"Infoclimb" in Ladenburg: Schüler der Merian-Realschule klettern mit Software
Von Silke Beckmann
Ladenburg. "Infoclimb" - das Konzept, für das dieser Begriff steht, nennt Edeltrud Ditter-Stolz, Rektorin der Merian-Realschule, "einzigartig": "Das werden Sie in ganz Baden-Württemberg nicht finden." Infoclimb ist die Antwort auf die Frage, wie eine Schule die sportliche Leistungsfähigkeit ihrer Schüler beim Klettersport optimal trainieren und fördern kann, und zwar mit neuen informationstechnischen Systemen. Neueste Hightech-Ausrüstung kommt zum Einsatz bei diesem klassen- und fächerübergreifenden Konzept, das von der Hopp Foundation mit 25.800 Euro gesponsert und auch von der BASF unterstützt wird.
Federführend verantwortlich ist Dominic Arbogast, der an der Realschule Sport, Technik und Englisch unterrichtet, seit 16 Jahren begeisterter Kletterer ist und zudem C-Trainer im Deutschen Alpenverein. Sportklettern, 2020 erstmals olympische Disziplin, hat längst Eingang in die Schulen gefunden, sagt Arbogast. Da die Sportart aber vom eigentlichen Fels lebe und nicht von der Kunstwand, hat er sich überlegt, wie in der Halle nahezu reale Bedingungen geschaffen werden können.
Dies wiederum ermöglicht das Hightech-Equipment, das auch im Training eingesetzt wird und dessen Nutzung die Schüler zugleich im Umgang mit technischen Innovationen vertraut macht. Konkret geht es um die Kletterform "Bouldern", einen Teilbereich des Sportkletterns, bei dem ohne Gurt und Seil in Absprunghöhe geklettert wird.
Am Kletterfels im Schriesheimer Steinbruch hat Dominic Arbogast gemeinsam mit 13 Zehntklässlern eine Route ausgesucht, etwa sieben Meter lang, die eingescannt und mittels neuster Software umgewandelt und bearbeitet wurde. Per Scanner wurden Greif-Möglichkeiten bestimmt, um genau diese Griffe dann im vor Kurzem angeschafften 3-D-Drucker auszudrucken; beim anschließenden Gießen der soliden Formabdrucke kommt das Fach Chemie ins Spiel und damit die BASF mit ihren Möglichkeiten. Damit konnte die Kletterroute an der Boulder-Wand in der Turnhalle des benachbarten Carl-Benz-Gymnasiums originalgetreu nachgebaut werden.
Um optimale Trainingserfolge zu erzielen, kommen unter anderem Fitnessarmbänder, Tablets, neuste Kameratechnik und Bewegungssensoren zu Analysezwecken sowie elektronische Fingertrainingboards zur Anwendung. Das Training wird jeweils dokumentiert und bis ins kleinste Detail analysiert, die Teilnehmer von Fachpersonal gecoacht.
Der Hopp-Stiftung, die besonders die informatikbezogene Komponente unterstützt, ist vor allem daran gelegen, den Schülern die Relevanz von Informatik für die heutige Lebenswelt nahezubringen und "zu zeigen, wo und wie sie uns heute schon unterstützt", so Arbogast.
Infoclimb hat an der MRS zu Jahresbeginn Fahrt aufgenommen und soll langfristig im MRS-Profil verankert werden, sodass jeder Schüler die Chance hat, daran teilzunehmen, konkret sind das neben den Zehntklässlern unterstützende Projektpartner aus Stufe neun. Eingebunden sind die Fächer Sport, Technik, Englisch, Chemie, AES (Alltagskultur, Ernährung, Soziales) und Informatik. "Super begeistert" seien die Schüler, wie Arbogast sagt, der das Ausnahmeprojekt in enger Zusammenarbeit mit seinen Kollegen Carolin Schewiola, Johanna Eisel, Stefan Wehner und Martin Hensler leitet und die Kombination von Medien und Sport und damit die Verknüpfung von Bewegung mit der digitalen Welt positiv hervorhebt.
Auch Rektorin Ditter-Stolz ist äußerst angetan: Arbogast bringe mit dem Projekt aktuelle Entwicklungen in die Schule und öffne sie damit für Anforderungen, die von Gesellschaft und Betrieben gefordert werden: "Es gibt kaum mehr einen Beruf ohne digitalen Hintergrund. Unsere Schüler müssen mit der Technik umgehen können." Unterstützend schwebt ihr vor, in einem Teil des derzeit nur zweckentfremdet genutzten einstigen Fahrradkellers einen Fitnessraum einzurichten, der auch von Vereinen genutzt werden könnte: "Das würde auch die angespannte Sporthallen-Situation entzerren."