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Blutige Proteste: Regierungschefin von Bangladesch zurückgetreten – Demonstranten stürmen Amtssitz

Stern 
Blutige Proteste: Regierungschefin von Bangladesch zurückgetreten – Demonstranten stürmen Amtssitz

Nach Hunderten Toten am Wochenende erreichen die brutalen Proteste in Bangladesch einen Höhepunkt: Ministerpräsidentin Scheich Hasina ist offenbar geflohen.

Einen Tag nach den gewaltsamen Zusammenstößen bei Protesten in Bangladesch hat Regierungschefin Scheich Hasina das Land verlassen und ihr Amt niedergelegt. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Eine offizielle Bestätigung gibt es aber bisher nicht. Laut einem auf Kreise gestützten Bericht der Tageszeitung "Prothom Alo" soll Hasina mit einem Hubschrauber nach Indien geflohen sein.

Anschließend hätten Demonstranten den Amtssitz der Regierung in Dhaka gestürmt.  Auf Fernsehbildern war am Montag zu sehen, wie tausende Menschen in den Regierungspalast in der Hauptstadt Dhaka eindringen.

Bangaldeschs Regierungschefin wegen Unterdrückung und Missbrauch in der Kritik

Hasinas Flucht folgt auf die langanhaltenden blutigen Proteste in dem Land, die sich erst gegen eine Quotenregelung im öffentlichen Dienst und später gegen die Regierung richteten. Die Teilnehmer hatten zuletzt den Rücktritt der seit 2009 amtierenden Regierungschefin und ihres Kabinetts gefordert.

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Die 76-jährige Regierungschefin war im Januar in einer von einem großen Teil der Opposition boykottierten Wahl im Amt bestätigt worden. Ihrer Regierung werden unter anderem der Missbrauch staatlicher Institutionen zum eigenen Machterhalt und die Unterdrückung von Regierungskritikern vorgeworfen – bis hin zur außergerichtlichen Tötung Oppositioneller.

Der Protestbewegung hatten sich Menschen aus allen Bevölkerungsschichten angeschlossen, unter anderem Filmstars, bekannte Musiker und ehemalige Generäle haben ihre Unterstützung ausgedrückt. Auch 47 Firmen der für die Wirtschaft des Landes wichtigen Textilbranche haben sich mit den Demonstrierenden solidarisiert. Offen ist bislang, ob die Armee die Protestierenden unterstützt – oder weiterhin zu Hasina steht.

Blutige Auseinandersetzungen in Dhaka

In zahlreichen Städten kam es am Sonntag zu Auseinandersetzungen von Anhängern und Gegnern der Partei Hasinas, der Awami League. Zudem wurden das Büro der Partei angegriffen. Im Nordwesten des Landes seien zwölf Polizisten zu Tode geprügelt worden, sagte Polizei-Vertreter Bijoy Bosak. Die Nachrichtenagentur Reuters zählte auf der Grundlage von jüngsten Berichten der Polizei, von Ärzten in Krankenhäusern und Beamten mindestens 300 Tote.

In der Hauptstadt Dhaka seien bei Straßenschlachten mindestens elf Menschen getötet und Dutzende verletzt worden, erklärten Polizei und Augenzeugen am Sonntag. Bei Ausschreitungen in der Stadt Munsiganj seien am selben Tag zwei Bauarbeiter auf dem Weg zur Arbeit getötet worden, hieß es weiter. Zudem habe es hunderte Verletzte gegeben.Band Bangladesch

"Die, die jetzt auf den Straßen protestieren, sind keine Studenten, es sind Terroristen, die unsere Nation destabilisieren wollen", sagte Hasina. Sie appelliere an ihre Mitbürger, mit harter Hand zu reagieren. Demonstranten hatten wichtige Verkehrsstraßen blockiert. Die Polizei versuchte unter dem Einsatz von Tränengas, Blendgranaten und Gummi-Geschossen, die Demonstranten zu zerstreuen. Im ganzen Land wurde das Internet abgestellt.

Unbefristete Ausgangssperre und Zwangsurlaub

Es handelte sich um die schwersten Ausschreitungen in dem südasiatischen Land seit dem Sieg Hasinas bei Wahlen im Januar, die von der größten Oppositionspartei boykottiert worden waren.

Am Sonntag hatte die Regierung eine Ausgangssperre verhängt. Sie soll auf unbestimmte Zeit gelten. Ab Montag gelte zudem für alle Bürger ein dreitägiger Urlaub.

Im vergangenen Monat waren mindestens 150 Menschen bei politisch motivierten Gewalttaten in Bangladesch ums Leben gekommen. Rund 10.000 Menschen wurden von der Polizei festgenommen. Studenten hatten gegen Quotenregelungen bei der Vergabe von Stellen im öffentlichen Dienst protestiert. Diese waren dann zwar weitgehend von einem Gericht gekippt worden, doch fordern die Studenten nun Gerechtigkeit für die Familien derer, die bei der Protesten getötet worden waren. Kritiker Hasinas hatten der Regierung exzessive Gewalt bei der Unterdrückung der Proteste vorgeworfen. Sie weist dies zurück.

Hinweis: Dieser Beitrag wird laufend aktualisiert.

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