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Edingen-Neckarhausen: "Ich möchte mich hier anpassen"

Edingen-Neckarhausen. (nip) Seit 1. August ist Ann-Sophie Schneck nun in der südindischen Stadt Coimbatore, wo sie acht Monate lang ein Freiwilliges Soziales Jahr bei einer Hilfsorganisation ableistet. Eine von Ordensschwestern geführte Einrichtung betreibt dort verschiedene Projekte mit dem Ziel, Frauen und Mädchen in Indien zu stärken.

Das Thema "Frauenrechte" trieb die 18-jährige Neckarhäuserin an, über die Karl-Kübel-Stiftung in Bensheim einen Freiwilligendienst für "Good Shepherd Health Education Centre & Dispensary" (GSHEC) zu leisten. Für die RNZ schreibt Ann-Sophie über ihre Eindrücke und Erfahrungen in Südindien.

Hier ihr erster Bericht: "Lautes Hupen, heiß-feuchte Luft, die sich mit dem Fahrtwind vermischt, der Geruch von Erde und Abgasen. Müdigkeit und Erschöpfung kämpfen gegen Neugierde und Aufregung. Im Bus läuft laute Bollywood-Musik, rhythmische Trommeln unterstützten virtuose Triller und Halbtonharmonien.

Das Bild wird vervollständigt durch Palmen, staubige Straßen, traditionell gekleidete Menschen, Straßenhunde und Kühe, die am Straßenrand liegen sowie bunte Schilder, deren verschnörkelte Buchstaben wie einzigartige Kunstwerke aussehen. In der Ferne sind dicht bewachsene Berge zu sehen - ein Kontrastprogramm zu Lärm, Enge, Staub und Chaos.

Die Bäume wirken wie das atemspendende Organ der Stadt, die Palmen wie ein lustiger Kontrast dazu. Ich sehe einen kleinen Jungen auf einer Treppe mit einer Frucht in der Hand, eine Frau mit lilafarbenem Saree sitzt im Damensitz auf einem Moped. Gebündelte Stromleitungen am Himmel und kleine Mauern mit Glasscherben auf den Rändern erregen meine Aufmerksamkeit. In der etwas kleineren Stadt Karamadai bringen wir wie jeden Morgen die Kinder des Kinderheims Clare Bhavan in die örtliche Schule - vorbei an großen Säcken voller Zwiebeln und Knoblauch und über die Bahngleise, auf denen eine Schar Ziegen steht. Die Kinder nennen uns "Auntie", Tante. Sie berühren unsere Arme, streichen uns über die Haut und kneifen uns in die Wangen, wie um zu prüfen, ob wir auch echt sind. "You are beautiful - du bist schön", sagt ein Mädchen mit langen schwarzen Haaren und schokobraunen Augen zu mir. "No, you are beautiful - nein, du bist schön", antworte ich. Wenn wir durch die Straßen gehen, werden wir mit Blicken taxiert, die Musterung dauert immer einen Tick zu lang. Es ist ungewohnt, hier "Weiße" zu sehen. An guten Tagen fühlt man sich wie eine berühmte Persönlichkeit, an schlechten wie ein Tier im Zoo. Auf den Märkten versucht man uns Ware anzupreisen, Wörter wie "Fremde" und "Engländer" sind zu hören. Trotz der traditionellen Kleidung, die wir tragen - eine lange Tunika über einer weiten Hose und einen Schal - fallen wir auf.

Auf Werbeplakaten an Hauswänden preisen hellhäutige Menschen Produkte an. Der Wahn zur weißen Haut geht so weit, dass im Supermarkt Duschgele mit Bleichmitteln zu finden sind. Die Frauen pudern ihre Gesichter morgens mit weißem Pulver. Jedes Mal, wenn uns die Kinder sagen, wir seien schön, sagen wir, sie wären es ebenso.

Bei manchen Mädchen merkt man jedoch deutlich, dass sie ein geringes Selbstwertgefühl besitzen. Nicht nur, weil sie Mädchen sind, sondern vor allem, weil sie gerne hellere Haut, blonde Haare, oder eine andere Augenfarbe als braun hätten. "Trägst du Linsen?", fragt mich ein Mädchen auf dem Schulhof. Nein, es gibt wirklich Menschen mit blauen oder grünen Augen.

"Bei dir sieht man die Venen", stellen die Kinder mit erschrockenem Blick fest. Blau stechen sie unter der hellen Haut am Unterarm und noch mehr in der Armbeuge hervor. Das ist normal, keine Sorge, erkläre ich. Aufgeregt und fasziniert, fahren sie mit ihren Fingern die blauen Linien nach und suchen ihre eigenen Arme ab. Doch auch, wenn helle Haut hier dem Schönheitsideal entspricht, fühlt man sich anders. Auf dem Rückweg kaufen wir ein Kilogramm Mangos für umgerechnet 50 Cent. Danach laufen wir zurück, vorbei an vielen neugierigen Blicken. Und so sehr unsere westliche Gesellschaft auch auf Individualität pocht, so sehr möchte ich mich hier anpassen."

Info: Ann-Sophie Schneck wird in loser Folge weiter über ihre Erlebnisse in Indien berichten.

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