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Fahrenbach-Robern: Wo Schildkröte und Biber Tür an Tür leben

Robern. (dore) Eine ungewöhnliche Entdeckung machte Raphael Brauch aus Robern diesen Sommer bei einer seiner regelmäßigen Joggingrunden zum Roberner See: Drei kleine Schildkröten sonnten sich auf einem dicken Ast über der Seeoberfläche. Enten, Fischreiher, andere Vogelarten oder Insekten hat er dort schon öfter gesehen, aber Schildkröten? Nein, die kleinen Reptilien mit dem Schildpanzer sind ihm am See noch nie zuvor vor die Augen gekommen.

"Die hat jemand hier ausgesetzt. In Deutschland ist zwar eine Schildkrötenart beheimatet - die Sumpfdotterschildkröte - die lebt aber nicht hier", klärt Robin Frank, Leiter des Forstrevieres Odenwald der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau (ESPS), beim Rundgang durch das Naturschutzgebiet Roberner See auf. Die ESPS ist Eigentümer des Naturschutzgebiets Roberner See und des südlich angrenzenden Waldgebiets. Die Stiftung bewirtschaftet unter anderem Wälder, um damit den Bau von Kirchen finanzieren zu können.

"Jede Veränderung im Naturschutzgebiet stimmen wir mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe ab, hier gelten strenge Richtlinien", erklärt Frank. Die Bewirtschaftung in einem Naturschutzgebiet ist verboten. Südlich an den See schließt jedoch ein Waldgebiet an, das nicht zum Naturschutzgebiet gehört. Doch auch, wenn eine Bewirtschaftung hier erlaubt ist, so mache man das "nicht exzessiv, sondern nachhaltig. Das ist uns generell sehr wichtig, nicht nur hier", betont Christine Flicker, Pressereferentin der ESPS.

Zurück zu den Schildkröten: Erstmals gesehen habe er die kleinen Reptilien bereits vor etwa einem Jahr, erzählt Robin Frank. "Die beste Zeit, sie zu sehen, ist morgens zwischen 9 und 10 Uhr. Da legen sie sich oft auf einen dicken Ast über der Seeoberfläche und genießen die Morgensonne." Obwohl es im Naturschutzgebiet Roberner See verboten ist, käme es "leider immer mal wieder vor, dass Menschen hier Tiere aussetzen, die nicht hier hingehören." Nicht heimische Tierarten könnten unter Umständen die geschützten Arten gefährden, pflichtet ihm Christine Flicker bei.

Der Roberner See ist zwar kein natürlicher Lebensraum einer Schildkrötenart, allerdings für zahlreiche andere geschützte Tier- und Pflanzenarten. Das Naturschutzgebiet ist Rast- und Brutplatz für viele verschiedene Vogelarten, von Stockente, Graureiher oder Kormoran bis hin zum seltenen und streng geschützten Schwarzstorch. Regelmäßig brüten hier Blässhuhn, Teichhuhn, auch Reiherente und Fledermäuse gehen auf Nahrungssuche.

Eine solch große offene Wasserfläche sei selten im Odenwald, informiert Robin Frank. Zusammen mit den Feuchtwiesenstrukturen bietet sie den Vögeln attraktive Lebensbedingungen. Über 200 Pflanzenarten sind hier nachgewiesen. "Auf der freien Wasserfläche finden sich Schwimmblattgesellschaften mit der weißen Seerose, im Röhricht des Uferbereichs sind die Gelbe Schwertlilie und Rohrkolben zu Hause", heißt es auf der Infotafel des Naturparks Neckartal-Odenwald am Rande des Sees. Im See selbst tummeln sich unter anderem Karpfen. Fischerei ist im Naturschutzgebiet jedoch verboten.

Zum Naturschutzgebiet zählt auch der nördliche Teil des Seebachs, der bei Wagenschwend entspringt, in den See fließt und in südlicher Richtung in den Neckar bei Neckargerach mündet. Entlang des Bachlaufs stehen verschiedene Baumarten wie Schwarzerle, Weiden und Gehölze der Erlenbruchwälder. Kein Wunder, dass sich hier auch der Biber wohlfühlt. In den Jahren 2007/2008 hinterließ er im Seebachtal erstmals seine Spuren, mittlerweile ist eine ganze Familie am Bachlauf südlich des Sees heimisch geworden (außerhalb des Naturschutzgebiets, der Biber ist aber dennoch eine geschützte Tierart!). "Sehr wahrscheinlich ist der Biber vom Neckar über den Seebach hierher gewandert", erzählt Förster Frank.

Seit Ende der 1980er Jahre sind der See und seine nördliche Umgebung - insgesamt rund 23 Hektar Fläche - als Naturschutzgebiet ausgewiesen. 2008 wurde das Gebiet in die FFH (Flora, Fauna, Habitat)-Schutzgebietskulisse Odenwald Neckargerach-Waldbrunn aufgenommen. Beim Roberner See handelt es sich jedoch um keinen natürlich vorkommenden See, in seiner jetzigen Form existiert er seit 1966. An der Stelle des See befanden sich ursprünglich ein Schallweiher, Feuchtwiesen und der Seebach. Über den aufgestauten Seebach wurde bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Flößerei bis zum Neckar betrieben.

In den 1960er-Jahren kam dann die Idee auf, einen See zu errichten, unter anderem, um Fischerei zu betreiben. Heute schätzen viele Menschen den Roberner See als idyllisches Naherholungsgebiet.

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