auf eine Entdeckungsreise der runden Dinge: vom kleinen weißen Tischtennisbällen über grüne Hüpfbälle bis hin zum Riesenball, den Uwe Topmann umarmend und dopsend auf die Spielfläche brachte. Die kleinen Zuschauer und deren Eltern wurden nicht müde, über solch drollige Momente zu lachen.
Mit vielen Farben sowie Taschenlampenlicht erweckten Topmann und Hanna Valentina Röhrich diese verschiedenen Kugeln zum Leben, erkundeten sie spielerisch und hauchten ihnen schließlich Licht ein.
Ohne Dialog, ganz im Sinne des gemeinsamen Entdeckens, stapelte etwa Topmann verschiedene Bälle, begann mit ihnen sogar einen Walzer zu tanzen und wurde schließlich von Röhrich mit ihren verrückten Ideen überschüttet - ja, überfordert. Dieses herrliche Scheitern rief wiederum Gelächter im Publikum hervor. Auch wenn zu Beginn in einer kleinen Begrüßung erklärt wurde, dass alle Emotionen - Lachen, Schreien, Weinen - erlaubt seien, überwog doch deutlich die Heiterkeit an diesem Nachmittag.
Einzig in einer Szene, in der die Lichtkegel der Taschenlampen auf der Spielfläche tanzten, kam es bei gedimmtem Licht zu einzelnen Angst-Bekundungen der kleinen Gäste: "Was machen die da? Papa, ich will lieber zu dir!"
Vor den Augen der Kinder verwandelten sich die beiden Darsteller mit den gemütlichen Anzug-Jacken und Jogginghosen in Marsmenschen mit Ganzkörperanzug und einer löchrigen Metall-Schüssel auf dem Kopf. Schließlich hängten sie die Bälle als Planeten im gesamten Raum verteilt auf. Mit ihren kleinen Taschenlampen wurde dann deren Beleuchtung angeschaltet.
Auch wenn am Ende die Darsteller die Erde in die Mitte hängten, wurden die aufgeworfenen Fragen der Produktions-Ankündigung allenfalls behutsam gestreift: "Warum gibt es Tag und Nacht? Warum ist es im Winter kalt und im Sommer warm? Woher hat die Erde die Kraft, sich zu drehen und durchs All zu fliegen?"
Dabei stellte sich die Frage, wie und ob man solche komplexen Zusammenhänge ganz ohne Worte und für Kinder ab 2 Jahren überhaupt darstellen kann. Der Ankündigungstext war wohl eher dazu gedacht, die Aufmerksamkeit der Erwachsenen zu gewinnen und den Transport von Inhalten zu vermitteln. Gewisse Teilaspekte konnten sicherlich pädagogisch transportiert werden, doch eher in bescheidenem Rahmen.
Topmann und Röhrich waren in Gestik und Mimik mit vollem Eifer dabei. Das Spiel mit den größeren Bällen grenzte fast an Zirkus-Akrobatik - mit einer großen Portion Humor und Verspieltheit versehen und ohne Angst vor dem Scheitern. Das wirkte sehr authentisch.
Diese liebevoll gearbeitete Produktion wusste die Aufmerksamkeit der kleinen Zuschauer über die Dauer der Aufführung (30 Minuten) zu gewinnen. Im Anschluss an die Inszenierung durften die Kinder selbst Bühne und Bälle erkunden - als Stärkung warteten Saft und Kuchen.
Info: Weitere Aufführungen am 15. und 16. Februar, 10 Uhr, 16. März, 9 und 10.15 Uhr.