Xabi Alonso: Weltmeister startet seine schwere Mission beim FC Chelsea
Ein halbes Jahr nach seinem Aus bei Real Madrid stürzt sich Xabi Alonso ins nächste Abenteuer. Er soll Chelsea aus dem Chaos zurück zum Erfolg führen. Mitte Mai war sich die ganze Fußballwelt einig, dass dem FC Chelsea ein echter Coup gelungen ist. Xabi Alonso , zuvor monatelang beim FC Liverpool gehandelt, unterschrieb in London einen Vertrag über vier Jahre. Leverkusens makelloser Meistermacher, weltweit geschätzt für sein elegantes Auftreten, seine akribische Arbeit und seinen modernen Spielstil, soll die Londoner nach einer enttäuschenden Saison, die ohne Titel und in der Liga auf dem zehnten Platz endete, wieder zu einem Spitzenklub formen. Von einem "Transferhammer" sprach "sport.de", die "Marca" nannte es "eine Entscheidung von großer Tragweite" und die Fans des englischen Traditionsklubs jubelten in den sozialen Medien. Chelsea selbst bezeichnete Alonso in der Pressemitteilung als "eine der am meisten respektierten Figuren des modernen Spiels". Den Coach erfüllt es eigenen Angaben zufolge "mit immensem Stolz, Trainer dieses großartigen Klubs" zu sein. Die Erwartungen sind gewaltig, wenngleich der Spanier vor einem halben Jahr bei Real Madrid nach nur sieben Monaten im Amt entlassen wurde. Und obwohl Chelsea seit dem Champions-League-Triumph von 2021 nur selten den Nachweis erbracht hat, noch zu den ganz großen Topklubs zu zählen. Chelsea holt Rogers für eine Rekordsumme Finanziell, das steht außer Frage, gehören die Londoner seit über zwei Jahrzehnten durchgehend zu den Schwergewichten des Sports. Das zeigt sich vor allem bei den gewaltigen Transfersummen, die Chelsea bewegt. In diesem Sommer haben die Engländer das fünfte Jahr in Folge die Marke von 250 Millionen Euro an Ausgaben für Neuzugänge geknackt – und dabei sind die Planungen längst noch nicht abgeschlossen. Am teuersten war bisher Morgan Rogers, für den offensiven Mittelfeldspieler haben die "Blues" 138 Millionen Euro ausgegeben. Der 23-jährige WM-Fahrer ist damit der teuerste Engländer der Geschichte. Beachtliche Summen kosteten auch die beiden Youngster Marco Palestra (57 Millionen Euro) und Geovany Quenda (50 Millionen Euro). Dazu kommen weitere, vergleichsweise kleine Deals. Bemerkenswert ist, wer noch kommen soll. Der Ex-Wolfsburger Maxence Lacroix steht unmittelbar vor einem Wechsel in den Westen Londons. Auch John Stones, langjähriger Führungsspieler von Manchester City , wird als Verstärkung für die Innenverteidigung gehandelt. Chelsea war zudem an Granit Xhaka dran, dessen Klub Sunderland blockte aber. Die klare Tendenz ist dennoch zu erkennen: Trotz hoher Investitionen in junge Spieler soll in diesem Sommer auch etwas Erfahrung eingekauft werden. Manager Alonso strukturiert Chelseas Kader um Das dürfte ein erster sichtbarer Einfluss von Alonso sein, der nicht nur als einfacher "Headcoach", sondern als "Manager" vorgestellt wurde. Diese prestigeträchtigere Rolle wurde bei Chelsea letztmals vor 13 Jahren José Mourinho zuteil. Alonsos Wirken soll dadurch über den Trainingsplatz hinaus in die Transferplanung reichen. Und das ist auch notwendig. Denn seit der Übernahme des Klubs durch Todd Boehly und dessen Investitionskonsortium BlueCo vor vier Jahren holte Chelsea fast ausschließlich Spieler, die jünger als 24 Jahre, oftmals sogar noch Teenager waren. Der letzte Ü30-Spieler, den die "Blues" verpflichtet haben, war im Sommer 2022 Pierre-Emerick Aubameyang . Er kam als Notlösung auf den letzten Drücker, vor allem wegen Trainer Thomas Tuchel . Der aber wurde wenige Tage später entlassen. Marc Cucurella kritisierte die Altersstruktur im März öffentlich. "Uns fehlt die Erfahrung", sagte er nach zwei deutlichen Niederlagen gegen PSG: "Dafür haben wir den Preis gezahlt." Sein öffentlich geäußerter Unmut gilt als ein Grund, warum Chelsea ihn im Sommer an Real Madrid verkauft hat – obwohl der Spanier in den vergangenen Jahren zu den konstantesten Profis im Klub zählte und sich spätestens bei der WM den Status als einer der besten Linksverteidiger der Welt erarbeitet hat. Die Personalien Cucurella und Aubameyang sind bezeichnend für das Chaos, das seit Jahren an der Stamford Bridge herrscht. Darüber konnte auch das zwischenzeitliche Hoch unter Enzo Maresca, der jüngst Pep Guardiola bei Manchester City beerbt hat, nicht hinwegtäuschen. 2025 gewann er die Klub-WM und die Conference League, in der Liga aber landeten die Londoner in den jüngsten vier Spielzeiten nur einmal unter den vier besten Teams. Es fehlt an Konstanz, es fehlt an Reife, es fehlt auch an Disziplin. Kein Job als Nationaltrainer: Guardiola sagt Italien ab In der vergangenen Saison handelten sich die Londoner elf Platzverweise ein, zwei der jüngsten drei Spielzeiten beendeten sie auf dem letzten Platz der englischen Fair-Play-Tabelle. Alonso muss seinem neuen Team Leichtsinn und Unachtsamkeit austreiben. Er muss ihm aber auch seine Spielidee vermitteln. Diese dürfte wie schon in Leverkusen von einem dominanten Ballbesitzfußball, vielen Flachpässen, hohem Pressing und flexiblen Formationen geprägt sein. Das deutete der Spanier bei der Verpflichtung von Palestra an, indem er jene Fähigkeiten hervorhob, die zu seinem bisherigen Stil passen. Der Italiener sei "für den modernen Fußball" prädestiniert und biete "in seiner Positionierung viel Flexibilität", um fließend zwischen den Formationen zu wechseln. Palmer soll wieder glänzen, ein Weltmeister könnte gehen In der Offensive sollen João Pedro, Rekordzugang Rogers, der zuletzt verletzte Estêvão sowie Cole Palmer auf engstem Raum kombinieren, dem Spiel aber auch Vertikalität bieten. Letzterem winkt dabei eine besondere Rolle, Alonso bezeichnete ihn auf seiner ersten Pressekonferenz als "außergewöhnlichen Spieler", der unter den richtigen Bedingungen "einer der Schlüsselspieler im offensiven Drittel" sein wird. Die Rolle hatte der Engländer vor allem von 2023 bis 2025 schon einmal inne, in der Vorsaison fand er nach mehreren Verletzungen nie zu seiner Form. Zu den vielen Hausaufgaben des Sommers zählt indes auch die Verkleinerung des Kaders. Auf der eigenen Website führt Chelsea derzeit 33 Profis auf – laut einer Berechnung der BBC deutet sich damit ein gewaltiges Problem an: Bei national erfolgreichen Teams, die international nicht vertreten sind, haben demnach nur maximal 14 Spieler die Marke von 1.500 Spielminuten in der jeweiligen Saison überschritten. Ein zu großes Aufgebot birgt das Potenzial für Unzufriedenheit und Unruhe. Die Londoner müssen aber auch aus finanziellen Gründen verkaufen. Aufgrund von finanziellen Verstößen hat die Uefa Chelsea bereits mit Strafen belegt. Die Premier League gibt ebenfalls Vorgaben. Und größere Einnahmen ermöglichen schließlich auch größere Investitionen in den Kader. Knapp 150 Millionen Euro hat Chelsea in diesem Sommer bereits eingenommen, in der Vorsaison waren es über 300 Millionen Euro. In diesem Bereich könnten die "Blues" erneut landen, denn mit wenigen Ausnahmen ist kein Spieler unverkäuflich. Allein Enzo Fernández könnte etwa 100 Millionen Euro in die Kassen spülen. Der Argentinier hat öffentlich von Madrid geschwärmt und wird mit einem Wechsel zu Real in Verbindung gebracht. Das Risiko bei Garnacho und die Gefahr für Alonso Alejandro Garnacho wiederum hat der Klub schon verabschiedet – dabei aber einen riskanten Deal eingefädelt. Der Offensivspieler, der erst vor einem Jahr für 46 Millionen Euro von Manchester United gekommen war und floppte, wurde an Aston Villa verliehen. Dabei wurde eine Kaufpflicht ausgehandelt, die offenbar unter leicht zu erreichenden Bedingungen aktiviert wird. Der Deal hat die Uefa auf den Plan gerufen, weil der Verdacht im Raum stand, dass beide Klubs damit auch ihre Bilanzen schönen wollten. Ein direkter Verkauf hätte nach dem Reglement der Uefa einem Tauschgeschäft entsprochen, weil wenige Tage zuvor Rogers den umgekehrten Weg gegangen war. Der Verband wertet einen Tausch ohne finanziellen Gewinn auf beiden Seiten. Durch die Verzögerung der Festverpflichtung werden sich beide Klubs nun aber wohl einen satten Gewinn in die Bilanz schreiben können. Eine gefährliche Lage ergibt sich letztlich auch für Alonso. "Die Premier League ist weltweit die Liga mit der größten Konkurrenz. Es ist eine Herausforderung, hierherzukommen", sagte er bei seiner Präsentation. Im Westen Londons ist es besonders herausfordernd. Wie schwierig die Arbeit bei Chelsea seit dem Eigentümerwechsel ist, haben mehrere Trainer erfahren. Als Erstes erwischte es Tuchel, in der Folge unter anderem Graham Potter, Mauricio Pochettino und Maresca. Mitsamt Interimslösungen kommen acht unterschiedliche Coaches im Schnitt auf nur 24,9 Partien pro Amtszeit. Aufgrund seiner Strahlkraft geht Alonso mit etwas mehr Vorschusslorbeeren an den Start als seine jüngsten Vorgänger, übermäßig viel Zeit wird dem Spanier trotzdem nicht eingestanden. Diese Erfahrung musste er schon bei Real Madrid machen. Das zweite Aus bei einem Topklub binnen kürzester Zeit würde selbst an seinem als Profi sowie als Leverkusener Meistermacher so mühsam erarbeiteten Image kratzen. Dessen scheint sich Alonso bewusst zu sein. In London will er nicht nur sein Team besser machen, sondern auch selbst "dazulernen", wie er auf seiner ersten Pressekonferenz betonte. Die Liste an Aufgaben ist lang, die Zuversicht lässt sich der Spanier trotzdem nicht nehmen: "Ich sehe in diesem Verein großes Potenzial. Wir wollen ein Team aufbauen, das dauerhaft auf höchstem Niveau mitspielen und um Titel kämpfen kann."