World News

Heidelberg: Pfaffengrunderin päppelte verletzten Jungfalken auf

Von Julia Lauer

Heidelberg. Es war Samstagnachmittag, als das Telefon bei Kerstin Haas klingelte, und am Apparat war der Pfarrer. Der Grund: Im Turm der rund 30 Meter hohen Auferstehungskirche im Stadtteil Pfaffengrund hatte sich ein Jungfalke in einem Netz verfangen. Denn außen am Kirchturm nistet ein Falkenpaar mit einigen Jungfalken, die im Mai geschlüpft sind, dahinter ist ein Netz gespannt – es dient wohl dazu, dass keine Vögel ins Innere des Glockenturms gelangen, meint Haas. Dieses Netz wurde zum Verhängnis des jungen Vogels. Denn darin hing der Falke mit seinen Flügeln fest.

"Die Falken nisten bei uns schon seit mehreren Jahren. Wir mussten schon mehrfach Vögel retten, und bei uns in der Emmausgemeinde bin ich so etwas wie die Falken-Beauftragte", erklärt Haas, weshalb sie den Anruf des Pfarrers Andreas Schlögel erhielt. Sie wiederum verständigte die Berufsfeuerwehr, die sogleich anrückte. "Das war wirklich toll, dass die Feuerwehr so schnell kam, schließlich lief ja Fußball", sagt sie. Mit der Drehleiter erreichten die Feuerwehrleute das Fenster des Glockenturms und schnitten den Falken mitsamt dem Netz heraus. Eine Dreiviertelstunde dauerte die Befreiung.

"Der Falke hatte sich eine Schwungfeder gebrochen und blutete, in der Hitze war er zudem dehydriert", beschreibt Haas den desolaten Zustand ihres Schützlings. Sie gab ihm Wasser zu trinken, aber fliegen konnte er nicht mehr, zumal er noch immer in dem Netz verheddert war. Haas brachte ihn in die Tierklinik. Dort untersuchte man ihn und schnitt ihn aus dem Netz heraus.

Um ihn aufzupäppeln, gab Haas dem Vogel mit der Pipette Wasser zu trinken und sie besorgte gefrorene tote Mäuse aus der Tierhandlung – die der verletzte Vogel aber verschmähte. Sie war in Sorge um das Tier. "Der Falkner auf dem Königstuhl weiß sicher am besten, wie man den Vogel helfen kann", überlegte sie sich und fuhr hinauf auf den Berg. Und sie behielt recht: Der Falkner Uwe Jacob untersuchte das Tier nochmals, und bei toten Mäusen aus seiner Hand widerstand der verletzte Vogel diesmal nicht.

Nach einer Nacht im Karton überließ Kerstin Haas den Vogel wieder sich selbst: auf dem Garagendach neben der Kirche. "Ich habe ihn heute früh wieder in die Freiheit entlassen", berichtet sie. In der Nähe der Kirche habe sie ihn ausgesetzt – aber ob er schon wieder so gut fliegen kann, dass er es bis in die Höhe in seinen Nistkasten im Fenster des Glockenturms schafft, das weiß sie nicht. Aber sie ist zuversichtlich, dass Eltern und Jungtier wieder zueinander finden. "Sie rufen nacheinander, sicherlich finden sie sich." Jetzt heißt es eben: Daumen drücken.

Читайте на сайте