Leimen: So entspannt kann Fußballgucken sein
Von Werner Popanda
Leimen. Wenn ein spannendes Fußballspiel wie die EM-Vorrundenpartie zwischen Deutschland und Portugal am Samstag über die Bildschirme flimmert: Wie entspannt kann dann die Atmosphäre bei jenen sein, die dieses Match gemeinsam öffentlich verfolgen? Enorm entspannt, zeigte sich nun beim "Public Viewing" am Samstagabend im Biergarten des Leimener Brauhauses auf dem Georgi-Marktplatz.
Hierzu bei trugen gleich mehrere Faktoren. Zuallererst dürfte zu nennen sein, dass die "Publing Viewing"-Gäste von den Servicekräften ungemein freundlich begrüßt und danach nicht minder aufmerksam bedient wurden. Keine Frage: Das war ein deutliches Signal, dass man sich hier wohlfühlen sollte. Und in der Tat konnte man sich an diesem Sommerabend auch so richtig wohlfühlen. Damit aber nicht genug.
Denn das Publikum der überwiegend jüngeren Generation, das dieses Spiel teils auch in Trikots der Nationalelf genießen wollte, ließ sich zwar ganz offenkundig sehr gerne mit Speis und Trank verwöhnen. Doch das, was bei so manchem "Public Viewing"-Ereignis dazu beigetragen hat, dass die ganze Sache ein wenig aus dem Ruder läuft, blieb im Brauhaus-Biergarten komplett aus. Oder in anderen Worten: Niemand gab sich die Kanne.
Ja, vor allem die männlichen Fußballfans gönnten sich das eine oder andere Bierchen und vor allem die weiblichen Fußballfans den einen oder anderen Aperol Spritz. Aber es scheint sich durchaus herumgesprochen zu haben, dass Hitze und allzu heftiger Alkoholkonsum nur sehr bedingt zueinanderpassen. Wenn man ehrlich ist, schließt sich beides sogar aus. Es wurde aber nicht nur etwas getrunken, es wurde auch gut gegessen, was angesichts der Verheißungen auf der Speisekarte im Grunde nur konsequent war. Weshalb der bekannte Spruch "Voller Bauch studiert nicht gerne" so abgewandelt werden könnte: "Voller Bauch tobt nicht gern."
Die Empörung, als ein deutsches Tor wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben wurde, war so groß wie die Enttäuschung, als das portugiesische Team in Führung ging. Aber niemand regte sich gewaltig auf, lamentierte massiv oder sprang gar auf. Bei den anschließenden vier Toren für Deutschland sprang allerdings auch niemand auf.
Vielmehr blieben alle auf ihren Stühlen sitzen. Wobei aber der auch im Sitzen erzeugte Begeisterungsjubel so intensiv ausfiel, dass ein Bub – gleichfalls in einem Trikot von "Jogis Jungs" – dermaßen erschreckte, dass er prompt zu weinen begann. Dies galt freilich nur für die Sekunden nach dem ersten deutschen Zähler, danach hatte sich der Kleine allem Augenschein nach schnell an den Lärmpegel gewöhnt.
Besonders schön bei einem "Public Viewing" in entspannter Atmosphäre ist selbstredend auch, dass man den einen oder anderen Spielkommentar an den Nebentischen bestens vernehmen kann. Wie jenen nach dem ersten Eigentor der Mannschaft von Cristiano Ronaldo: "Das war der portugiesische Hummels!" Oder den, nachdem ebendieser Ronaldo einen Ball ins Aus verstolperte: "Klasse Trick!" – wer den Schaden hat, und so weiter. Jedenfalls war dieses "Public Viewing" auch dank solcher Augenblicke unterm Strich ein rundum gelungenes.