Dubiose Internet-Angebote blockieren: LottoBW-Chef Wacker fordert eine schärfere Glücksspiel-Aufsicht
Von Sören S. Sgries
Heidelberg. Seit einem halben Jahr ist Georg Wacker (56) Geschäftsführer der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg. Nach Jahrzehnten als CDU-Landtagsabgeordneter genießt er das neue, spannende Arbeitsfeld, sagt der Schriesheimer beim Besuch in der RNZ. Und die neuerdings meist freien Wochenenden seien auch nicht verkehrt.
Herr Wacker, die Fußball-WM steht vor der Tür. Bedauern Sie in diesen Zeiten, dass LottoBW mit Sportwetten kaum Geld machen wird?
Unsere Sportwette Oddset hat gegenüber privaten und illegalen Anbietern einen eindeutigen Nachteil: Wir dürfen sie nur in den Annahmestellen anbieten. Das Onlinespiel und -Marketing ist uns für Sportwetten untersagt, während die illegale Konkurrenz massiv unterwegs ist. Die Werbeausgaben in Deutschland sind letztes Jahr von 390 Millionen Euro auf 525 Millionen Euro angewachsen - und das geht eindeutig auf das Konto der privaten und illegalen Anbieter.
Merken Sie WM-Zeiten denn in der Bilanz?
Geringfügig. Die Oddset-Wette macht nur noch etwa zwei Prozent unserer Gesamteinsätze aus. Ohne die Wettbewerbsnachteile könnten wir zuversichtlicher auf die WM blicken. Dennoch hoffen wir, dass in den nächsten Wochen die Wettbereitschaft der Tipper steigt.
Das sagen Sie so leicht daher. Müssten Sie, als staatliches Unternehmen, nicht eher darauf hoffen, dass die Spiellust zurückgeht? Stichwort Spielsucht?
Viele Menschen haben eine Neigung zum Glücksspiel. Wir können es daher nicht verbieten. Diesen Kampf gewinnt keine Gesellschaft, kein politisches System. Also wollen wir das vorhandene Spielbedürfnis kanalisieren und in geordnete Bahnen bringen. Wenn die Vorgaben eingehalten werden, an die uns auch der Glücksspielstaatsvertrag bindet - Jugendschutz, Zurückhaltungsgebot bei der Werbung -, dann ist das völlig in Ordnung.
Und den Staat freut es, weil er Gewinne einstreicht.
Die Gelder, die wir nicht als Gewinne ausschütten, dienen hauptsächlich guten Zwecken. Gerade in Baden-Württemberg investieren wir einen erheblichen Anteil der Erträge in den Sport, kulturelle Förderung, das Ehrenamt und viele andere Bereiche. Das ist ein positiver Nebeneffekt.
Konkurrierende, illegale Anbieter werben recht ungeniert mit Jackpots in zweistelliger Millionenhöhe. Das muss Sie doch wahnsinnig ärgern?
Natürlich ärgert mich das. Diese Anbieter kopieren unsere Produkte und suggerieren dem Kunden, am staatlichen Lotto teilzunehmen. Dabei wettet man dort nur auf den Ausgang unserer Lotterien. Ich setze darauf, dass die Ministerpräsidenten aller 16 Bundesländer so vernünftig sind, dass sie in Kürze einen Staatsvertrag verabschieden, der dagegen deutliche Schranken setzt.
Funktioniert eine rechtliche Beschränkung denn? Gegen Angebote im Internet vorzugehen, erscheint recht aussichtslos.
Bisher haben wir eine Struktur der Glücksspielaufsicht, in der jedes Bundesland alleine für die Kontrolle vor Ort zuständig ist. Da gibt es den Vorstoß, eine zentrale Aufsicht zu etablieren, die insbesondere die illegalen Online-Anbieter in den Fokus nehmen kann. Derzeit haben wir in diesem Bereich keine Aufsicht mit Biss. Deswegen tanzen uns die hier illegalen Anbieter mit Sitz in Malta oder Gibraltar auf der Nase herum. Mit einer höheren Fachkompetenz, mit mehr Expertise auch im Bereich des Internet-Blocking hoffe ich, dass wir diese Strukturen in den Griff bekommen können. Illegale Angebote müssen schnell und effizient verfolgt werden.
Internetseiten blockieren: Das klingt nach Zensur, nach sehr harten Maßnahmen, wie man sie in Deutschland kaum durchgesetzt bekommt.
Ich finde es hart, aber gerecht. Zum jetzigen Zeitpunkt ist überhaupt nicht kontrollierbar, inwieweit zum Beispiel der Jugendschutz eingehalten wird. Wenn Online-Anbieter nicht kontrolliert werden, besteht auch die Gefahr, dass die Quote der Spielsüchtigen steigt. Und es kommt noch ein ganz banales Argument hinzu: Wir zahlen brav unsere Steuern und Abgaben. Firmen mit Sitz im Ausland berufen sich auf Lizenzen, die sonstwo vergeben werden, aber sie fühlen sich gegenüber dem deutschen Fiskus nicht in der Pflicht.
Als Spieler habe ich ja eigentlich keinerlei Vorteil, wenn ich bei einem der ausländischen Anbieter meine Lottotipps abgebe - es ist allein eine Frage der Bequemlichkeit. Ist der Zugang zu Ihren Angeboten zu kompliziert?
Die Hürden, die wir haben, sind uns gesetzlich vorgegeben. Ich halte aber beispielsweise die Altersgrenze von 18 Jahren für mehr als gerechtfertigt. Das Thema Spieler- und Jugendschutz ist uns sehr wichtig!
Wenn ich bei LottoBW online spielen möchte, muss ich mich trotzdem erst in einer klassischen Annahmestelle ausweisen - bei illegalen Konkurrenten kann ich am PC sitzen bleiben.
Früher war das tatsächlich so. Heute müssen Sie nicht mehr in die Annahmestelle gehen, um sich für das Online-Spiel zu registrieren. Unser Online-Segment wächst - dennoch machen wir immer noch rund 90 Prozent unserer Einsätze über die Annahmestellen. Das ist auch gut so. Meist handelt es sich ja bei unseren Vertriebspartnern um Einzelhändler, die ihre Kunden sehr gut kennen. Dadurch entstehen Vertrauensverhältnisse. Und die Spieler bekommen sehr transparent Informationen, was mit den Einsätzen passiert.
Die Grünen-Landtagsfraktionen in Baden-Württemberg und Bayern schlagen vor, Lizenzen fürs legale Online-Glücksspiel auszugeben und so den illegalen Anbietern legale Konkurrenz entgegenzustellen. Eine sinnvolle Idee?
Ich halte das geltende Verbot von Online-Casinos und Online-Poker für gerechtfertigt. Das sind mit die gefährlichsten Glücksspiele mit einem hohen Betrugs-, Manipulations- und Geldwäscherisiko. Die sollten wir im Netz nicht freigeben. Der Vorschlag der Grünen ist gut gemeint, weil ihnen der Spieler- und Jugendschutz wichtig ist. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist eine strenge Kontrolle der Online-Casinos aber nicht realisierbar.
2017 verzeichneten Sie 933,2 Millionen Euro Einsätze, im Vorjahr noch 967,4 Millionen Euro: Erleben Sie gerade einen Einbruch?
Das war ein Rückschlag, aber nicht gravierend. Über die letzten Jahre entwickelten sich unsere Gesamteinsätze stabil. Leider beobachten wir aber einen kontinuierlichen Rückgang bei unserer klassischen Lotterie "6 aus 49". Die fangen wir zwar mit dem Eurojackpot ab, doch der deutsche Glücksspielmarkt insgesamt wächst. Davon profitieren aber nicht wir als staatliche Lotterien, sondern die privaten und illegalen Anbieter. In einem boomenden Markt stagnieren unsere Geschäfte.
Abschließend zurück zur WM: Auf wen würde Lotto-Chef Georg Wacker wetten?
Die deutsche Nationalmannschaft kommt auf jeden Fall unter die letzten Vier. Darüber hinaus gebe ich lieber keinen Tipp ab.