World News

Handel: Unternehmer fordern neue Strategie für Auslandsmärkte

Stern 

Rheinland-Pfalz gilt als Exportland. Alleine die vier Branchen Chemie, Pharma, Automobil und Maschinenbau sind für rund 60 Prozent des Verkaufs von Waren ins Ausland verantwortlich.

Die rheinland-pfälzischen Unternehmer fordern wegen der wachsender Unsicherheiten im Welthandel eine stärkere Fokussierung auf neue Absatzmärkte und eine aktivere Außenwirtschaftspolitik. "Zölle, Handelskonflikte und blockierte Freihandelsabkommen sind kein kurzfristiges Phänomen, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels der Weltwirtschaft", sagte der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU), Johannes Heger, der Deutschen Presse-Agentur, in Mainz.

Rheinland-Pfalz gehöre zu Bundesländern mit sehr starker Exportorientierung. Rund jeder zweite Euro der Wirtschaftsleistung hänge direkt oder indirekt vom Auslandsgeschäft ab, erklärte Heger. Entsprechend sensibel reagierten die Unternehmen auf handelspolitische Unsicherheiten wegen der zunehmenden geopolitischen Spannungen.

Verlässlichkeit für Betriebe entscheidend

Als Beispiele nannte der LVU-Präsident die jüngst erneut aufgeflammte Zollpolitik der USA oder die Verzögerungen beim EU-Mercosur-Abkommen. "Für unsere Betriebe ist Verlässlichkeit entscheidend. Wenn sich Handelsbedingungen kurzfristig ändern, trifft das Wertschöpfungsketten und Investitionsentscheidungen unmittelbar." Bei den vier Mercosur-Staaten handelt es sich um Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay.

Die jüngste Entscheidung des Europäischen Parlaments, das Mercosur-Abkommen juristisch prüfen zu lassen, sende aus Sicht der Wirtschaft ein schwieriges Signal. "Gerade in einer Phase zunehmender Abschottung brauchen wir mehr und nicht weniger handelspolitische Offenheit", betonte Heger. Das Abkommen biete langfristige Chancen für Industriebranchen wie Maschinenbau, Chemie, Pharma und Fahrzeugzulieferer – auch in Rheinland-Pfalz.

Chancen für Unternehmen aus Rheinland-Pfalz

Trotz der Risiken sieht der Präsident der Landesvereinigung im geopolitischen Wandel auch Chancen. Die Unternehmen aus Rheinland-Pfalz seien technologisch stark, innovativ und international erfahren. "Wenn es gelingt, neue Märkte in Lateinamerika, Indien, Afrika oder im Indopazifik systematisch zu erschließen, können wir Abhängigkeiten reduzieren und unsere Resilienz stärken." Voraussetzung sei jedoch eine klare wirtschaftspolitische Strategie auf europäischer, bundes- und landespolitischer Ebene.

Besondere Bedeutung misst die LVU der Außenwirtschaftsförderung des Landes zu. Programme wie "RLP International" seien gerade in der aktuellen Lage ein wichtiger Hebel für Unternehmen, um neue Märkte zu erschließen und bestehende Auslandsgeschäfte abzusichern. Gerade für kleine und mittlere Betriebe bietet das Programm konkrete Unterstützung, um auf neuen Märkten schnell Fuß zu fassen. Angesichts des geopolitischen Umbruchs komme es nun darauf an, diese Instrumente gezielt zu nutzen und weiter zu stärken.

Warnung vor zusätzlichen Belastungen

Zugleich warnte Heger vor zusätzlichen Belastungen für die Unternehmen: "In einer wirtschaftlich ohnehin schwierigen Lage mit schwacher Nachfrage, hohen Energiepreisen und wachsender Bürokratie können wir uns keine weiteren Standortnachteile leisten." Entscheidend seien schnellere Genehmigungsverfahren, weniger Regulierung und mehr Planungssicherheit.

Читайте на сайте