Weinheim: Neue Genossenschaftswohnungen - Der erste Rohbau steht
Von Karin Katzenberger-Ruf
Weinheim. Drei Gläser Wein auf die am Bau Beteiligten: Diese leert Zimmermann Jörg Rudolph jeweils auf einen Zug, wie die Tradition es will. Dann schmettert er das Trinkglas vom Gerüst aus zu Boden, schließlich sollen Scherben Glück bringen. Beim Richtfest in der Händelstraße Anfang der Woche ist schon jetzt oft von Glück die Rede gewesen. Hier entstehen unter Regie der Baugenossenschaft Weinheim (bgw) bis zum nächsten Frühjahr 24 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, die für durchschnittlich neun Euro pro Quadratmeter vermietet werden sollen.
Die Bauarbeiten verliefen nach Plan, auch dank des trocken-heißen Sommers. Noch vor dem ersten großen Gewitter sei das Dach auf dem Gebäude gewesen, ist beim Richtfest zu erfahren. Das 4,6-Millionen Euro-Projekt ist laut Vorstandsvorsitzendem Lorenz Freudenberg nur der erste Bauabschnitt eines Vorhabens, das in Weinheim bezahlbaren und zugleich barrierefreien Wohnraum garantieren soll.
Der "Nachkriegsbau" mit der Hausnummer 57, errichtet aus sogenanntem "Schüttbeton", der aus den Trümmern im zerbombten Mannheim gewonnen wurde, galt als nicht sanierbar. Diese Diagnose fiel vor etwa drei Jahren und traf auch die benachbarten Häuser im Besitz der Baugenossenschaft. Insgesamt geht es nun um 167 Wohnungen, die nach und nach der Abrissbirne zum Opfer fallen werden und um 150 neue auf dem Grund und Boden, der der Baugenossenschaft gehört.
Das Besondere an dem Neubau: Er wird abwechselnd nach Westen und Osten ausgerichtete "Vorstell-Balkone" erhalten. Demnach schien es nicht sinnvoll, im Erdgeschoss Terrassen mit Blickrichtung zur Straße hin zu bauen. Andererseits werden Eltern ihre Kinder vom Balkon aus im Blick haben, wenn sich diese auf dem Spielplatz hinter dem Haus aufhalten.
Weitere Fakten: Alle Wohnungen bekommen ein Bad mit Tageslicht. Es gibt einen direkten Zugang zur Tiefgarage und geräumige Fahrstühle, in denen sich auch Fahrräder transportieren lassen. Als "Herausforderung" bezeichnete Freudenberg das energetische Konzept, nachdem laut Gesetz bei Neubauten der Einsatz erneuerbarer Energien zu 25 Prozent nachgewiesen werden muss.
So habe man sich nach intensiven Verhandlungen mit den Stadtwerken dazu entschieden, das Fernwärmenetz aus dem Hallenbad zu einer Ringleitung entlang der Händelstraße auszubauen. Die erneuerbare Energie, erzeugt in einem Blockheizkraftwerk, werde in einer Übergabestation direkt ins Haus geleitet. Interessierte könnten sich schon jetzt für die Wohnungen bewerben, so Freudenberg. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Baugenossenschaft wies Jörg Soballa in seiner Begrüßung darauf hin, dass der zweite Bauabschnitt bereits mit dem Abriss des alten Bestands begonnen habe und bezüglich des dritten damit begonnen worden sei, alternativen Wohnraum für die Mieter zu finden.
Architekt Martin Hallmann wollte die Ausführungen seiner Vorredner nicht wiederholen, sprach lieber von der Flexibilität, die beim Bau oft gefragt ist. In der Händelstraße ging es da um die Zufahrt zur Tiefgarage. Dort ging übrigens der Richtschmaus über die Bühne. Zuvor war der Rundgang durch den Rohbau möglich. Bürgermeister Torsten Fetzner nannte die Baugenossenschaft in seinem Grußwort einen verlässlichen Partner. Er sei sich sicher, dass in der Händelstraße nur "Hochwertiges" entstehe. Den Richtspruch verfolgte er amüsiert, schließlich hat der Enkel eines Zimmermanns seine Jugend quasi auf Baustellen verbracht, wie er verriet.