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MAZ: Tor statt Tribüne beim Derby zwischen OHC und VfL

Das Brandenburgderby in der 3. Handballliga Nord zwischen dem Oranienburger HC und dem 1. VfL Potsdam ist auch das Torhüter-Duell Routine gegen Jugend. Beim Heimensemble aus Oberhavel steht viel Erfahrung zwischen den Pfosten – bei den Adlern feiert dagegen ein junger Schlussmann sein Debüt beim märkischen Handball-Gipfeltreffen.

Potsdam/Oranienburg. Die Derbys, die märkischen Gipfeltreffen in Sachen Klister und Kleister, hatte Jan Jochens bisher aus sicherer Distanz verfolgt, zumindest räumlich – emotional hatten die Lokalduelle den jungen Torhüter des 1. VfL Potsdam in ihren Bann gezogen. „Ich habe die Partien gegen den Oranienburger HC schon in der Halle erlebt und das hat schon besonders fasziniert. Es hat als Zuschauer riesen Spaß gemacht, ich habe natürlich auch darüber nachgedacht, wie es wäre, dann auch auf der Platte zu stehen.“

Am Sonnabend wird das Gedankenspiel zur Realität: Jochens, der 18 Jahre alte A-Jugend-Keeper, der in den vergangenen Wochen seine allersten Drittliga-Einsatzminuten im Männerteam absolvierte, steht im Kader, wenn die Adler in der MBS-Arena ab 18.30 Uhr beim OHC zum Rückrundenspiel der 3. Liga Nord antreten.

Im Tor, auf einer der Schlüsselpositionen, wird es zu einem Spiel der Gegensätze kommen: Zwischen den Pfosten der Vertretung aus Oberhavel steht mit Simon Herold (31) und Ivan Szabo (29) ein Duo, das sich längst etabliert hat und das manch einer als bestes Torhüter-Zweigespann der 3. Liga Nord einstuft. An Jan Jochens Seite dagegen steht mit dem Schweizer Fabian Pellegrini (22) ein Keeper, der zwar bereits drei Derbys bestritt, aber ebenfalls noch am Anfang seiner Laufbahn steht.

Die Strahlkraft der Begegnungen mit dem Rivalen aus Potsdam – auch immer ein bisschen das Duell Landeshauptstadt gegen Umland-Metropole – ist so aber groß, dass auch ein erfahrener Keeper wie Ivan Szabo ein besonderes Kribbeln verspürt. „Man bekommt im Lauf der vielen Jahre auch beim Derby eine gewisse Routine, aber diese Spiele sind immer ein Saisonhöhepunkt. Da herrscht nicht nur in der Halle, sondern auch in der Mannschaft eine besondere Stimmung und die Vorfreude ist noch größer. Ich versuche, am Freitagabend zur Ruhe zu kommen und den Kopf frei zu kriegen“, sagt der ungarische Keeper und fügt schmunzelnd an, „es ist aber nicht mehr so wie mit 18 oder 20 Jahren.“

Auch beim OHC hätte ein junger Keeper fast sein Derby-Debüt gefeiert – Paul Porath (22) fällt aber wegen einer Grippe aus – so kommt es zu einem deutlichen Erfahrungsvorsprung bei der Vertretung aus Oberhavel auf der letzten Defensiv-Position: „Ich glaube zumindest, dass meine Torhüter etwas gelassener in so ein Derby gehen, was sicher ein Vorteil sein kann. Aber am Ende geht es um Qualität und die ist auf beiden Seiten sehr hoch“, sagt OHC-Trainer Christian Pahl – wohlwissend, dass ein ungewöhnlich großer Adrenalinschub auch zum entscheidenden Impuls für einen jungen Derby-Helden werden kann. Der Coach, der früher ausgerechnet beim VfL das Tor hütete, vermutet außerdem nach der 26:30-Hinrunden-Niederlage: „Der Druck, zu gewinnen, ist für uns als Heimteam vielleicht sogar noch ein bisschen größer.“

Neben einer Menge Prestige geht es um Pluspunkte, die am Ende den Ausschlag geben könnten für das Kopf-an-Kopf-Rennen in der Liga – auch in dieser Spielzeit gehen beide brandenburgischen Drittligisten fast im Gleichschritt durch die Saison. Die Leistungs-Parameter des OHC (21 Spiele, 25:17 Punkte, plus elf Tore) unterscheiden sich nur in Nuancen von der Bilanz des VfL (20, 22:18, plus 7). Der OHC geht allerdings mit dem Rückenwind eines Unentschiedens beim starken Tabellendritten Mecklenburger Stiere Schwerin (25:25) ins Spiel, während der VfL zu Hause gegen den SC Magdeburg II unterlag.

Immerhin: Vor fast 1000 Zuschauern konnte sich Jochens, der vor wenigen Tagen einen Vertrag für die kommende Saison beim VfL-Männerteam unterzeichnet hat und als vielversprechendes Talent gilt, am vergangenen Freitag in der heimischen Arena bereits auf ein Drittliga-Duell vor großer Kulisse vorbereiten. „Er hat das Talent, den Ehrgeiz und auch schon die Qualität, um auf diesem Niveau gut zu halten“, sagt VfL-Trainer Daniel Deutsch. Ivan Szabo kann sich noch gut an sein erstes Brandenburg-Derby gegen den VfL erinnern: „Das war vor fünf Jahren und wir haben zu Hause gewonnen.“

Jochens sagt: „Ich freue mich so sehr auf das Spiel, dass ich bisher die eigentliche Nervosität gar nicht so verspüre. Ich weiß dennoch, dass es auf jeden Fall eine schwierige Partie wird und ich auch sehr großen Respekt davor habe.“

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, Sittig, Lars (2019) (http://www.maz-online.de/Sportbuzzer/Lokalsport/Potsdam/VfL-Potsdam/Tor-statt-Tribuene-beim-Derby-zwischen-OHC-und-VfL) [21.02.2019] 

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