Steuererklärung: So lange warten Sie je Bundesland auf Bescheid und Geld
Trotz Digitalisierung wurden viele Finanzämter zuletzt langsamer. Neue Zahlen zeigen, wo Steuerzahler besonders lange warten müssen. Wer eine Steuererklärung abgibt, hofft meist auf eine schnelle Rückzahlung vom Finanzamt. Doch wie lange Bürger auf ihren Steuerbescheid warten müssen, hängt in Deutschland stark vom Wohnort ab. Das zeigt eine Auswertung des Bundes der Steuerzahler, die dem "Focus" vorliegt. Während einige Finanzämter Steuererklärungen im Schnitt binnen sechs Wochen bearbeiten, müssen Steuerzahler andernorts deutlich länger warten. Hessen vor Berlin und Bayern Am schnellsten arbeiteten die Finanzämter im Jahr 2025 in Hessen. Dort dauerte die Bearbeitung einer Steuererklärung durchschnittlich 41,1 Tage. Knapp dahinter folgen Berlin mit 41,5 Tagen sowie Bayern und Sachsen mit jeweils 42 Tagen. Am anderen Ende der Tabelle stehen das Saarland mit durchschnittlich 51,4 Tagen und Bremen mit 56,15 Tagen. Damit benötigen die langsamsten Finanzämter im Schnitt mehr als zwei Wochen länger als die schnellsten. Für Nordrhein-Westfalen lässt sich kein genauer Wert ermitteln. Die Finanzverwaltung des Landes gab lediglich an, dass die Bearbeitungsdauer zwischen zwei Wochen und sechs Monaten liege. Die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten im Überblick: 1. Hessen: 41,1 Tage (-3,2 Tage im Vergleich zum Vorjahr) 2. Berlin: 41,5 Tage (-0,5 Tage) 3. Sachsen: 42 Tage (-4 Tage) 3. Bayern: 42 Tage (+/- 0 Tage) 5. Sachsen-Anhalt: 43,7 Tage (+4 Tage) 6. Hamburg : 44,5 Tage (+3,9 Tage) 7. Thüringen: 44,8 Tage (+5,7 Tage) 8. Baden-Württemberg: 45 Tage (+4 Tage) 9. Niedersachsen: 45,7 Tage (+1,3 Tage) 10. Rheinland-Pfalz: 46 Tage (+3 Tage) 11. Schleswig-Holstein: 46,3 Tage (+1,1 Tage) 12. Brandenburg: 47,6 Tage (-2,8 Tage) 13. Mecklenburg-Vorpommern: 50 Tage (-1 Tag) 14. Saarland: 51,4 Tage (-2,4 Tage) 15. Bremen: 56,15 Tage (+3,32 Tage) Nordrhein-Westfalen: keine konkrete Auswertung Viele Finanzämter wurden langsamer Für die Auswertung fragte der Bund der Steuerzahler die Finanzverwaltungen aller Bundesländer nach ihren durchschnittlichen Bearbeitungszeiten für Steuererklärungen aus dem Jahr 2024. Das Ergebnis: Trotz fortschreitender Digitalisierung arbeiteten viele Finanzämter im Jahr 2025 langsamer als im Vorjahr. Lediglich sechs Bundesländer konnten ihre Bearbeitungszeiten verkürzen. In den übrigen Ländern blieb die Dauer unverändert oder verlängerte sich um bis zu sechs Tage. Steuerbescheid kommt nicht: Gibt es eine Frist für das Finanzamt? Nicht zu lange warten: So legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein "Es darf nicht vom Wohnort abhängen, wann Bürger und Betriebe ihren Steuerbescheid erhalten und möglicherweise sogar Geld zurückbekommen", sagt Daniela Karbe-Geßler, Bundesgeschäftsführerin des Bundes der Steuerzahler. Arbeitnehmer erhalten Bescheide oft schneller Die Auswertung zeigt zudem Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von Steuerpflichtigen: Besonders schnell bearbeitet wurden Steuererklärungen von Arbeitnehmern. In Berlin und Sachsen lag die durchschnittliche Bearbeitungsdauer sogar unter 40 Tagen. Bei Selbstständigen, Freiberuflern und Unternehmern dauerte die Bearbeitung dagegen deutlich länger. Kein Bundesland kam in dieser Gruppe auf weniger als 40 Tage. Während im Vorjahr noch sechs Länder Steuererklärungen von Selbstständigen in weniger als 50 Tagen bearbeiteten, waren es zuletzt nur noch Hessen und Berlin. Mehr Steuererklärungen laufen vollautomatisch Auch wenn die teilweise längeren Wartezeiten anderes vermuten lassen, schreitet die Automatisierung in den Finanzämtern weiter voran: Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler wurde 2025 knapp jede vierte Steuererklärung vollständig automatisiert bearbeitet. Der Anteil stieg auf fast 23 Prozent. Im Jahr zuvor lag die Quote noch bei knapp 22 Prozent. Wer seinen Steuerbescheid möglichst früh erhalten möchte, sollte die Steuererklärung auch möglichst früh einreichen. Allerdings ist das erst ab einem bestimmten Monat sinnvoll.