Abitur: Ministerin nach Schlamperei bei Abitur-Aufgabe unter Druck
Zitate für eine Abitur-Aufgabe im Fach Geschichte wurden ungeprüft von einer Internetseite entnommen. Das sorgt für Ärger.
Ein schlampiger Umgang mit Quellen bei der Zusammenstellung einer Abituraufgabe im Fach Geschichte 2025 in Mecklenburg-Vorpommern setzt Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) unter Druck. Es geht um Zitate, die Manfred Stolpe zugeordnet wurden und von einer Webseite stammen, an deren Zuverlässigkeit es Zweifel gibt.
Das Ministerium räumte ein, dass die Aufgabenkommission versäumt habe, die Sekundärquelle, also die Webseite, auf ihre inhaltliche Korrektheit zu prüfen. Das Ministerium beteuerte aber, das Versäumnis der Aufgabenkommission habe "weder Einfluss auf die Aufgabenbearbeitung durch die Prüflinge noch auf das Gesamtprüfungsergebnis" gehabt.
Aufgabenkommission wird neu berufen
Als Konsequenz aus dem Vorfall werde die Aufgabenkommission neu berufen. "Als weitere Konsequenz wird in zukünftigen vergleichbaren Prüfungsaufgaben auf Sekundärquellen verzichtet, stattdessen werden Primärquellen verwendet."
Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stammte ein in der Aufgabe verwendetes Zitat gar nicht von Stolpe. Inhaltlich ging es in der Abituraufgabe um den Umgang in der DDR mit der Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz 1976. Stolpe war damals ein hochrangiger Vertreter der Evangelischen Kirche in der DDR.
Landesschülerrat: Grobe Fehler
Der Landesschülerrat reagierte fassungslos auf das Vorkommnis. "Es ist enorm fragwürdig, dass einem Ministerium solch grobe Fehler passieren. Durch wie viele Kontrollen muss diese Prüfung gegangen sein und welche Vorschriften müssen für Quellen in solchen Prüfungen herrschen, dass so etwas durch die Lappen gehen kann?", fragte der Vorsitzende Felix Wizowsky. "Schülerinnen und Schüler haben sich teils monatelang auf die Prüfung vorbereitet. Dann zu erfahren, dass diese fehlerhaft war und nicht zu wissen, inwiefern eine korrekte Prüfung dein Ergebnis verändert, vielleicht sogar verbessert hätte, ist entmutigend."
Vorfall wird Thema im Bildungsausschuss
Die Opposition im Landtag ruft das Thema in der nächsten Sitzung des Bildungsausschusses auf die Tagesordnung. Der CDU-Abgeordnete Torsten Renz forderte, dass dabei auch der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur dabei sein solle.
Renz berichtete, seine Fraktion habe bereits im Mai 2025 Kenntnis über die Kritik an der Quellenlage zu der Abituraufgabe im Fach Geschichte gehabt. "Wir haben das Thema deshalb unverzüglich im Bildungsausschuss auf die Tagesordnung gesetzt und im Juni 2025 im Bildungsausschuss beraten." Das Bildungsministerium habe damals die Kritik zurückgewiesen und erklärt, die verwendeten Quellen seien wissenschaftlich korrekt gewesen. "Inzwischen steht für uns fest, dass zentrale Zitate doch fehlerhaft zugeordnet wurden und Quellen nicht belastbar sind." Dies sei "höchst fragwürdig" und werfe Fragen zur Wertung und Qualität des Abiturs 2024/2025 auf.
Unabhängige Überprüfung gefordert
Der schulpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Enrico Schult, erklärte: "Wer in die Prüfung geht, muss darauf vertrauen können, dass Aufgabenstellungen und Materialien belastbar sind, geprüft, korrekt und nachvollziehbar. Wenn stattdessen Zitate aus einer privat betriebenen, seit Jahren nicht aktualisierten Website übernommen werden und zentrale Zuschreibungen nachweislich falsch sind, wird dieses Vertrauen missbraucht."
Auch Schult kündigte an, seine Fraktion werde den Vorfall auf die Tagesordnung der nächsten Zusammenkunft des Bildungsausschusses setzen. Er forderte überdies eine unabhängige Überprüfung der Aufgabenentwicklung für das Geschichtsabitur.