Skat-Juniorenmeister aus Seckach: "Pik Hand ohne Elf" brachte den Erfolg
Seckach/Adelsheim. (joc) Zwar dreht sich in den nächsten Wochen anlässlich der Weltmeisterschaft in Russland natürlich alles in erster Linie um König Fußball, aber auch in anderen Sportarten oder Spielrunden geht es derzeit um Punkte und Pokale. Am vergangenen Wochenende fanden die 63. Deutschen Einzelmeisterschaften im Skat im Maritim-Hotel in Würzburg statt.
Mit dabei waren auch zwei junge Männer aus Seckach und Adelsheim. Und für sie galt mehr als das olympische Prinzip "Dabei sein ist alles", denn der 18-jährige Bauländer Laurin Kolbenschlag holte sich in der Altersgruppe der 18- bis 21-Jährigen den Titel. Und sein ein Jahr älterer Bruder Jan wurde in der gleichen Kategorie Siebter.
Die beiden Schüler des Eckenberg-Gymnasiums Adelsheim starten für den Skatclub "Grand Hand Sulzbach". Ihre Leidenschaft für den Skatsport weckte ihr Vater Richard, Seckacher Gemeinderat und Eigentümer der Besen-Wirtschaft "Zum Kolbe" auf dem Waidachshof.
Wenn sie bei den Deutschen Meisterschaften oder bei großen Turnieren nicht gerade gegen Gleichaltrige antreten, dann müssen sich die Kolbenschlag-Brüder wie Exoten fühlen. Denn an den Skattischen sitzen in erster Linie ältere Herren. Da fallen ein 18- und ein 19-Jähriger natürlich besonders auf.
Aber nicht nur durch ihre Jugend heben sich Jan und Laurin von den anderen Skatspielern hierzulande ab. Die beiden sind auch leistungsmäßig eine Klasse für sich. Sie haben in ihren jungen Jahren schon zahlreiche nationale und internationale Erfolge errungen. Nachstehend ein paar Beispiele:
Jan Kolbenschlag spielte bereits Bundesliga in Pforzheim und Tübingen, er holte sich mit der Mannschaft den Deutschen Meistertitel, und er ist deutscher ISPA-Juniorenmeister. In der deutschen Rangliste ist er Dritter bei den Junioren, in der Weltrangliste belegt er im Ranking Platz 300.
Sein jüngerer Bruder Laurin war von 2013 bis 2016 Deutscher Juniorenmeister, er spielte in der Skat-Bundesliga für Pforzheim und war mit dem Landesteam Baden-Württemberg schon vier Mal Deutscher Mannschaftsmeister. Schon seit einiger Zeit führt er die deutsche Junioren-Rangliste an.
Für die Skatfreunde unter den RNZ-Lesern stellt Laurin sein bisheriges Top-Blatt vor. In Mittelhand hatte er Kreuz-As und -König, Pik-Sieben, Herz-As, Herz-Zehn, Herz-König und Herz-Sieben sowie Karo-As, Karo-Zehn, -König und -Neun. Laurin spielte "Pik Hand ohne Elf" und gewann hauchdünn.
Obwohl die beiden Kolbenschlags nationale Spitze sind und zu den größten Talenten in Deutschland zählen, sehen sie ihren Sport und die damit verbundenen Möglichkeiten eher realistisch. Jan: "Im Darts boomt es ja seit einigen Jahren, da werden enorme Preisgelder bezahlt, und der Publikumszuspruch ist riesig. Davon können wir im Skat nur träumen. Publikum gibt es kaum, das gleiche gilt für Sponsoren, und die Preisgelder bewegen sich im unteren Bereich. Davon könnte man definitiv nicht leben!"
Und in der Tat könnten die Entwicklungen der beiden genannten "Sportarten" (die Eingruppierung in die Kategorie Sport ist in beiden Fällen nicht ganz unproblematisch) unterschiedlicher kaum sein. Darts erlebte einen kometenhaften Aufstieg - beim Skat läuft es eher in die andere Richtung.
Gab es in Deutschland im Jahr 2007 noch 30.304 aktive Spieler in 1889 Vereinen, so waren es zuletzt nur noch 19.590 Kartenfreunde in nur noch 1365 Vereinen. Das beliebte Kartenspiel droht in der Versenkung zu verschwinden...
Jan Ehlers, der Vizepräsident des Deutschen Skatverbandes, glaubt die Gründe dafür zu kennen: "Wir haben es einfach versäumt, die jetzt 20- bis 40-Jährigen in jungen Jahren für das Spiel zu begeistern." Angesichts dieser Situation tut Nachwuchs Not - und Jan und Laurin Kolbenschlag sind Hoffnungsträger einer ganzen Sportart. Ihre Erfolge sollen Altersgenossen motivieren, das Spiel mit den 32 Karten zu ihrem Hobby zu machen.
Doch der Erfolg der Kolbenschlag-Brüder kommt nicht von ungefähr. Das Geheimrezept ist eine große Portion Talent und üben, üben, üben! Laurin betont, dass beide mindestens zehn bis zwölf Stunden pro Woche trainieren, entweder online oder mit real gegenwärtigen Spielpartnern, denn Routine ist bei diesem Strategiespiel enorm wichtig.
Dass ihre Spielpartner hierzulande teilweise ihre Großväter sein könnten, macht den beiden nichts aus. Sie spielen gerne mit den Routiniers. "Von denen kann man am Besten lernen", sagt Laurin. Das tun sie zumeist bei den Skatabenden am Freitagabend bei ihrem Club "Grand Hand Sulzbach".
Durch ihre Erfolge bei den Deutschen Meisterschaften in Würzburg haben sie sich für die Skat-Weltmeisterschaft qualifiziert, die vom 17. bis 24. August in Berlin stattfinden wird. Doch auch hier zeigt sich die Misere der Randsportart.
Zwar könnte es für einen Süddeutschen weiter entferntere Austragungsorte als Berlin geben, doch mit Startgeld und den Kosten für Hotel und Verpflegung kommen über die beiden Veranstaltungstage locker 1000 Euro zusammen - viel Geld für zwei Schüler, die zwar nationale Spitze sind, aber das leider in der finanztechnisch gesehen - falschen Sportart.