Medizin am Abend: Seele trifft Körper
Heidelberg. (bik) Der Einfluss der Seele auf den Körper ist das Thema von Prof. Wolfgang Herzog bei der nächsten Veranstaltung von "Medizin am Abend" von Universitätsklinikum und RNZ am Mittwoch, 20. Juni, 19 Uhr, im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Der Ärztliche Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik hat seinen neugeborenen Enkel vor Augen, wenn er daran erinnert, dass schon der Umgang mit dem Baby dessen späteres Leben bestimmen kann.
"Wenn man unter bestimmten Belastungen leidet, fällt man zurück auf ein Körpergedächtnis", sagt Herzog. Das wird der Mediziner seinen Zuhörern an vielen Beispielen erklären. Die frühen Bindungsaspekte seien für den Menschen extrem wichtig, erklärt Herzog. Da entwickeln sich Muster, da prägen sich erste Verletzungen ein. Und manchmal resultiert daraus ein Schmerz, dessen Ursache später kein Arzt finden kann. Doch dafür, auch das ist die Botschaft beim Vortrag "Seele trifft Körper - Psychosomatische Medizin heute", gibt es Therapien.
Bei der Psychosomatischen Medizin sieht man heute zwei Hauptlinien. Einmal soll jeder gute Arzt den Patienten als ganzen Menschen betrachten, nicht nur als kranken Körper. Schließlich reagiert auch jeder anders. Der eine wird beispielsweise mit einer schlechten Nachricht fertig, den anderen stürzt das in eine tiefe Krise. Die Fähigkeit, den Kranken auf sensible Weise mit seiner Diagnose bekannt zu machen, wird heute bei den Medizinstudenten auch trainiert.
Die klassische Psychosomatik bekommt ihre Überweisungen von den Hausärzten mit Diagnosen wie Magersucht, Depressionen, Angststörungen. Die Krankheits-Fehltage bei Berufstätigen wegen psychosomatischer Ursachen hätten in den letzten Jahren zugenommen, sagt Prof. Herzog, genau wie die Kosten für die Behandlungen. Er macht das auch an den verdichteten Arbeitsprozessen fest: "Früher konnte eine Schwächephase am Arbeitsplatz eine Zeit lang unbemerkt bleiben. Heute erleben das viele Leute als ganz starken Stress. Manche halten das nicht aus."