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Mosbach: "Natur ist mehr als eine Kulisse" (plus Fotogalerie)

Von Stephanie Kern

Mosbach. Wenn Petra Birkefeld spricht, hört man genau, wo sie herkommt. Von Mannheim kam sie 1989 nach Mosbach. "Damals hat mich fast der Schlag getroffen", sagt sie heute. Sie meint das aber äußerst positiv. Denn: Die Diplom-Biologin hat noch nie eine solche Vielfalt an Orchideen gesehen, wie in den Naturschutzgebieten, die inzwischen in Mosbach und seinen Stadtteilen ausgewiesen sind. Deren Schutz liegt ihr nicht nur besonders am Herzen. Von Berufs wegen ist sie dazu auch besonders berufen. Birkefeld ist Umweltbeauftragte der Stadt Mosbach.

"Wir sind voll mit Naturschutzgebieten", erzählt Birkefeld beim Spaziergang auf dem Geo-Lehrpfad unterhalb des Schreckhofs. Das Land Baden-Württemberg investiere viel Geld, damit die Naturschutzgebiete so erhalten werden können. "Hier am Schreckberg sind seltene Pflanzen das Besondere." Alte Natursteinmauern, Trockenrasen und Steinhalden gibt es hier. Eine weitere, große Besonderheit neben den Pflanzen dort sind die vielen und auch seltenen Heuschrecken. Der Lehrpfad handelt unter anderem davon. Damit diese Besonderheiten weiter bestehen können, müssen die Flächen offen gehalten werden. "Diese Orchideen würden in einem dichteren Wald nicht existieren", sagt Birkefeld. So gibt es am Schreckberg zum Beispiel das streng geschützte Helm-Knabenkraut – und man muss es nicht mal suchen, es springt einen fast an. Das Helm-Knabenkraut ist eine hübsche heimische Orchidee. Pflücken und ausgraben ist strengstens untersagt.

Erst auf den zweiten Blick entdeckt man zwischen den anderen Wiesenblumen die Spinnen-Ragwurz, ebenfalls eine heimische Orchidee. Was ihr an auffallend großen Blüten fehlt, macht sie durch die Art der Bestäubung wett, denn sie gehört zu den Sexualtäuscheblumen. Die Blüte beginnt Ende April, genau zu dem Zeitpunkt, wenn die ersten männlichen Wildbienen auf Brautschau gehen. Sie kann durch ihr Aussehen, ihren Duft sowie Größe und Beschaffenheit der Lippe Insektenweibchen imitieren und übt so eine magische Anziehungskraft auf die paarungswilligen Männchen aus.

Ebenfalls unter Naturschutz steht die "Landschaft um den Heppenstein": Zwischen dem Mosbacher Schützenhaus, Neckarburken und Sattelbach gelegen, geht man durch einen lichten Kiefernwald. Auch hier finden sich heimische Orchideenarten, zum Beispiel das Purpur-Knabenkraut. Manche fallen richtig ins Auge, wie das rote Waldvögelein. Andere fallen erst auf den zweiten oder dritten Blick auf, zum Beispiel das "Große Zweiblatt", und dann findet sich hier noch eine braune Orchidee namens "Nestwurz".

Würde des Land nicht in die Offenhaltung der Hänge und mageren Wiesen investieren, gebe es diese Orchideenvielfalt nicht, betont Petra Birkefeld. "Das ist fantastisch, ein richtig großes Geschenk", zeigt sie sich von der Vielfalt begeistert. Das Zusammenspiel von Südlage sowie kalkhaltigem und magerem Boden sei einmalig – und unbedingt notwendig, damit diese Spezialisten überhaupt wachsen können.

Die Pflege der Grundstücke am Hang ist aufwendig, viele Besitzer sind froh, wenn das Land sie übernimmt. "Unser konkreter Nutzen ist dann, dass wir in einer wunderschönen Landschaft leben und spazieren können." Trotzdem gebe es immer wieder Menschen, die sich in der Natur schlicht rücksichtslos verhalten. Auf dem Spaziergang am Schreckberg sieht man Müll herumliegen, Kaffeebecher, Plastikverpackungen und mehr. Immer wieder nehmen Menschen Pflanzen mit – obwohl das im Naturschutzgebiet strengstens untersagt ist. "Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Verbundenheit mit der Natur fehlt. Natur ist für viele nur noch Kulisse, um irgendwie durchzurauschen. Aber man muss sie eigentlich wahrnehmen und spüren – die Schönheit sehen und fühlen", sagt Birkefeld.

Auf dem Geopark-Lehrpfad "Naturerlebnis Schreckberg" schafft das Nebeneinander von Wald und mageren Wiesen einen besonderen Reiz. Es ist auch besonders wertvoll. "In Naturschutzgebieten versucht man, die Vielfalt zu erhalten. Auch mit Blick auf den Klimawandel." Denn dem könne man nur mit Vielfalt begegnen. Verschiedene Biotoptypen haben verschiedene Ansprüche, irgendwann können aufgrund der sich verändernden klimatischen Bedingungen vielleicht nicht mehr alle erfüllt werden. Dann hat man aber noch ein Repertoire an Pflanzen, die die neuen Bedingungen akzeptieren. Deshalb sei die Ausweisung von Naturschutzgebieten auch wichtig – wenn so eine Entscheidung anstehe, sei aber trotzdem immer mit Widerstand zu rechnen. "Die Einschränkungen, die sich durch Naturschutzgebiete ergeben, zu akzeptieren, das fällt manchen Menschen schwer", meint Petra Birkefeld. Trotzdem seien sie wichtig. Die Vielfalt, die sich hier biete, die haben während der Coronapandemie übrigens viele Menschen schätzen gelernt.

Info: Die Naturschutzgebiete rund um Mosbach findet man unter www.mosbach.de/Schutzgebiete.html.

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