Tod eines Zugbegleiters: Verkehrsministerium prüft Verbesserungen bei Sicherheit
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz prüft das Bundesverkehrsministerium Verbesserungen in der Sicherheit der Zugbegleiter - etwa den Einsatz von Bodycams oder die Arbeit zu zweit. Straftaten gegen Bahnpersonal seien "natürlich nicht hinnehmbar für uns", sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Freitag in Berlin. Das Ministerium berate derzeit mit Bahn, Gewerkschaften und weiteren Beteiligten über Verbesserungen der Sicherheit.
"Natürlich geht das in die Richtung, dass die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter nur zu zweit unterwegs sind, also nicht mehr alleine", sagte der Sprecher weiter. Auch mit Bodycams habe man bereits erste Erfahrungen gesammelt, "dem wir weiter nachgehen".
Geprüft würden die Maßnahmen gemeinsam mit Ländern, Aufgabenträgern, Bundespolizei und Bundesinnenministerium. Ziel sei ein besserer Schutz der Beschäftigten. Mit Blick auf eine zunehmende Gewaltbereitschaft sagte der Sprecher: "Das ist dann eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir uns alle natürlich zuwenden."
Die kommunalen Frauenbüros forderten derweil mehr Prävention gegen männliche Gewalt. Es sei "höchste Zeit, dass Politik und Gesellschaft auf dieses Problem mit weitreichenden Präventionskonzepten reagiert", teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG) am Freitag in Berlin mit. Eine Strafverschärfung allein reiche nicht aus.
Der überwiegende Teil schwerer Gewalttaten werde von Männern begangen, erklärte die BAG mit Verweis auf Gewaltstatistiken. Dies sei "kein individuelles Versagen Einzelner allein", sondern verweise auf "problematische männliche Rollenzuschreibungen" und eine "Sozialisation, in der Durchsetzungsfähigkeit, Dominanz, Kontrolle und Aggression" oft noch immer als männlich gelten würden. Dabei würde der konstruktive Umgang mit Konflikten, Frustration oder Kränkung nicht ausreichend vermittelt, hieß es.
"Wenn wir Gewalt wirksam bekämpfen wollen, müssen wir bei problematischen männlichen Rollenbildern ansetzen", teilte die BAG weiter mit. Notwendig seien daher eine "geschlechterreflektierende Bildungsarbeit", Programme zur Gewaltprävention speziell für Jungen und Männer sowie niedrigschwellige Beratungsangebote.
Ein 36-jähriger Zugbegleiter war am Montag in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz von einem Schwarzfahrer lebensbedrohlich verletzt worden und gestorben. Er hatte den Reisenden kontrolliert und wollte ihn wegen des fehlenden Fahrscheins des Zugs verweisen. Daraufhin soll der 26-Jährige dem Zugbegleiter mehrere heftige Faustschläge versetzt haben. Der Bahn-Mitarbeiter, laut Bahn ein alleinerziehender Vater zweier Kinder, starb laut Staatsanwaltschaft an einer Hirnblutung infolge stumpfer Gewalt gegen den Kopf.