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WM-Auftakt: Das findet Nagelsmann an DFB-Gegner Curaçao "gefährlich"

Einen Fehlstart in die WM will die deutsche Nationalmannschaft tunlichst vermeiden. Die Vorzeichen stehen gut. Doch der Bundestrainer sieht auch die Gefahr des Gegners. Aus Houston berichtet William Laing Nervös war Julian Nagelsmann einen Tag vor seinem WM-Debüt nicht. "Als Trainer ist immer so das Entscheidende, was für ein Gefühl die Mannschaft einem gibt", betonte der Bundestrainer am Samstag bei der Abschlusspressekonferenz im Houston-Stadium vor dem Auftaktspiel der deutschen Auswahl bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. "Sie haben sehr gut trainiert, viele Spiele in Folge gewonnen, machen einen sehr guten Eindruck, was auch die Stimmung angeht innerhalb des Teams", lobte Nagelsmann seine Spieler. Stand jetzt sei er deshalb "noch sehr ruhig" und freue sich "extrem darauf, dass es losgeht". Neun Partien in Serie konnte die DFB-Elf zuletzt für sich entscheiden. Am Sonntag soll nun Sieg Nummer zehn folgen – und das gegen einen Gegner, der für die bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften zum Auftakt zweimal unterlegene deutsche Mannschaft eigentlich keine Hürde darstellen dürfte. Zumindest auf dem Papier. Am Sonntag bekommt es Deutschland nämlich mit Curaçao zu tun (ab 19 Uhr im Liveticker bei t-online), einem Karibikstaat, der das erste Mal überhaupt bei einer WM vertreten ist. In der Weltrangliste steht "The Blue Wave" (übersetzt: "Die blaue Welle") gerade einmal auf Rang 82 und damit 72 Plätze hinter dem DFB-Team. Mit lediglich 158.000 Einwohnern ist der Turnierdebütant zudem die kleinste Nation, die bislang an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hat. Doch auf die leichte Schulter nehmen will Nagelsmann Curaçao trotzdem nicht. Denn der Bundestrainer erkennt die biblische Gefahr. "Die Geschichten gibt's im Fußball immer wieder" Die Außenseiterrolle wollte Nagelsmann dem ersten deutschen Gegner zunächst einmal nicht absprechen. "Curaçao ist eine Mannschaft, die natürlich nicht als Favorit in der Gruppe ins Turnier geht", stellte der 38-Jährige klar. Doch genau hier sieht der DFB-Coach auch einen entscheidenden Vorteil für die Elf vom früheren Gladbach-Trainer Dick Advocaat. Denn: Der Außenseiter zu sein, mache das Team "schon gefährlich", so Nagelsmann. "Das ist wie so eine DFB-Pokalsituation: David, Goliath. Die Geschichten gibt's im Fußball immer wieder." In der bekannten biblischen Erzählung stellt sich der Hirtenjunge David dem schier übermächtigen Riesen Goliath im Kampf, kann diesen trotz seiner vermeintlichen Unterlegenheit mit Geschick besiegen. Die Heldengeschichte findet seit jeher im Sport regelmäßig ihre Neuauflage. Kleine Mannschaften schlagen plötzlich deutlich besser besetzte – oder bringen sie zumindest ins Straucheln. Der DFB-Pokal ist, wie von Nagelsmann festgestellt, bekannt für solch ungewöhnliche Szenarien. Genauso aber auch die Weltmeisterschaft. Dass es in Houston nun zu einem vergleichbaren Ausgang kommt wie in der Originalgeschichte, will Nagelsmann mit der deutschen Mannschaft jedoch tunlichst vermeiden. Das DFB-Team, in diesem Fall aufgrund von Stars wie Florian Wirtz oder Kapitän Joshua Kimmich unweigerlich Goliath, ist zum Turnierstart auf drei Punkte und eine überzeugende Leistung angewiesen. Zunächst einmal, um mit einer gewissen Ruhe in die dann folgenden schwierigen Aufgaben gegen die Elfenbeinküste und Ecuador zu gehen. Vor allem aber auch, um dem zuletzt seitens des Teams immer mal wieder mehr oder weniger direkt geäußerten Titeltraum nicht schon in der ersten Partie einen entscheidenden Dämpfer zu verpassen. Wohl auch deshalb zählte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz noch einmal die Qualitäten des kommenden Gegners auf. Das Team von Curaçao besitze "eine gute Körperlichkeit", sagte Nagelsmann. Die Mannschaft habe zudem schon viele Spiele gemeinsam absolviert. Damit sprach er dem Außenseiter eine gewisse Stärke zu und machte deutlich: Anders als der biblische Goliath wollen Nagelsmann und sein Team David nicht unterschätzen. Nagelsmann sieht DFB-Team physisch und psychisch gewappnet Passend dazu hob der Bundestrainer auch noch einmal einen Umstand hervor, den es hinsichtlich des fußballerischen Niveaus Curaçaos durchaus zu beachten gilt. "Ich glaube, 90 Prozent des Kaders haben irgendwo in den U-Mannschaften der Niederlande gespielt", sagte Nagelsmann. Der niederländische Verband sei "bekannt für eine sehr, sehr gute Ausbildung". Tatsächlich ist von den 26 Spielern in Curaçaos WM-Kader mit dem Ex-Bremer Tahith Chong nur ein einziger auf der Insel geboren. Der Rest des Aufgebots stammt aus den Niederlanden und lernte dort das Fußballspielen, einige Profis sogar bei den Topklubs Ajax Amsterdam und PSV Eindhoven . Die Spieler könnten "alle etwas am Ball", versicherte Nagelsmann deshalb. Zudem könne der WM-Neuling "frei von der Seele weg spielen und recht unbeschwert in dieses Turnier gehen, ohne viel Druck", fuhr er fort. "Und das macht einen Gegner immer gefährlich." Einem deutschen Erfolgserlebnis zum WM-Start soll all das trotzdem nicht im Wege stehen. Nagelsmann zumindest sieht seine Mannschaft physisch und psychisch gewappnet für das Turnier. "Wir werden die Wahrheit nach den Partien sehen", schränkte er zwar ein. Doch er betonte hinsichtlich seiner Spieler auch: "Ich denke, sie sind vorbereitet." Seine klare Überzeugung schwang in diesen Worten hörbar mit. Der Zustand seines Kaders dürfte dabei eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Im ersten Spiel muss der Bundestrainer keine Verletzten beklagen, kann also aus dem Vollen schöpfen. "Alle Spieler sind fit", verkündet er und bestätigte zugleich, dass der zuletzt noch geschonte Manuel Neuer gegen Curaçao im Tor stehen wird. "Manu wird beginnen", sagte Nagelsmann zu einer seiner wohl wichtigsten Personalien. Goliath Deutschland ist damit für den WM-Auftakt bereit.

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