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SV Sandhausen: "Das ideale System wäre 4-2-3-2"

Von Claus Weber

Sandhausen. Besser geht’s nicht. Mit dem 4:0-Heimsieg über den FC Ingolstadt feierte Sandhausens neuer Trainer Uwe Koschinat einen Traumeinstand. Die RNZ sprach mit dem 47-Jährigen Koblenzer über das Spiel, seine ersten Tage am Hardtwald und seine Ideen vom Fußball.

4:0 zum Einstand - sind Sie selbst ein bisschen überrascht?

Ja, ich war nicht so kühn zu erwarten, dass wir einen Erfolg landen, der Richtung Kantersieg geht. Was am imponierendsten war: Dass die Mannschaft nach dem 2:0 nicht auf Verwaltungsmodus geschaltet hat, sondern eine unglaubliche Lust entwickelt hat, Fußball zu spielen, mutig zu sein. Aber man muss auch sagen: Das war das Spiel des Vorletzten zuhause gegen den Letzten - wenn du in der Liga bleiben willst, musst du solche Spiele gewinnen.

War Sandhausen so stark oder Ingolstadt so schwach?

Die Höhe des Ergebnisses haben wir durch unsere Art des Spiels, durch unsere Körpersprache und unsere Qualität, in allen Zonen permanent Überzahl zu schaffen, stark zu verteidigen und überfallartig anzugreifen, sehr stark selbst beeinflusst.

Wie sah die Arbeit bisher aus?

Es ging zunächst daran, hier ganz schnell anzukommen und der Mannschaft inhaltlich einen sehr klaren Plan zu vermitteln. Ich habe mich relativ schnell auf einen engen Kreis an Spielern festgelegt, die für einen Startelfeinsatz in Frage kommen, alles andere wäre wegen der Größe des Kaders Blödsinn gewesen. Ich hatte relativ früh eine Idee im Kopf, wie das aussehen kann. Ich habe sehr viel mit Spielern gesprochen. Mit Kapitän Stefan Kulovits saß ich zweieinhalb Stunden zusammen. Ich habe mir seine Sichtweise angehört. Und dann hat sich peu à peu ein rundes Bild ergeben.

Sie spielten mit einem Vierer-Mittelfeld statt zwei klassischen Sechsern.

Das ideale System wäre 4-2-3-2, da wäre es optimal ausbalanciert. Das geht leider nicht, da wäre einer zu viel auf dem Platz. Deswegen muss ich mich entscheiden, einen Zehner zugunsten eines Stürmers zu opfern oder umgekehrt. Ich habe im Abschlusstraining beides getestet. Mir hat wegen der Durchschlagskraft die Konstellation mit Stürmer Andrew Wooten besser gefallen. Ich bin der Meinung, dass der SV Sandhausen gute Offensivspieler hat und dass es dann an der Zeit ist, den Spielern die Chance zu geben, in einen Tor-Lauf reinzukommen. Wooten und Schleusener sind zwei Spieler, die in der Zweiten Liga nachhaltig oft treffen können. Die passen auch gut zusammen.

Sie sagten bei Ihrer Vorstellung, man müsse nicht mehr Ballbesitz haben, um erfolgreich zu spielen…

Prinzipiell bin ich ein Fan davon, sehr aktiv zu attackieren und früh in Ballbesitz zu kommen. Gegen Ingolstadt wirkte es so, als wollten wir etwas defensiver spielen. Das lag zum einen an diesem Dosenöffner, dem 1:0. Wenn du schon mal früh führst, ist es psychologisch nicht falsch, dieses 1:0 zu sichern. Ingolstadt ist kein typischer Abstiegskandidat, deren Spiel ist auf Ballbesitz ausgelegt. Das zwingt einen auch in vielen Phasen, hinterherzurennen.

Es wurden speziell Standards trainiert.

Wir haben ihnen eine komplette Einheit gewidmet. Standards sind eine gute Möglichkeit, Partien zu entscheiden, die du aus dem Spiel heraus nicht entscheiden kannst. Und zum zweiten ist es sehr wichtig, Standards perfekt zu verteidigen.

Felix Müller ist zurück im Team, hat das Spiel sehr befruchtet und ist offenbar ihr Spezialist für Ecken.

Ich kenne ihn als herausragenden Eckenschützen aus Würzburg. Ich habe ihn gefühlt schon 30 Mal gesehen. Er hat mir auch im Training gut gefallen auf der linken Seite. Bei meiner Spielweise sind Außenbahnspieler wichtig und da haben wir kein Überangebot.

Wie ist das Ergebnis einzuordnen? Wird nun alles gut am Hardtwald?

Diese Fragen werden die Spieler beantworten. Sie können sich heute freuen und am Wochenende durchatmen und am Montag werde ich beobachten, ob sich das Gruppenverhalten in Relation zur letzten Woche in irgendeiner Form verändert. Wenn das der Fall ist, dann muss ich leider das erste Mal dazwischen hauen. Aber es wäre töricht zu behaupten, wir hätten was Größeres geschafft. Wenn du zu Hause gegen den Letzten nicht gewinnst, dann wird der Nichtabstieg verdammt schwer.

Mit dem 4:0, dem höchsten Sieg nach eineinhalb Jahren, wecken Sie große Erwartungen. Wäre ein 1:0 psychologisch besser gewesen?

Nein. Es ist sehr wichtig, den Menschen das Gefühl dafür zu geben, dass wir in der Lage sind, uns in schwierigen Situationen nicht nur über die Runden zu zittern, sondern auch zu Hause begeisternden, schnellen Fußball zu spielen. Ich war sehr angetan von der Stimmung, von der Art, wie sich jeder mit dem Verein identifiziert, die Fans waren ganz hervorragend. Zu so einer Stimmung trägt auch so ein Spiel bei. Ich glaube, das 4:0 weckt keine unrealistischen Erwartungen, die Leute können das gut einordnen.

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