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Faschingstreiben: Münchner Fasching mit letztem Tanz der Marktfrauen

Stern 

Farbenfrohe Gewänder, ausgelassene Stimmung, dazu Tränen, Blumen - und ein letzter Tanz: Fünf Marktfrauen vom Viktualienmarkt verabschieden sich nach Jahrzehnten vom Münchner Fasching. Was sie bewegt.

Mit ihrem traditionsreichen Tanz auf dem Viktualienmarkt in München haben die Marktweiber den Faschingsausklang gefeiert - und zugleich eine Ära beendet. Fünf der tanzenden Damen hören teils nach Jahrzehnten auf. 

Tränen

"Ich kann es noch nicht glauben, dass ich nächstes Jahr nicht mehr dabei bin", sagte Marktfrau Christl Lang, die im gelben Bananenkleid ein letztes Mal bei dem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Faschingsevent das Tanzbein schwang. "Das muss zuerst mal alles sacken." Sie hatte Tränen in den Augen - wie auch manch anderer. 

Gesundheitliche Probleme und vor allem der Rücken zwängen sie zum Aufhören, berichtete Lang - ähnlich geht es vier ihrer Kolleginnen, alle im Alter zwischen Mitte 60 und Anfang 70. 

Geleit vom OB 

Der letzte Tanz sei "super" gewesen, "einfach schön". "Es waren heute besonders viele Leute da, das ehrt einen schon. Ich bin immer noch ganz gerührt", sagte Lang. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte das Treiben am Vormittag eröffnet - und die Marktfrauen persönlich auf die Bühne geleitet. Zu Ehren der Damen schwang er selbst mit Christl Lang einmal kurz das Tanzbein - und überreichte ihr eine Urkunde und einen Blumenstrauß.

Die Damen von Obst-, Gemüse-, Käse- oder Brotzeitstandln treten alljährlich am Faschingsdienstag in fantasievoll-farbenfrohen Kleidern auf und zeigen ihre Tänze. Der Höhepunkt des Münchner Faschings auf dem Viktualienmarkt geht bis auf den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. 

Herzblut 

Für ihre tänzerischen Nachfolgerinnen hat Lang einen Tipp: "Das wichtigste ist, dass sie mit Herzblut dabei sind." Es sei viel Mühe und Arbeit dabei, sagt die Marktfrau und verweist auch auf die Proben vor dem Auftritt. "Aber wenn du dann am Dienstag auf der Bühne stehst und siehst die vielen Leute - das macht alles wieder wett."

Im vergangenen Jahr war das bunte Treiben an Münchens berühmten Viktualienmarkt ausgefallen, nachdem ein Auto in eine Menschenmenge gefahren war. Eine Frau und ein Kind starben. Zahlreiche Faschings-Veranstaltungen in der Landeshauptstadt wurden daraufhin abgesagt.

In den vergangenen Tagen hatten die Narren bayernweit ausgelassen bei Prunksitzungen und Faschingsumzügen gefeiert. Auch heute waren noch Partys und andere Events geplant. Zur Tradition gehört etwa auch das Retro-Event "Nostalschi" am Sudelfeld bei Bayrischzell mit historischen Holzskiern und Retro-Kleidung.

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