Hirschberg-Leutershausen: Wie Jason Andrew mit "English Gardens" in der Coronazeit zu kämpfen hatte
Von Nadine Rettig
Hirschberg-Leutershausen. "Freunde sagen immer, ich sei wie eine Katze und habe neun Leben", erzählt Jason Andrew. Er sitzt auf seinem Grundstück in Leutershausen, das ihm als Lager für die Gerätschaften seines Gartenbauunternehmens, aber auch als Rückzugsort und grüne Oase dient. Im Sommer gern auch mal mit aufgestelltem Pool und Grill.
Doch das vergangene Jahr ließ den gebürtigen Engländer zumindest beruflich an seinen neun Leben zweifeln. Denn obwohl die Menschen viel mehr Zeit in ihren Gärten verbrachten, litt seine Branche enorm unter der Krise. "Es war ganz schlimm am Anfang, die Menschen hatten wirklich Panik", erinnert sich Andrew an die Zeit des ersten Lockdowns vor mehr als einem Jahr zurück. Er hätte seinen Kunden immer wieder angeboten, Absprachen telefonisch oder über das Küchenfenster abzuhalten, doch viele hätten ihre Projekte dennoch abgesagt.
Gerade im Winter habe er die fehlenden Einnahmen des vergangenen Jahres extrem gespürt, sagt Andrew. Denn in dieser Zeit lebt die Gartenbaubranche zu einem großen Teil von den Einnahmen der vergangenen Monate: "Im letzten Jahr gab es wirklich nicht viel zu lachen." Im Februar sei er schließlich an einen Punkt gekommen, an dem die Frustration besonders groß gewesen sei. "Ich bin wirklich kein emotionaler Typ, aber oft hätte ich über die Situation weinen können", sagt der gebürtige Engländer.
Seit zwölf Jahren lebt Andrew nun in Deutschland. Vor vier Jahren wagte er mit seinem Betrieb "English Gardens" auch hierzulande den Schritt in die Selbstständigkeit. Und diesen Schritt verdankt er einer guten Freundin. "Ich hatte in England schon meine eigene Firma und wollte das eigentlich nicht mehr machen, aber Sabrina Bertsch hat mich immer ermuntert, den Schritt auch hier zu wagen", sagt er. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Andrew dann auch hier nie bereut. Denn er kann nach den Grundsätzen agieren, die für ihn wichtig sind. "Man muss viel Respekt gegenüber der Arbeit haben und sich immer bewusst sein, dass man auf dem Land von anderen Menschen arbeitet", betont er.
Zudem sei ihm der gute Kontakt mit seinen Kunden enorm wichtig. Deshalb habe er auch im vergangenen Jahr häufig einfach mal so bei seinen Kunden angerufen, um zu fragen, wie es ihnen in der Krise geht: "Ich fühle auch wirklich mit ihnen." Andrew brennt für seinen Beruf, auch wenn dieser in seiner Lebensplanung eigentlich gar nicht "Plan A" war. Einer Karriere als Rugby-Spieler kamen Verletzungen an der Schulter in die Quere. Also beschloss er, in London Marketing zu studieren. Doch im Berufsleben sei ihm schnell klar geworden, dass ein Bürojob gar nichts für ihn ist. Und so wurde aus seiner Liebe zur Natur schnell auch beruflich "Plan B". Und dass das die richtige Entscheidung war, daran lässt seine Leidenschaft keinen Zweifel.
Und so kam es für ihn auch trotz der Krise im vergangenen Jahr nicht infrage, seine Selbstständigkeit aufzugeben. "Ich habe gekämpft und gekämpft", beschreibt er das vergangene Jahr. Und er weiß, dass er damit nicht der Einzige war. Er habe von vielen Kollegen Horrorgeschichten gehört, die inzwischen auch ihre Betriebe schließen mussten. "Ich bin auf der Glücksseite", weiß Andrew. Doch das ging nur dank tatkräftiger Unterstützung. Besonders dankbar sei er seinem Steuerberater "Zwipf und Partner": "Die haben mir wirklich sehr geholfen, damit ich die Corona-Hilfen bekomme, die mir zustehen." Auch seine langjährigen Kunden sind ihm treu geblieben. "Gott sei Dank sind meine guten Kunden bei mir geblieben und haben sich mit mir durchgekämpft". Und inzwischen hat sich das Blatt für ihn zum Guten gewendet. "Jetzt sind wir beschäftigt bis Weihnachten", sagt der Gartengestaltungsexperte glücklich. Er selbst sei inzwischen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft worden, was den Kunden eine zusätzliche Sicherheit gebe.
Da viele im vergangenen Jahr keinen Urlaub machen konnten und der Urlaub in diesem Jahr für viele seiner Kunden auch noch ungewiss sei, hätten einige von ihnen ihr Geld gespart und würden es nun in ihre Gärten und Terrassen investieren. Das schlage sich auch in seiner Arbeit nieder. "In den letzten vier Jahren haben ich wohl etwa vier Terrassen gebaut, jetzt sind es schon vier Terrassen alleine in diesem Jahr", freut er sich. Und er weiß: Die Geduld des vergangenen Jahres hat sich jetzt bezahlt gemacht.
Gemeinsam mit seinem Vollzeitmitarbeiter Renàrs Rimševics und einem weiteren Teilzeitmitarbeiter hat Andrew nun in der Garten- und Landschaftsgestaltung alle Hände voll zu tun. Und vielleicht ist ja doch etwas dran – an der Katze mit den neun Leben.