TV-Premiere: Mannheimer Pfarrerin spricht am Samstag das "Wort zum Sonntag" im Ersten
Von Stefan Otto
Mannheim. Für gewöhnlich predigt sie in der Konkordienkirche, aber ab nächstem Samstag auch in der ARD. Die Mannheimer Pfarrerin und seit kurzem Trägerin des Bloomaul-Ordens, Ilka Sobottke, spricht ab Samstag, 23. März, regelmäßig "Das Wort zum Sonntag", Deutschlands zweitälteste TV-Sendung, die demnächst 65 Jahre alt wird. "Das Wort zum Sonntag"-Team besteht aus je vier Sprecherinnen und Sprechern der katholischen und der evangelischen Kirche. Zwei von ihnen schieden zuletzt aus, für die nun Sobottke und die Fürtherin Stefanie Schardien nachfolgen. Wie die anderen werden sie am Samstagabend jeweils genau vier Minuten haben, um zwischen den "Tagesthemen" und einem Spätfilm einen Moment des Glaubens, des Innehaltens und der Selbstbesinnung zu gestalten.
"Ich erzähle gern Geschichten, die Herz und Verstand anrühren, die Trauer, Glück und Verzweiflung teilen lassen, von Menschen, die besondere Erfahrungen machen", kündigt die Mannheimerin an. "In der Arbeit mit Menschen in Not, erlebe ich es als befreiend und tröstend, den Schmerz und das Glück zu teilen und darin Gottes Begleitung zu spüren. Politische und gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich zumeist im Leben Einzelner wider." In ihrer Arbeit in der Citygemeinde Hafen-Konkordien erlebe sie, dass etwa Wohnungsnot und ansteigende Obdachlosigkeit oder die Zunahme psychischer Erkrankungen sehr spürbar seien. "Aber ich habe auch oft damit zu tun, wie begeistert und liebevoll Menschen einander beistehen und wie daraus Intensität, Nähe und Glück entstehen. All das ist der Stoff, aus dem meine Worte zum Sonntag entstehen und Kraft schöpfen werden", so die 52-Jährige, die in Heidelberg und Rom studierte und seit 20 Jahren in Mannheim wirkt.
Sie wisse, sie spreche "von Gott in einem Medium und in einer Zeit, in der viele das kaum interessiert", ergänzt sie nüchtern. "Aber manche sehen und hören eben doch zu." Immerhin durchschnittlich 1,25 Millionen Menschen schauen "Das Wort zum Sonntag". Ob sie tatsächlich hinschauen und zuhören, verrät die Einschaltquote freilich nicht.
"Das Wort zum Sonntag" startete am 8. Mai 1954 mit dem evangelischen Hamburger Pfarrer Walter Dittmann. Über 300 Sprecherinnen und Sprecher sind seither verzeichnet, darunter auch der Speyerer Kirchenpräsident Theodor Schaller, der Ludwigshafener Dekan Friedhelm Borggrefe oder der Theologe Georg Picht, der viele Jahre in Heidelberg wirkte. Länger in Erinnerung blieben den Zuschauern jene Sendungen, die aktuell auf besondere Ereignisse eingingen. So eine des Theologen Jörg Zink, der 1977 während der mehrtägigen Entführung des Flugzeugs "Landshut" seinen geplanten Text fallen ließ, stattdessen frei über die "Nacht von Mogadischu" sprach und Gott um Erbarmen mit dieser "verwirrten, kranken Menschheit" bat. So auch eine des evangelischen Bischofs Martin Kruse, der am 11. November 1989 ein "Wort zum Sonntag" zum Fall der Berliner Mauer formulierte. Es gab auch Experimente, als Live-Sendungen etwa aus einem Kreißsaal, von der Hamburger Reeperbahn oder von einer Autobahnbrücke ausgestrahlt wurden. 1987 sprach Papst Johannes Paul II., 2011 Papst Benedikt XVI. ein "Wort zum Sonntag".
Seit sie wisse, dass sie bald selbst zum Kreis der Redner zählen werde, betrachte sie die Kollegen mit großem Respekt, berichtet Sobottke. Sie habe nun auch angefangen zu begreifen, wie schwierig es sei, vier Minuten ganz alleine vor der Kamera zu stehen. Ursprünglich hatten die Sprecher sogar zehn Minuten zur Verfügung, später wurden es erst fünf und dann vier. "Für mich jetzt eine aufregende Zeit", meint sie, in der es ihr darum gehen werde, wenigstens einen Teil jener Menschen zu erreichen, die eingeschaltet haben, sie zu bewegen, nicht umzuschalten und vielleicht auch davon zu erzählen, "was wir in Mannheim rund um unsere Kirche erleben, in heiligen Nächten und Tagen, in der Vesperkirche und auf den Straßen unserer Stadt".