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IG Metall Küste: Metallindustrie im Norden trotzt Krisen – Lage aber fragil

Stern 

Schiffbau und Luftfahrt in Norddeutschland laufen gut, doch die IG Metall warnt: Die wirtschaftliche Situation bleibt fragil. Was steckt hinter dem Rückgang der Mitgliederzahlen?

Die IG Metall Küste sieht die Metall- und Elektroindustrie in Norddeutschland auf einem guten Weg, aber auch mit Risiken behaftet. Die Lage sei sehr fragil, aber besser als in vielen anderen Regionen, sagte der Chef der IG Metall Nord, Daniel Friedrich, in Hamburg. So erlebe der Norden nicht die brutalen Umbrüche wie etwa die Autoindustrie im Süden und Westen, sei breiter aufgestellt und habe bereits Transformationen hinter sich.

Schiffbau, Luftfahrtindustrie und Medizintechnik stehen gut da

Der Schiffbau - sowohl zivil wie militärisch - stehe gut da, habe volle Auftragsbücher teils bis in die 2040er Jahre. Ähnlich sehe es beim Flugzeugbauer Airbus aus. Und auch die Medizintechnik glänze. Aber es gebe auch Insolvenzen und Arbeitsplatzabbau. "Die wirtschaftliche Lage geht auch an der Küste nicht spurlos vorbei", sagte Friedrich.

Scharf kritisierte Friedrich die Debatte um den Sozialstaat. Er sei jeden Morgen überrascht, was der CDU derzeit so einfalle. Doch sie müsse sich entscheiden, ob sie mit oder ohne die Beschäftigten den Wandel gestalten wolle. Das Gerede über Lohnkürzungen, nichts anderes sei ja Debatte um längere Arbeitszeiten, müsse aufhören. Gleiches gelte für Diskussionen etwa um Krankmeldungen oder Teilzeitarbeit.

Erstmals seit Jahren Mitgliederrückgang bei der IG Metall Küste

Erstmals seit Jahren musste die IG Metall Küste nach eigenen Angaben 2025 einen Mitgliederrückgang verzeichnen. Zwar hätten sich in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und im nordwestlichen Niedersachsen fast 9.000 Menschen neu für eine Mitgliedschaft entschieden. In Summe sei die Zahl der Mitglieder aufgrund von Personalabbau, weniger Ferienarbeitsplätzen im Automobilsektor und wegen des demografischen Wandels um 3,2 Prozent auf 171.735 gesunken.

Friedrich erinnerte an die Betriebsratswahlen im März und April. "Mitbestimmung ist gelebte Demokratie. Wer erlebt, dass seine Stimme im Betrieb zählt, stärkt auch unsere demokratische Gesellschaft", betonte der Gewerkschaftsboss. Erfreut zeigte er sich, dass in den mehr als 1.000 norddeutschen Industriebetrieben mit fast 300.000 Beschäftigten trotz öffentlicher Debatten keine rechten Pseudogewerkschaften aktiv seien.

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