Wiesloch: Ingrid Westermanns "natuerlich Natur"
Wiesloch. (rö) "Ich hätte vor über 20 Jahren niemals gedacht, welch interessanten und spannenden Weg ich betrete", sagt Ingrid Westermann. Die Wieslocher Künstlerin feiert ihr 20-jähriges Atelierjubiläum mit der Ausstellung "natuerlich Natur" an einem ganz besonderen Ort: Im Schloss Schwetzingen (Langer Saal) kann sie von Freitag, 26., bis Sonntag, 28. Oktober, zu den Öffnungszeiten des Schlossgartens besucht werden. Zu sehen gibt es einen bunten Querschnitt ihres Schaffens, darunter auch einige neue Werke.
"Die Ausstellung hat mir einen richtigen Kick gegeben, das notwendige Adrenalin zum Arbeiten", sagt Ingrid Westermann und stellt mit Freude fest: "Es läuft." Neben dem eigenen Schaffen gibt sie ihr Wissen als Dozentin an der Volkshochschule Südliche Bergstraße in aktuell gleich vier Kursen weiter, "das macht viel Spaß". Die Künstlerin empfindet es als "grandios", dass sie das Glück hatte, ihre Malleidenschaft, die sie bereits als Kind erfüllte, zum Beruf gemacht zu haben. "Das ist unwahrscheinlich erfüllend und hat viele Facetten", nicht nur in der Malerei, auch in der Begegnung mit Menschen und der Auseinandersetzung über Kunst.
Ingrid Westermann spricht zudem vom Glück bei "tollen Dozenten" viel gelernt zu haben, ob an der Freien Kunstschule Stuttgart oder an der Akademie Bad Reichenhall und bei weiteren Ausbildungen. "Dinge, die ich begreifen wollte, habe ich immer intensiv gemacht", so beim Thema Spiegelungen, im Porträtzeichnen oder in der Sfumato-Technik, einst von Leonardo da Vinci entwickelt, in der sie ihre realistischen Werke malt. "Das ist eine unwahrscheinliche Geduldsarbeit", sagt sie über das Auftragen der Öl-Lasuren und verweist gleichzeitig auf die Notwendigkeit, als Künstler "ein guter Handwerker" zu sein. Habe man diese handwerkliche Qualität, könne man beim Malen "den Kopf ausschalten" und dem Bauch die Regie überlassen. Trotzdem sei Malen immer "eine bewusste Sache".
Neben realistischen schafft Ingrid Westermann abstrakte Werke, in denen sie Naturmaterialien verarbeitet, Baumrinde, Erde oder auch mal Vulkanasche. "Für mich ist die Natur das Ehrlichste, was es gibt", sagt die Künstlerin und bedauert, dass das "in unserem Zeitraffertempo oft nicht so richtig wahrgenommen wird". Und wenn sie selbst versucht, die "ganze Gewalt dieser Natur" in ihren Werken einzufangen, gelingt das natürlich nicht immer auf Anhieb. Dann gibt’s "Gefühlsausbrüche" und einen "intensiven Dialog mit den Dingern" - also den Bildern - und es kann schon mal ein Jahr dauern, bis sie mit einem Werk wirklich zufrieden ist.
Ihre ersten Bilder entstanden zuhause, bis es ihrem Mann ("er hat mich immer unterstützt") mit wachsender Intensität des künstlerischen Schaffens im wahrsten Sinne des Wortes "zu bunt" wurde: "Die Farbe war auf den Lichtschaltern und überall", erinnert sich Ingrid Westermann, dazu kam der Geruch von Farben und Terpentin, für ein Lager hätte das Gästezimmer geopfert werden müssen. So wurde sie zum Glück im eigenen Atelier (erst in der Römerstraße, aktuell in der Gerbereistraße) gezwungen, was aber überhaupt kein Schaden war: "Dann ging die Post so richtig ab." Davon kann man sich bei der Ausstellung überzeugen.
FiInfo: Ausstellung "natuerlich Natur" im Schloss Schwetzingen (Langer Saal) von Freitag, 26., bis Sonntag, 28. Oktober.