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Hirschberg-Leutershausen: Von der Fabrikhalle zum Begegnungsraum

Von Anja Stepic

Hirschberg-Leutershausen. Mit ihren schlichten und klaren Linien und Formen, warmen Farben, Lichtoffenheit und einzigartigen Akustik ist die Ehemalige Synagoge ein weit über die Ortsgrenzen hinaus bewunderter Veranstaltungsort für hochkarätige Konzerte und Vorträge. Ein Ambiente, das wie geschaffen ist für Begegnung zwischen Menschen und Kulturen. Am Sonntag, 16. September, wird das 150-jährige Bestehen des historischen Gebäudes gefeiert, das eine bewegte Geschichte hinter sich hat.

70 Jahre lang war das Gebäude das Gebetshaus der jüdischen Gemeinde Leutershausen, die das Grundstück 1862 für den Bau einer Synagoge erwarb. Zu dieser Zeit waren elf Prozent der Einwohner Leutershausens Juden. Nach fast zweijähriger Bauzeit wurde die Synagoge am 4. September 1868 eingeweiht. Bis in die 1930er-Jahre war sie kulturelles und religiöses Zentrum für die jüdischen Mitbürger, die ihren Heimatort vielfältig mitgeprägt haben. Die Synagoge war ein Ort, an dem sich Menschen begegneten, um zu beten, zu feiern, zu lernen und zu lachen.

Dem offenen, friedlichen Miteinander war keine Dauer vergönnt: Die Repressalien der Nationalsozialisten zwangen immer mehr jüdische Familien, Leutershausen zu verlassen. Daraufhin wurde die Synagoge an die politische Gemeinde verkauft. So blieb sie in der Pogromnacht von 1938 vor der Zerstörung bewahrt. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gebäude dann als Lazarett und Gefangenenlager. 1950 wurde die Synagoge der "Jewish Restitution Successor Organisation" übertragen, die sie 1952 wieder an das Land Baden-Württemberg verkaufte.

Ab 1955 ging sie schließlich in Privatbesitz über und diente als Betriebsgebäude für Gewerbe, unter anderem als Konservenfabrik und als Druckerei. Um die Auflagen dafür zu erfüllen, wurde viel verändert: Es wurden rechteckige Fenster mit Rollläden eingebaut, eine Decke zwischen den Emporen eingezogen, um ein zweites Stockwerk zu schaffen. Der Innenraum wurde in mehrere Räume geteilt. Das Erdgeschoss diente weitgehend als große Maschinenhalle. Das eigentliche Synagogengebäude bekam in der Nachkriegszeit noch einen Anbau für Toiletten und Sozialräume der Arbeiter.

1985 erwarb die Gemeinde Hirschberg das Gebäude, das noch an eine Druckerei vermietet war. Daher wurde nach dem Kauf lediglich die "unwürdige Fassade" gestrichen und die "Westrose", das Rundfenster im Dachgiebel, wieder hergestellt. Erst nach Betriebsaufgabe der Druckerei beschloss der Gemeinderat 1996, das seit 1972 unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu sanieren und für kulturelle Veranstaltungen umzubauen. Möglich wurde dies durch die überraschende Aufnahme Leutershausens in das Landessanierungsprogramm. Mehr als 800.000 Euro wurden für das Projekt von Land und Gemeinde bereitgestellt.

Aus Respekt vor der Würde des Gebäudes und seiner Geschichte lautete die Leitformel für die Neugestaltung: "Erhalten und reparieren, wo immer es möglich ist." Dennoch sollte der Nachbau in moderner Technik erfolgen, um auch die Wandlungen des historischen Gebäudes erkennbar zu machen. Mit dem Projekt beauftragte die Gemeinde das Architekturbüro "Diesbach & Kopp". Götz Diesbach und sein Team, allen voran Bernd Kopp und Ariane Rößler, erwiesen sich mit ihrem fundierten Fachwissen und hoher Sensibilität als Glücksfall für die Gemeinde. Eine wichtige Unterstützung des Projekts bekam die Gemeinde als Bauherrin zudem vom 1998 gegründeten "Arbeitskreis Ehemalige Synagoge", der am 23. September sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Dessen Vereinszweck ist es unter anderem, die Schicksale der ehemaligen jüdischen Bürger beider Hirschberger Ortsteile im Bewusstsein zu halten, Kontakte zu deren Nachkommen herzustellen und durch die Organisation von Vorträgen und Konzerten, vor allem aus dem jüdischen Kulturkreis, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu bewahren.

Viele Quellen über das ursprüngliche Aussehen der Synagoge gab es allerdings nicht. Einzige Hinweise auf die einstige Form des Haupteingangs gaben zwei alte Fotos und eine Postkartenzeichnung, auf der zudem über dem dreibogigen Portal noch ein heute nicht mehr vorhandenes Giebeldreieck zu sehen ist. Während der Rückbauarbeiten wurden mehrere im Laufe der Zeit zubetonierte Bauelemente gefunden und freigelegt - darunter Stufen der Holz-Spindeltreppe zur "Frauenempore" und Bodenplatten aus Sandstein im Bereich der Treppentür. Die kassettierte Rundbogentür selbst wurde im unteren Bereich um 20 Zentimeter ergänzt.

Zu den erhaltenen Originalelementen zählen auch die sechs gusseisernen Säulen zwischen Boden und Empore, deren Stabilisierung eine besondere Herausforderung darstellte. Die historischen Kapitelle der Säulen wurden von vielschichtigen Farbresten gereinigt. Restauriert wurden auch drei gusseiserne Fenster, ein weiteres wurde zum Teil nachgebildet. Erhalten werden konnten rund 20 Quadratmeter Holzdielenboden auf der westlichen Empore.

Die Vorgabe, zu erhalten und zu reparieren, war nicht immer einfach - insbesondere beim Wand- und Deckenputz. So gelang die Wiederherstellung der historischen Putzoberfläche samt Farbauftrag nur mit alten Putztechniken. Zierformen mussten sorgfältig eingeputzt werden, sodass die Renovierung und Restaurierung auch die Handwerker vor Herausforderungen stellte. Beteiligt waren an der Renovierung auch zahlreiche ortsansässige Handwerksbetriebe.

Nicht alles aber wurde originalgetreu nachgebaut. So wich zum Beispiel die ursprünglich vergitterte Eingangs-Loggia einem heute verglasten Vorraum vor dem Saal. Die beiden Rundbogenfenster in den Giebeln wurden von dem schottischen Glaskünstler John Clark künstlerisch gestaltet. Zum Gedenken an die Pogromnacht 1938 ließ die Gemeinde am 9. November 1988 eine Gedenktafel an die jüdischen Mitbürger an der Westseite des Gebäudes anbringen.

Am 11. November 2001 wurde die ehemalige Synagoge dann in Anwesenheit von Nachkommen ehemaliger jüdischer Bürger Leutershausens mit einem Festakt ihrem neuen Bestimmungszweck als "Haus der Kultur und Begegnung" übergeben. "Die Alte Synagoge ist endlich wieder geworden, was sie schon immer war: ein Haus der Versammlung", sagte Sigrid Zweygart-Perez, die ehemalige Vorsitzende des Arbeitskreises Ehemalige Synagoge. Kultur sei nur da möglich, wo Begegnung stattfindet - auch und besonders mit Menschen und Themen, die einem fremd seien oder scheinen.

Ein bedeutender Moment war 2014 schließlich die Errichtung eines Mahnmals zum Gedenken an 27 jüdische Bürger aus Leutershausen und Großsachsen auf dem Platz vor der Synagoge durch die Mannheimer Künstlerin Myriam Holme.

Heute verfügt die Gemeinde Hirschberg mit der Alten Synagoge über einen schönen und historischen Veranstaltungsort, der regelmäßig Kulisse für eindrucksvolle Konzerte ist.

Info: Festakt zu 150 Jahren Synagoge, Sonntag, 16. September, 11 Uhr, in der Ehemaligen Synagoge mit Grußworten und Kurzvorträgen unter anderem von Bürgermeister Manuel Just und Professor Erhard Schnurr vom Arbeitskreis Ehemalige Synagoge.

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