Weinheim: Alte Anwesen weichen Eigentumswohnungen
Von Philipp Weber
Weinheim. Die Stadt verändert ihr Gesicht. Und zwar an einer Stelle, wo ihr ein "Facelifting" gut tut. Die Rede ist von den sanierungsbedürftigen Gebäuden sowie einer Freifläche an Grundelbachstraße und Spitalgässchen in der östlichen Innenstadt. Die Anwesen schräg gegenüber des Rewe-Markts sind ebenso wenig ansehnlich wie die Baulücke.
So war es kein Wunder, dass die große Mehrheit des Ausschusses für Technik und Umwelt das Vorhaben eines Bensheimer Bauherrn grundsätzlich willkommen hieß. Der Investor will die älteren Anwesen von Dezember 2019 an abreißen lassen, wie er in der Sitzung am Mittwochabend sagte. Zehn Eigentumswohnungen und drei Einfamilienhäuser sollen stattdessen entstehen. Die Bauzeit beträgt eineinhalb Jahre.
Das Vorhaben lag dem Ausschuss zur Kenntnisnahme vor. Das heißt, es war nicht zustimmungspflichtig. Dennoch war das Interesse groß. Susanne Tröscher outete sich gleich zu Beginn als Kritikerin des Projekts. Sie bemängelte, dass der Investor keinen Platz für einen Kinderspielplatz sieht. Dass er die erforderlichen zwölf Autostellplätze im benachbarten Schlossberg-Parkhaus zukauft, sei "moderner Ablasshandel", so die CDU-Rätin.
Die Bebauung sei ihr außerdem zu massiv, sagte Tröscher. So werde die Fassade des Mehrfamilienhauses mit den zehn Eigentumswohnungen lediglich im Dachbereich aufgelockert. Es fehle ihr darüber hinaus eine Grünfläche, die die Hitze im Hochsommer auffängt.
Der Angesprochene konterte: Er sei ausdrücklich nicht dazu verpflichtet, Stellplätze zu schaffen, sagte er in der Diskussion, die sich der Präsentation anschloss. Er müsse die Plätze nur nachweisen. Und dazu eigne sich die Lösung mit dem Parkhaus vorzüglich. Außerdem entstehe in dem Neubauensemble durchaus grüne Terrassenfläche, eine Maximalbebauung sei nicht vorgesehen. Das Projekt sei definitiv keine Wiederholung der ehedem umstrittenen Schlossbergterrasse. Auch Constantin Görtz sah die Sache entspannter als seine Vorrednerin. "In dem Bauantrag des Investors erkenne ich ein gutes Beispiel für innerstädtische Verdichtung", so der Sozialdemokrat. Zudem habe das Stadtplanungsamt ja durchaus Einfluss auf die Gestaltung des Mehrfamilienhauses genommen, sodass dieses nun wesentlich ansprechender daherkomme als beim ersten Versuch. Auch das Problem mit den fehlenden Stellplätzen habe man sauber gelöst.
Elisabeth Kramer (GAL) schloss sich Görtz an. "Wenn das Parkhaus auf diese Weise mitgenutzt wird, ist doch allen Beteiligten gedient", meinte sie. Damit spielte sie wohl darauf an, dass das Parkhaus sehr selten ausgelastet ist. Lediglich die Verpflichtung, Spielplätze zu errichten, sei in Weinheim zu leicht zu umgehen.
Carsten Labudda (Die Linke) plagte ein ganz anderes Problem: Er erinnerte an die Leitlinien zum sozialen beziehungsweise preisgedämpften Wohnungsbau: "Wir haben ausdrücklich vereinbart, dass diese Regelungen ab einer bestimmten Quadratmeterzahl zur Anwendung kommen, egal wem das Grundstück gehört und egal ob Miet- oder Eigentumswohnungen entstehen. Es wäre verheerend, diese Regeln nicht konsequent anzuwenden." Sven-Patrick Marx widersprach: "Die Leitlinien gelten nur dann, wenn wir als Stadt Baurecht schaffen", so der Leiter des Amts für Stadtentwicklung. Das passiere in den Allmendäckern oder auf dem Areal der heutigen GRN-Pflege. An der Grundelbachstraße sei kein Bebauungsplan erforderlich.
Wolfgang Wetzel (FDP) wünschte sich vor allem eine Anpassung der Fensterformen. Diese würden sich doch arg vom Bestand unterscheiden. Das sah Bürgermeister Torsten Fetzner - dessen Arbeit als Sitzungsleiter später von mehreren Seiten gelobt wurde - anders: "Wir sollten neuere Architektur zulassen. Sonst müssten wir in der Innenstadt bauen wie im Mittelalter." Christian Mayer (FW) machte es kurz: "Wir finden das Projekt gelungen."