Regio Schlachthof Mannheim: Tierrechtsorganisation hofft, "dass hier bald die Lichter ausgehen"
Von Wolf H. Goldschmitt
Mannheim. "Hier wird gemordet, und du siehst weg" haben sie mit Kreide an die Einfahrt geschrieben. Der Protest von mehr als 30 Aktivisten der Tierrechtsorganisation "Animal Save Movement" gegen den Mannheimer Regio-Schlachhof ist in der Nacht zum Sonntag kaum zu übersehen. Die Mahnwache dauert im Ganzen zwölf Stunden und bleibt die ganze Zeit über friedlich.
Ziel der Mannheim-Gruppe der internationalen, gewaltfreien Bewegung ist es, das Bewusstsein für Nutztiere zu schärfen, Menschen zu helfen, vegan zu werden, und eine massive Basisbewegung für Tiergerechtigkeit aufzubauen.
"Wir hoffen, dass hier bald die Lichter ausgehen. Die Chancen stehen recht gut. Die Stadt will den insolventen Betrieb nicht haben, und dann spielen vielleicht auch die Gläubiger nicht mehr mit", spekuliert Torsten Schmidt aus Walldorf. Mit seinen Fotos und einem Video, die Verletzungen des Tierschutzgesetzes beweisen sollen, hat er eine weitere Anzeige der Organisation Peta gegen den Schlachthof auf den Weg gebracht. Schon im vergangenen Jahr stand das ehemalige Fleischversorgungszentrum wegen ähnlicher Vorfälle in der Kritik. Auf den aktuellen Bildern drückt ein anliefernder Landwirt das Hinterteil seines Schweines am kupierten Schwanz so brutal nach vorne, dass das schreiende Tier senkrecht auf den Vorderbeinen steht. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft und der Stuttgarter Landtag beschäftigen sich mit den Vorfällen.
Die regionale Gruppe von "Animal Save Movement" schaut müde aus an diesem Sonntagmorgen. Denn schon seit zwei Uhr nachts stehen sie an der Mauer des Schlachthofes und haben Kerzen angezündet. Mit ihrer Mahnwache gedenken sie Regan Russel, einer kanadischen Aktivistin, die von einem Tiertransporter überrollt und getötet wurde.
"Russel ist eine Symbolfigur für uns geworden", sagt Sebastian Kupper, ein Mitorganisator der Demonstration. Auch er hat frühmorgens das Einrollen der Lastwagen mit Schweinen mitanschauen müssen. Dies aus nächster Nähe zu erleben und sich bewusst zu sein, dass man an der Not der Tiere nur wenig ändern kann, sei belastend. "Unsere Hoffnung liegt aber darin, mit solchen Aktionen Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu erzeugen, damit das Unrecht nicht mehr verdrängt wird und die Opfer ein Gesicht bekommen", erklärt er sein Engagement. "Und wir werden immer mehr, die über Massentierhaltung und ihre Folgen nachdenken", ergänzt der sichtlich erschöpfte Landauer Tierschützer.
In zwei Wochen will das Mannheimer "Animal Save Movement" wieder vor dem Schlachthof stehen. "Selbst wenn die dann schon für immer geschlossen haben", verspricht Kupper.