Frühjahrsputz: Nabu Sinsheim appelliert an Vereine, Gruppen und Gartenbesitzer
Sinsheim. (zg) Das Frühjahr naht - und mit ihm zahlreiche Putzaktionen von Vereinen, Gruppen und Gemeinden. Dass bei solchen Aktivitäten aber auch Schaden entstehen kann, darauf weist Anja Wirtherle vom Nabu Sinsheim hin. Der Naturschutzbund appelliert an alle Vereine, Gruppen und privaten Gartenbesitzer, die einen Frühjahrsputz in ihrem Ortsteil, ihrer Umgebung oder in Gärten planen, "nicht bis zum Frühjahr zu warten, sondern bereits jetzt" die Müllsammelaktionen vorzunehmen.
Die Störanfälligkeit der Natur sei im ausklingenden Winter geringer als in den sensiblen Frühjahrsmonaten, begründet Nabu-Vorsitzende Anja Wirtherle die Forderung der Umweltschützer. Zwar sei es "sehr erfreulich", dass sich viele Vereine und Bürger aktiv für Sauberkeit, Hege und Pflege ihrer Gemarkungen einsetzten, weil damit auch "das Bewusstsein für den Umgang mit der Natur geschärft werde. Die Aktionen dürften aber "nicht auf Kosten der zu schützenden Natur" gehen, so Wirtherle. Aus diesem Grund bittet der Nabu, schon in der Zeit vor Mitte März tätig zu werden, "am besten schon im Februar". Danach seien zahlreiche Vögel mit Vorbereitungen ihrer Brut beschäftigt; außerdem beginne die Setzzeit des Wildes. "Dann muss die Natur für den Menschen tabu sein."
Im Putz-Eifer könne ganz unbeabsichtigt enormer Schaden angerichtet werden, da Müll zu einem überwiegenden Teil der Fälle nicht nur am Wegrand entsorgt werde. Bei Arbeiten im Gebüsch oder in Bachbetten sei "die Gefahr groß, unbedacht Nester zu zerstören". Dass eine große Anzahl heimischer Vogelarten Bodenbrüter sind, die ihre Brutgebiete in Randflächen, entlang von Wegen und in Gräben einrichten, sei vielen Menschen nicht bewusst. So bauen etwa Nachtigall, Rotkehlchen und Zaunkönig ihre Nester in Bodennähe, die Sumpfrohrsänger - übrigens begabte Stimmenimitatoren - brüten in Brennnesselstauden am Wegesrand. Generell sei Ruhe in den Kinderstuben der Tiere für das Überleben des Nachwuchses extrem wichtig, schildert Anja Wirtherle. Damit Tiere ausweichen können, sollten bei Putzaktionen außerdem immer nur kleine Abschnitte des betreffenden Gebiets auf einmal durchkämmt werden.
Auch die bereits austreibende Pflanzenwelt, vom Gelbstern über die Küchenschelle und das Buschwindröschen bis hin zur Traubenkirsche, danke es, wenn sie in der empfindlichen Phase des Austreibens nur gegen eventuelle Spätfröste und nicht auch noch gegen Verletzungen durch Tritt oder Heckenschnitt ankämpfen müsse. Im Nabu Sinsheim, sagt Anja Wirtherle, gebe man die Hoffnung nicht auf, "dass Säuberungsaktionen irgendwann überflüssig werden". Umweltschutz müsse noch stärker zur Selbstverständlichkeit werden. Die Natur dürfe "nicht länger als Müllkippe missbraucht werden."