Sinsheim: Warum die Landwirte jetzt Teebeutel vergraben
Von Alexander Becker
Sinsheim-Eschelbach. Sechs Sinsheimer Landwirte haben sich vor Kurzem getroffen, um Teebeutel im Boden zu vergraben. Was sich ziemlich merkwürdig anhört, hatte aber einen guten Grund: Mithilfe der Beutel erforschen derzeit nämlich rund 180 Gruppen und Einzelpersonen in ganz Deutschland den Boden. Dies geschieht im Rahmen des Bürger-Wissenschafts-Projektes "Expedition Erdreich" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahres "Bioökonomie". Daran beteiligt ist eben auch die Gruppe aus Sinsheim.
Ort des Geschehens war ein durch den hiesigen Maierhof bewirtschaftetes Feld, auf dem sich neben dem Ideengeber und Organisator Karl-Heinz Schneckenberger, der unter anderem auch Mitglied im Netzwerk "Bioökonomie" ist, dem institutionellen Berater Jens-Jochen Roth vom Steinbeis-Institut für Logistik und Nachhaltigkeit und dem Fachberater Holger Brom, von Beruf Landschaftsplaner, auch Ortsvorsteher und "Hausherr" Wolfgang Maier eingefunden hatte. "Er ist einer unserer Bodenpaten. Nur so konnte das Ziel, verschiedene Kulturflächen zu beproben, erreicht werden", betonte Schneckenberger mit Blick auf Maier.
Auf Maiers Feld wächst die vorwiegend als Energiepflanze genutzte "Durchwachsene Silphie", während die übrigen Bodenpaten für andere Bepflanzungen gesorgt haben. Im Einzelnen sind dies Maiers Hoffenheimer Amtskollege Karlheinz Hess (Zuckerrüben), Thomas Schmutz (Weizen), Thomas Schneider (Ackerbohnen), der Waldangellocher Unternehmer Konrad Weiß (Miscanthus) und Rohrbachs Ortsvorsteher Friedhelm Zoller (Mais). Ihnen allen ist daran gelegen, dass nicht nur die Böden im Kraichgau gesund bleiben: "Sie sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sichern unsere Nahrungsmittelproduktion, filtern Schadstoffe aus unserem Trinkwasser und spielen eine große Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt und für das Klima", ist auf der Aktionswebseite www.expedition-erdreich.de zu lesen.
Aus dieser Quelle stammt auch das Aktions-Kit, das auf einem der Maier’schen Felder zum Einsatz kam. Für die Erdreich-Beprobung wurden dort jeweils drei handelsüblicher Tassen-Portionsbeutel Grün- beziehungsweise Rooibos-Tee gemäß genauer Vorgaben vergraben, wozu auch das Wiegen gehörte. Alle Teebeutel bleiben drei Monate lang im Boden. In dieser Zeit können auch die weiteren Versuche gemacht werden: dazu gehören beispielsweise ein pH-Wert-Test und, optional, eine Finger- und die Spatenprobe. Dabei werden auch die Durchwurzelung des Bodens, dessen Art und Farbe sowie die dort vorkommenden Tiere bestimmt.
Nach drei Monaten graben die Projektteilnehmer die Teebeutel wieder aus, lassen sie drei Tage bei Raumtemperatur trocknen und wiegen sie dann erneut. Aus dem Start- und Endgewicht wird dann der "Tea-Bag-Index" berechnet. Nachdem alle erhobenen Daten in das Datenbank-Formular eingetragen worden sind, können sie die Projektteilnehmer mithilfe der Website www.expedition-erdreich.de auswerten. Ab Juli/August sind dort dann die ersten Ergebnisse abrufbar. Bleibt zu hoffen, dass die Initiative dabei hilft, die Qualität des seit jeher geschätzten Kraichgauer Lössbodens zu optimieren.