Ladenburg: Bürgermeister Stefan Schmutz zieht Jahresbilanz
Von Axel Sturm
Ladenburg. Das neue Wohnbaugebiet Nordstadt-Kurzgewann, die Weiterentwicklung der Schulen und die Verbesserungen des Betreuungsangebots für Kleinkinder: Mit diesen großen Aufgaben musste sich Bürgermeister Stefan Schmutz in diesem Jahr intensiv befassen.
Aber auch kleinere Themen beschäftigen den Rathauschef. Zum Beispiel überlaufende Mülleimer oder sprießendes Unkraut. Im RNZ-Interview erzählt Stefan Schmutz, warum es so etwas wie Routine in seinem Berufsalltag nicht gibt und wie er sich Freiräume schafft, um über Veränderungen nachzudenken.
Herr Schmutz, Sie sind jetzt gut eineinhalb Jahre im Amt - ist schon ein bisschen Alltag eingekehrt oder ist es jeden Tag spannend, wenn Sie morgens zur Arbeit fahren?
Ich würde behaupten, dass ich mittlerweile einen recht guten Überblick über die Aufgabenvielfalt und die Aufgabenfülle des Amtes habe. Klar ist aber auch: Einen regelhaften Alltag gibt es nicht. Jeder Tag birgt eine gewisse Spannung vor dem Unerwarteten, und das macht auch den Reiz des Berufes aus.
Wird man als Bürgermeister "verplant" oder haben Sie auch Freiräume, um über Veränderungen und Visionen nachzudenken?
Die Termindichte ist phasenweise sehr hoch, sodass freies Denken nur sehr eingeschränkt möglich ist. Gleichwohl halte ich mir täglich ein Zeitfenster frei, um Themen und Sachverhalte intensiver studieren zu können. Die besten Ideen entstehen meist im Dialog. Entsprechend interessiert bin ich an einem offenen Austausch mit Kollegen, Stadträten und Bürgern.
Sie haben beim städtischen Personal einige Veränderungen durchgesetzt. Wie ist Ladenburg denn in dieser Hinsicht für die Zukunft aufgestellt?
Wir stehen personell durchaus vor noch größeren Herausforderungen. Altersbedingt wird die Fluktuation in der Belegschaft in den kommenden Jahren hoch bleiben, und zugleich werden wir als wachsende Stadt zusätzliche personelle Verstärkungen benötigen. Aufgrund des derzeitigen Fachkräftemangels in der öffentlichen Verwaltung ist dies keine leichte Aufgabe.
Wie würden Sie ihren Führungsstil beschreiben?
Ich setze auf einen kooperativen Führungsstil. Mir ist es wichtig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ermutigen, Verantwortung für ihren Bereich zu übernehmen, eigene Lösungsvorschläge zu entwickeln und den Blick über den Tellerrand zu wagen. Lösungsansätze, die gemeinsam erarbeitet werden, sind erfahrungsgemäß tragfähiger und nachhaltiger als einsame Entscheidungen.
Was ist aus Ihrer Sicht gut gelaufen im Jahr 2018?
Ladenburg hat sich in diesem Jahr als Stadt der Festivals präsentiert. Ob Triathlon-, Drachenboot-, Musik-, Film- oder Literaturfestival. Das waren fünf wirklich großartige Veranstaltungen mit überregionaler Strahlkraft. Nicht zu vergessen unser 45. Altstadtfest, der Besuch der Delegation aus Garango oder die Jubiläumskonzerte von Stadtkapelle und Liederkranz. Das hat richtig Laune gemacht.
Was war denn aus städtebaulicher Sicht wichtig?
Wir haben einen großen Schritt bei der Stadtentwicklung gemacht. Der Bebauungsplan des neuen Wohnquartiers Nordstadt-Kurzgewann wurde verabschiedet und damit der größte Stadtentwicklungsprozess der letzten 30 Jahre auf die Schiene gesetzt. Die Erschließungsarbeiten laufen bereits, und ab 2020 kann dann auch gebaut werden. Wichtig war in diesem Kontext auch, dass der Gemeinderat unseren Vorschlägen gefolgt ist, frühzeitig auf eine Verbesserung der Infrastruktur zu setzen, sei es die grundsätzliche Zustimmung für eine zusätzlichen Schul- und Vereinsporthalle oder die Erweiterung der Astrid-Lindgren-Grundschule. Und was natürlich auch nicht unterschlagen werden darf, ist, dass unser Bahnhof seit diesem Jahr endlich barrierefrei ist. Darauf haben wir wirklich sehr lange gewartet.
Was hat Ihnen 2018 weniger gut gefallen?
Es ist auffällig, dass ich von Bürgern vielfach auf die gleichen Themen angesprochen werde. Zum einen das Thema Müll und zum anderen überhöhte Geschwindigkeiten. Die Stadtverwaltung ist in meinen Augen hier nicht zwangsläufig der beste Ansprechpartner. Vielmehr würde ich es begrüßen, wenn jeder Einzelne etwas zu einer Verbesserung beiträgt. Das muss nicht viel sein. Fuß vom Gas und den Hausmüll zu Hause entsorgen. Dann wäre schon viel getan. In diesen beiden Themenfeldern würde ich mir mehr Eigenverantwortung und Gemeinsinn wünschen.
Blicken wir mal fünf Jahre in die Zukunft. Wie stellen Sie sich "Ihre" Stadt im Jahr 2023 vor?
Die größte Herausforderung liegt ganz klar in der weiteren Stadtentwicklung. Wir erwarten aufgrund dreier Neubaugebiete einen stetigen Zuwachs von bis zu 2500 Einwohnern in den nächsten Jahren. Bei der Entwicklung unserer eigenen Flächen müssen wir dabei auf ein Mehr an bezahlbarem Wohnraum achten. Unabhängig davon sind wir gefordert, die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Das fängt bei der Kleinkindbetreuung an - hier haben wir ohnehin Nachholbedarf - und geht weiter über die Erweiterung unserer Grundschulen sowie der Hallenkapazitäten. Unverändert gilt es auch, den Themen Barrierefreiheit sowie der Digitalisierung mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Langweilig wird uns in den nächsten fünf Jahren sicher nicht.
Im Mai 2019 stehen die Kommunalwahlen an. Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass engagierte Bürger mit am Ratstisch sitzen?
Der Gemeinderat lenkt die Geschicke einer Stadt. Aufgrund der bereits angesprochenen Herausforderungen ist es aus meiner Sicht von besonderer Bedeutung, dass sich im neuen Gemeinderat verantwortungsbewusste Vertreterinnen und Vertreter wiederfinden, die ihre Zeit und Expertise einbringen, Interessen abwägen und die richtigen Entscheidungen treffen. Denn diese reichen weit in die Zukunft und werden unsere Stadt maßgeblich prägen.
Wäre es eine Katastrophe für Ladenburg, wenn AfD-Stadträte die Entwicklungen der Stadt künftig mitbestimmen könnten?
Ich persönlich nehme wahr, dass der Politikstil der AfD überwiegend geprägt ist von Destruktion und Provokation. Ich kann mir daher schwer vorstellen, dass die AfD für Ladenburg oder andere Kommunalparlamente ein Qualitätsgewinn wäre. Mit dem Besuch der Zeitzeugin Ruth Steinfeld bei der Eröffnung unserer Sonderausstellung "Nachbarn 1938 - Wir waren alle Ladenburger", die übrigens noch bis März im Lobdengau-Museum zu sehen ist, denke ich, haben wir die klare Botschaft gesendet, dass in Ladenburg kein Platz für Rassismus und Antisemitismus ist.
Bald ist Weihnachten: Was würden Sie in Ladenburg umsetzen, wenn Sie drei Wünsche frei hätten?
Das ist eine schöne Frage. Ich würde mir zunächst wünschen, dass auch in den kommenden Jahren Bürgerinnen und Bürger sich so stark durch ihr ehrenamtliches Engagement für ihre Stadt einbringen, wie dies bisher der Fall ist. Engagement stärkt die Gemeinschaft und die Lebensqualität gleichermaßen. Ich würde mir ebenfalls wünschen, dass unsere Stadtgesellschaft sich weiter als weltoffen und tolerant präsentiert und Fremdenfeindlichkeit die Rote Karte zeigt.
Einen Wunsch haben Sie noch frei.
Demokratie lebt vom Mitmachen - entsprechend würde ich mir wünschen, dass möglichst viele Bürger, von jung bis alt, sich über die Zukunft unserer Stadt Gedanken machen und diese Ideen an unterschiedlichen Stellen einbingen.
Wie kann man als Bürgermeister über die Weihnachtsfeiertage und Silvester auch mal den Kopf freibekommen?
Ein paar freie Tage sind fest eingeplant. Die Familie wird dies auch einfordern, da können Sie sicher sein. Abschalten gelingt bei mir recht einfach, sobald Berge und Schnee in Sichtweite sind. Mal schauen, ob sich das zwischen den Jahren einrichten lässt.