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Negative Strompreise an Pfingsten: Haarscharf am Blackout vorbei?

An Feiertagen im Frühjahr wird in Deutschland zu viel Strom ins Netz gespeist, auch am Pfingstmontag dürfte das wieder passieren. Das ist kein Grund zum Feiern. Es soll mal wieder ein sonniger, warmer Pfingstmontag werden: In ganz Deutschland freuen sich die Bürger auf einen Feiertag mit Sommer-Vibes. Doch während Sie heute eine Fahrradtour machen, sich mit Freunden zum Grillen verabreden oder einfach nur auf dem Balkon die Füße hochlegen, speisen fünf Millionen Solaranlagen in Deutschland ungebremst Strom ins Netz. Da kaum einer arbeitet und alle unterwegs die Sonne genießen, kann den ausgerechnet jetzt keiner gebrauchen. Es ist deshalb schon absehbar, was passieren wird: Die Strompreise an der Börse werden ins Negative fallen . Das ist dieses Jahr auch schon am 1. Mai passiert, damals fielen die Preise auf -500 Euro pro Megawattstunde (MWh). Solaranlagen kosten Steuerzahler viel Geld Für einige wenige Verbraucher in Deutschland sind solche negativen Preise eine gute Nachricht. Wer einen dynamischen Stromtarif hat, kann in diesen Stunden beim Stromverbrauch Geld verdienen . Wer dann die Gunst der Stunde nutzt und etwa ein E-Auto auflädt oder eine Klimaanlage betreibt, wird vom Stromanbieter dafür sogar bezahlt. Denn der ist einfach nur dankbar, dass jemand den Strom haben will. Die meisten Deutschen besitzen aber keinen dynamischen Tarif, sondern einen ganz normalen Stromvertrag mit einem festen Abschlag. Nur wer einen Smart Meter hat, kann in das dynamische Modell wechseln. Aktuell haben aber nur knapp fünf Prozent aller Haushalte ein solches intelligentes Messsystem. In den nächsten Jahren sollen die Geräte verpflichtend in allen Gebäuden installiert werden – das dauert aber. In der Zwischenzeit zahlen Steuerzahler viel Geld für den Solarstrom , den keiner haben will. Ein großes Problem ist nämlich die feste Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen: Eigentümer einer solchen Anlage erhalten 20 Jahre lang einen festen Betrag für jede Kilowattstunde eingespeisten Strom. Den gibt es unabhängig davon, ob der Strom auch abgenommen werden kann oder nicht. Wenn der Strompreis an der Börse also bei -50 Cent/kWh liegt und der Eigentümer Anspruch auf eine Vergütung von 30 Cent/kWh hat, dann muss jemand für die Differenz zwischen beiden Beträgen aufkommen. Das ist aktuell der Steuerzahler. Kommt es sogar zum Stromausfall durch zu viel Solar? Am 1. Mai hat die Einspeisevergütung den Steuerzahler nach Berechnungen des Energieökonoms Lion Hirth etwa 88 Millionen Euro gekostet. Und aus Sicht des Experten ist diese Menge an ungeregeltem Solarstrom auch gefährlich . In einem Webinar zum Thema nennt er in der vergangenen Woche den Stromausfall auf der iberischen Halbinsel vor einem Jahr, wo es unter anderem durch viel Sonnenenergie zu einer Überspannung im Netz kam. Er glaubt, dass Deutschland am 1. Mai kurz vor einem ähnlichen Szenario war. Da Deutschland aber in der Lage war, ziemlich viel Strom zu exportieren – etwa nach Österreich oder in die Schweiz, wo viele Pumpspeicher existieren und den Strom speichern können – konnte das Schlimmste verhindert werden. "Meine Vermutung: Ohne diesen Export wäre es verdammt eng geworden", so Hirth. Und er warnt: "Wenn es zu einem Blackout wegen zu viel Solareinspeisung kommt, dann ist es mit der Energiewende wohl vorbei". Kalifornien zeigt, was zu tun ist Auch in Kalifornien kam es 2020 zu mehreren Stromausfällen, zum Teil bedingt durch die schwankende Solareinspeisung, die das Netz überforderte. Dort kam noch eine stark gestiegene Nachfrage in den Nachmittags- und Abendstunden hinzu, da eine Hitzewelle den Bedarf nach Klimaanlagen beförderte. Das Netz musste also mit einer hohen Nachfrage in den Abendstunden und einer sehr stark schwankenden Einspeisung gleichzeitig klarkommen. Am Ende waren 800.000 Haushalte zeitweise ohne Strom. Von Kalifornien kann man aber auch lernen, wie man es besser macht: Seit dem Vorfall im August 2020 hat der US-Bundesstaat den Ausbau der Batteriespeicher massiv vorangetrieben. Seitdem hat sich die Batteriekapazität dort verdreifacht – und der Staat damit die Probleme mit der Systemstabilität in den Griff bekommen. 2025 ist die Zahl der Fälle von negativen Strompreisen erstmals seit Beginn der Energiewende in Kalifornien wieder gesunken. In Deutschland dürfte es derweil 2026 einen neuen Rekord bei den negativen Strompreisen geben. 2025 fielen die Preise an 575 Stunden im Jahr unter null Euro , 2026 sagen Prognosen, dass es 700 bis 900 Stunden sein könnten. Verbraucher können von der "Happy Hour" profitieren Das mahnen Experten jetzt auch dringend für Deutschland an: Es braucht mehr Speicher, die den Sonnenstrom an Tagen wie Pfingsten oder den 1. Mai aufnehmen und das Netz entlasten können. Aber auch die Erhöhung des Stromverbrauchs insgesamt kann die Lage entschärfen, das heißt: mehr Elektroautos, Wärmepumpen, Rechenzentren und Unternehmen, die elektrische Energien bevorzugen. Damit insbesondere private Verbraucher wissen, wann sie vom günstigen Solarstrom profitieren können, sind dynamische Stromtarife unverzichtbar. Über eine App können Verbraucher dann ein Signal bekommen, wann mal wieder "Happy Hour" bei den Strompreisen ist. Wenn Sie an diesem Pfingstmontag also etwas für das ganze Land tun wollen, dann erhöhen Sie Ihren Stromverbrauch: Jede Ladung in der Waschmaschine hilft.

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