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Iran-Krieg lässt auch Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah wieder eskalieren

Stern 

Der US-israelische Krieg gegen den Iran hat sich auf den Libanon ausgeweitet. Die pro-iranische Hisbollah griff in der Nacht zum Montag vom Libanon aus Israel an - was sie als "Vergeltung" für den Tod des obersten Führers des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, in dem Krieg bezeichnete. Die israelische Armee antwortete mit Attacken auf Hisbollah-Ziele. Dabei wurde israelischen Angaben zufolge der Geheimdienstchef der Miliz getötet. 

"Hunderte von Flugzeugen" würden "zeitgleich Angriffe" im Iran und im Libanon fliegen, sagte der israelische Militärsprecher Effie Defrin. Wie auf Bildern der Nachrichtenagentur AFP zu sehen war, traf am Vormittag ein israelischer Angriff die Hisbollah-Hochburg Dahijeh im Süden der Hauptstadt Beirut. 

Wenig später waren auf AFP-Videoaufnahmen erneut Angriffe auf die libanesische Hauptstadt zu sehen.  Livebilder von AFPTV zeigten Attacken auf südliche Vororte und aufsteigende Rauchwolken. Staatsmedien berichteten von vier israelischen Angriffen auf die Vororte.   

Die israelische Armee forderte die Einwohner von 50 Orten im Libanon zur Evakuierung auf. Ein AFP-Reporter in der Küstenstadt Sidon berichtete von einer großen Fluchtbewegung aus dem Südlibanon. Familien in Autos, einige mit Matratzen auf ihrem Dach, füllten demnach die Straßen der Stadt. 

Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei den israelischen Angriffen auf den Südlibanon und südliche Vororte von Beirut bis Montagmorgen mindestens 31 Menschen getötet und 149 weitere verletzt. 

Die israelische Armee gab den Tod von Hisbollah-Geheimdienstchef Hussein Mukalled bekannt. Mukalled sei bei einem gezielten Angriff in Beirut am Sonntagabend "eliminiert" worden.  

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete auch Hisbollah-Chef Naim Kassem als eines der "zur Tötung ausgewiesenen Ziele". Bei einem Besuch der Einsatzzentrale der israelischen Luftwaffe sagte Katz: "Wir werden die Hisbollah hart treffen." Kassem werde "feststellen, dass, wer dem Weg Chameneis folgt, auch wie Chamenei enden wird: auf dem Grund der Hölle". 

Chamenei war am Samstag bei den US-israelischen Angriffen in Teheran getötet worden.  

Der israelische Armeechef Ejal Samir warnte die Hisbollah vor weiteren Angriffen auf sein Land. Israel werde diesen Einsatz nicht nur mit einem "Schlag gegen den Iran beenden, sondern auch mit einem vernichtenden Schlag gegen die Hisbollah", erklärte Samir. "Unsere Botschaft ist klar und hallt im gesamten Nahen Osten wider: Wir werden alle Terroristenanführer und -gruppen angreifen, die sich anschicken, uns Schaden zuzufügen." 

Samir hatte die Menschen in Israel zuvor in einer Videoansprache auf eine längere Konfrontation mit der vom Iran unterstützten Hisbollah eingestimmt. Die Israelis müssten sich "auf mehrere, zahlreiche Kampftage vorbereiten", sagte er.

Den Einsatz von Bodentruppen schloss die israelische Armee jedoch vorerst aus. Derzeit rechtfertige die Lage "in keiner Weise" eine "bevorstehende Bodeninvasion im Libanon", auch gebe es "keine Vorbereitungen in dieser Hinsicht", sagte der für die internationale Presse zuständige Armeesprecher Nadav Schoschani auf eine entsprechende Frage.

Die libanesische Regierung verhängte unterdessen ein "sofortiges Verbot" aller "militärischen und sicherheitspolitischen Aktivitäten der Hisbollah". Regierungschef Nawaf Salam erklärte solche Aktivitäten der Hisbollah für "illegal" und forderte die Organisation auf, ihre Waffen an den Staat zu übergeben.

Salam hatte am Samstag nach Beginn der Angriffe erklärt, sein Kabinett werde "nicht akzeptieren, dass jemand das Land in Abenteuer hineinzieht, welche seine Sicherheit und Einheit gefährden". Der Libanon wolle sich aus dem Konflikt heraushalten, betonte er. 

Israel und die USA hatten am Samstagmorgen massive Luftangriffe auf den Iran begonnen, bei denen auch Chamenei getötet wurde. Der Iran reagiert darauf mit Angriffen auf Israel, Staaten am Golf sowie US-Einrichtungen in der Region. Die Hisbollah erklärte, sich der "Aggression" Israels und der USA "entgegenzustellen".

Die US-Botschaft im Libanon erneuerte am Montag einen Appell an US-Staatsangehörige, den Libanon umgehend zu verlassen. "Wir fordern US-Bürger dringend auf, nicht in den Libanon zu reisen. Wenn Sie sich bereits im Land befinden, verlassen Sie den Libanon sofort", hieß es.

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