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Rhein-Neckar-Löwen: Wenn der Abschluss herbeigesehnt wird

Von Tillmann Bauer

Mannheim. In der Hölle soll’s heiß sein. Der Einlauf-Song, zu dem die Handballer des SC Magdeburg am Samstagabend die SAP Arena betreten sollten, lautete: "Highway to Hell". Die 250 Menschen, die sich als treue Fans der Rhein-Neckar Löwen entschieden haben, den Weg in die Multifunktionshalle anzutreten anstatt sich bei Bier und Bratwurst den Fußball-Thriller zwischen Deutschland und Portugal zu Gemüte zu führen – sie schwitzten auf ihren Sitzen. Es war heiß.

Also wedelten die Fans mit selbst gebastelten Fächern – und warteten. Schließlich wurde der Rock-Klassiker von der Kultband AC/DC gleich zweimal vergeblich angespielt, von grün-weiss-rot gekleideten Profihandballern war aber nach beiden Versuchen weit und breit keine Spur – ob in der Gästekabine vielleicht noch heimlich Fußball lief?

"Der große Unterschied"

Schwer zu glauben, schließlich war die Magdeburger Mannschaft, die sich noch vor wenigen Wochen an gleicher Stätte zum Europapokal-Sieger gekrönt hatte, von Beginn an konzentriert, entschlossen und hat sich deshalb auch völlig verdient mit 27:22 (12:9) bei den enttäuschenden Löwen durchgesetzt. Nach den zwei Siegen zuvor gegen Melsungen und beim Bergischen HC war das vergangene Wochenende aus Sicht des Mannheimer Bundesligisten wieder ein sehr tristes.

Das habe man sich ganz anders vorgestellt, meinte auch Jannik Kohlbacher, der insgesamt viermal vom Kreis traf. Und weiter: "Wir wollten unbedingt den Fans etwas zurückgeben."

Nun ja, sagen wir’s so: Dass die Quali für den europäischen Wettbewerb für beide Klubs schon vor dem Anpfiff gesichert war, wurde vor allem beim Auftritt der Löwen deutlich.

Ist die Luft raus? "Das hoffe ich nicht und das glaube ich auch nicht, dass die Mannschaft so denkt", sagte Klaus Gärtner. Der Trainer sendete Glückwünsche an den Gegner: "Magdeburg hat das sehr souverän im Stile einer selbstbewussten Spitzenmannschaft runtergespielt."

Während den Jungs aus dem Osten der dritte Platz in der Bundesliga zwei Spieltage vor Saisonende nicht mehr zu nehmen ist, müssen die Löwen (25 Minuspunkte) mittlerweile sogar auf einen Patzer von den Füchsen Berlin hoffen, falls es noch für den vierten Platz reichen soll. Ansonsten wird’s eben der fünfte Rang – eigentlich vollkommen egal.

Sportlich gab’s am Samstag nur wenig Positives zu berichten. Ja, Kapitän Uwe Gensheimer traf diesmal nicht zehn- oder zwölfmal (sondern achtmal), versuchte aber so ziemlich als einziger Löwe, seine verschlafen wirkenden Teamkollegen mit Emotionen wachzurütteln. Torwart-Talent David Späth machte mit einer soliden Leistung (23 Prozent gehaltene Bälle) weiter Eigenwerbung; dahinter wurde es aber schnell dünn.

Vor allem die Chancenverwertung war schlecht. Bestes Beispiel? Linksaußen Jerry Tollbring, der nach überstandener Krankheit wieder mitmachen durfte, ließ erst einen Siebenmeter liegen und verwarf dann noch zwei freie Chancen von Außen. Insgesamt gelangen nur 22 Treffer. Andy Schmid analysierte: "Ich weiß nicht, wie viele freie Chancen wir liegen gelassen haben. Das war der große Unterschied – die Effizienz im Abschluss." Vor dem Abschluss steht auch eine Saison zum Vergessen. Am Donnerstag geht’s zu den abgestiegenen Essenern, sonntags kommt dann noch der THW Kiel zum letzten Heimspiel in die SAP Arena.

Die Norddeutschen werden dann zwar auch zu AC/DC einlaufen, aber mit Sicherheit nicht lange auf sich warten lassen. Schließlich soll da die Meisterschaft eingetütet werden. Ach ja, und Jogis Jungs spielen dann auch nicht zeitgleich.

Löwen: Schmid 1, Gensheimer 8/4, Kirkelokke 1, Lagarde 1, Lagergren 2, Groetzki 5, Kohlbacher 4.

Magdeburg: Pettersson 5, Magnusson 7/6, Gullerud 1, Mertens 2, O’Sullivan 1, Bezjak 3, Damgaard 8.

Strafminuten: Lagarde 2 – Chrapkowski 2, Pettersson 2, Gullerud 2.

Stenogramm: 2:2 (5.), 5:3 (10.), 6:5 (15.), 7:7 (20.), 8:10 (25.), 9:12 (Halbzeit), 9:15 (35.), 11:18 (40.), 15:20 (45.), 18:22 (50.); 21:24 (55.), 22:27 (Ende).

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