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Schwetzingen: Überraschender Georg-Kreisler-Abend im "Theater am Puls"

Von Rolf Kienle

Schwetzingen. Er habe sich riesig darauf gefreut, endlich wieder vor "echtem Publikum" spielen zu können. Hartmut Lehnert, Sänger und Schauspieler des Georg-Kreisler-Abends "Büro, Büro", der am Samstagabend als erste Premiere der Saison über die kleine Bühne ging, war dann doch aufgeregt. Ein dreiviertel Jahr musste er auf Bühne und Publikum verzichten, und auch wenn es nur 28 statt 90 oder 100 Besucher sein durften: "Es war toll", schwärmt er nach der Aufführung im "Theater am Puls".

Lehnert und Theaterchef Joerg Steve Mohr hatten sich an anspruchsvollen Stoff gewagt: Georg Kreisler (1922-2011), der sich gern als Anarchist bezeichnete und auch immer mal mit Plagiatsvorwürfen zu kämpfen hatte, steht nicht gerade für leichte Unterhaltung. Der gebürtige Wiener war der Satiriker mit dem schwärzesten Humor seiner Zeit. Einige seiner Lieder durften zu Anfang im Radio nicht gespielt werden, weil die Verantwortlichen offenbar an Nachahmer glaubten. "Tauben vergiften im Park" gehört dazu, eine bitterböse Anregung zum massenhaften Tiermord, wenn auch gefällig verpackt: "Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau. Gehn wir Tauben vergiften im Park! Die Bäume sind grün und der Himmel ist blau. Gehn wir Tauben vergiften im Park!"

Das ist eher harmlos, verglichen mit dem rabenschwarzen Stück "A Bidla Buh", in dem er den raschen Tod seiner Geliebten empfiehlt, um sie fortan noch mehr zu lieben: "Unsre Liebe war beinahe schon vergangen, da schlitzte ich die Kehle der Katrein. Das heißt, sie liebte mich, solange sie lebte. Und wegen des bisschen Schlitzen wird sie nicht böse sein."

Nein, beliebige Kost ist das nicht. Aber Hartmut Lehner gelang es, sie mit einer Rahmenhandlung verdaulicher zu machen. Dazu schlüpfte er abwechselnd in die Rolle der korrekten und lebensunlustigen Gudrun und in die des ebenso korrekten und lebensunlustigen Hermann. Angelehnt an den legendären Schreibmaschinen-Sketch von Jerry Lewis, agierten sie in ihren Büros – mal in der Zeit der manuellen Schreibmaschine in langem Rock, Bluse und Strickweste, mal am PC in Pullunder und Ärmelhaltern. Und jeweils im Vorzimmer eines Politikers oder einer Politikerin.

Die Rollen schreien förmlich nach dem "Staatsbeamten", einem Lied, das als unverhohlene Aufforderung zum Schleimen zu verstehen ist: "Staatsbeamte müssen heut’ nicht mehr studier’n. Staatsbeamte müssen sich spezialisier’n! Und auch ich merkte schnell, dass es so besser geht. Und nahm mir eine Spezialität!" Nennen wir es beim Namen, was Kreisler meint: "Ich versteh’ nix von Jus und Latein. Mathematik, die lass’ ich lieber sein! Doch ich krieche sehr gut und auch gern, marsch, marsch, marsch. In den Arsch, in den Arsch, in den Arsch!"

Wir lernen: Viele Kreisler-Songs sind zeitlos. "Meine Freiheit, deine Freiheit" dürfte dazu gehören, vielleicht umso stärker in Zeiten, in denen sich Rassismus und Ausgrenzung Raum verschaffen. "Meine Freiheit muss noch lang nicht deine Freiheit sein! "Meine Freiheit: Ja! Deine Freiheit: Nein! Meine Freiheit wird von der Verfassung garantiert. Deine hat bis jetzt nicht interessiert!" Mag sein, dass Kreisler eine andere Zielgruppe im Auge hatte als er das Stück schrieb, aber es ist flexibel einsetzbar und ganz sicher auch in seinem Sinn.

Hartmut Lehnert überzeugt in seinen Rollen. Sie sind naiv und distanziert angelegt und stehen damit im schönen Kontrast zur lauten grotesken Welt des Georg Kreisler. Diese Distanz macht "Büro, Büro" überraschend. Der Georg-Kreisler-Abend wird noch einmal am 8. August aufgeführt, dann aber als Open-Air im Seepferdchengarten des Schwetzinger Schlossgartens.

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