Hettingen: Der kleine Rotmilan auf dem Weg war gar nicht tot
Hettingen. (rüb) So klein und schon so ein großer Schauspieler: Wegen eines leblosen Rotmilan alarmierten Spaziergänger am Freitagabend die Tierrettung. Dem etwa zehn Wochen alten Jungtier fehlte aber gar nichts, es war quicklebendig, wie sich schnell herausstellte. Es handelt sich um eine instinktive Verhaltensweise, um sich vor Räubern zu schützen. Umsonst war der Einsatz der ehrenamtlichen Tierfreunde aber nicht, im Gegenteil: Da der kleine Greifvogel wohl aus dem Horst gefallen ist, hatte er Hilfe bitter nötig. Die bekommt er nun in der Nabu-Greifvogelpflegestation Bad Friedrichshall, wo er aufgepäppelt wird, bis er flügge ist und zurück in die freie Natur kann.
Wie Bernhard Klier von der Tierrettung Odenwald-Hohenlohe der RNZ berichtetet, waren die Spaziergänger am Freitag gegen 20 Uhr im Wald zwischen Hettingen und Walldürn – unweit der Kapelle "Schönster Jesu" – unterwegs, als sie etwa 30 Meter vor sich auf dem Weg den jungen Rotmilan sahen. Wie vom Blitz getroffen, sei er plötzlich zur Seite gekippt und reglos liegen geblieben. Ratlos griffen sie zum Smartphone und kontaktierten die Tierrettung, deren rund 50 ehrenamtlicher Helfer bis zu 20 Mal am Tag zu solchen und ähnlichen Einsätzen gerufen werden.
Schnell kam eine Mitarbeiterin der Tierrettung vorbei, die sich gleich um das offensichtlich leblose Tier kümmerte. Schnell stellte sich heraus: Der kleine Milan ist gar nicht tot. Sie brachte ihn daraufhin zu Bernhard Klier, dem Vogelexperten der Tierrettung. "Ich hatte Angst, dass er mir im Auto stirbt, denn er hat keinen Mucks gemacht." Doch zuhause angekommen, machte Klier eine Entdeckung: Fühlte sich das Jungtier unbeobachtet, war es quietschfidel. Nur unter Beobachtung stellte es sich reflexartig tot. "Ein solches Verhalten war mir vorher unbekannt. Aber man lernt halt nie aus!"
Klier fütterte den kleinen Schauspieler mit Hühnerherzen ("Das ideale Mahl für die kleinen Greifvögel") und stellte fest, dass dem Rotmilan körperlich nichts fehlt. Am nächsten Tag brachte Klier den Rotmilan zur Greifvogelpflegestation Bad Friedrichshall. Den Experten dort war das seltsame Verhalten des Tieres natürlich bekannt. Deshalb gilt: Beobachtet man einen reglosen Greifvogel, dann mus dies nicht bedeuten, dass er Hilfe braucht. In diesem Fall aber wohl schon, denn der Raubvogel war offensichtlich schon leicht entkräftet: "Wir vermuten, dass er aus dem Horst gefallen war und deshalb nicht mehr von den Eltern gefüttert wurde." Ohne die Reaktion der Fußgänger wäre aus dem Totstellen wohl schon bald traurige Realität geworden.
Info: www.tierrettung-Odenwald-Hohenlohe.de, Notrufnummer: 0176/ 60021537.