120 Millionäre fordern in Brief höhere Reichensteuer: "Lieben unser Land"
Der neue britische Premierminister hat seine Arbeit aufgenommen und auch erste Maßnahmen verkündet. Eine Gruppe von Millionären stellt eine Forderung. Eine Gruppe von 120 Vermögenden fordert vom neuen britischen Premierminister Andy Burnham , künftig stärker besteuert zu werden. Die Millionäre, zu denen einige berühmte Persönlichkeiten zählen, haben am Mittwoch einen Brief mit der Überschrift "Proud to pay" (deutsch: Stolz darauf, zu bezahlen) an den Regierungschef geschickt. "Als Millionäre haben wir eine klare Botschaft an Sie, unseren neuen Premierminister: Besteuern Sie uns. Wir wären stolz darauf, zu bezahlen, und würden im Land bleiben", heißt es in der Nachricht. Ihren Angaben zufolge wären 75 Prozent der britischen Millionäre dazu bereit, höhere Steuern zu bezahlen. Dabei bezieht sich die Gruppe auf eine Umfrage unter Personen mit einem Vermögen von mehr als einer Million Pfund, die zu diesem Ergebnis kam. "Millionäre sind Patrioten – wir lieben unser Land und wollen, dass es erfolgreich wird", heißt es in dem Brief weiter. Damit dies passieren könne, brauche es aber Investitionen. Dieses könnte der Staat durch die stärkere Besteuerung von Vermögenden erreichen, argumentieren die Millionäre weiter. Berühmte Engländer wollen höhere Steuern zahlen Unterzeichnet wurde der Brief unter anderem von bekannten Persönlichkeiten wie dem ehemaligen Nationalfußballer und TV-Moderator Gary Lineker, dem Musiker und Produzenten Brian Eno oder dem Drehbuchautor und Regisseur Richard Curtis. Zu den weniger bekannten Namen gehören erfolgreiche britische Unternehmer und Unternehmerinnen wie Ben Medlock (Gründer von SwiftKey) oder Geetie Singh-Watson (Gastronomin). Der Brief wurde von der Gruppe "Patriotic Millionaires" (Patriotische Millionäre) aufgesetzt. Seit 2021 lobbyiert die Gruppe für eine höhere Vermögensteuer in Großbritannien . Konkret fordern sie eine Besteuerung von zwei Prozent auf Vermögen über zehn Millionen Pfund (rund 11,7 Millionen Euro). In Großbritannien beträgt der Spitzensteuersatz 45 Prozent, eine Vermögensabgabe oder Reichensteuer gibt es nicht. Der neue britische Premierminister hatte wenige Tage vor seinem Amtsantritt die Einführung einer Vermögensteuer nicht ausgeschlossen, als ihn Gary Lineker explizit danach fragte. Verkündet hat er bisher allerdings keinen solchen Schritt. In seinen ersten Tagen als Regierungschef hat er die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Strom und eine Steuersenkung für Gastrobetriebe verkündet. Zudem sollen Ticketpreise in Bussen bei 2 Pfund (2,30 Euro) gedeckelt werden. Auch deutsche Millionäre wollen Reichensteuer zahlen Die Initiative von "Patriotic Millionaires" ist kein britischer Einzelfall. Auch in den USA gibt es eine gleichnamige Gruppierung, die dasselbe Ziel verfolgt. 2024 haben beide Organisationen gemeinsam mit der deutschsprachigen Initiative "taxmenow" einen ähnlichen offenen Brief an die weltweiten Entscheidungsträger beim Weltwirtschaftsforum in Davos gerichtet. Unterzeichnet wurde dieser Brief auch von einigen deutschen Millionären, wie der Enkelin und Erbin von Robert Bosch, Ise Bosch, oder dem Unternehmer und Verivox-Gründer Peter Reese.