Leichtathletik-EM: Sprinter Owen Ansah stürmt zu Bronze im 100-Meter-Finale
Dem deutschen Sprinter Owen Ansah droht eine vierjährige Sperre. Bei der EM schafft er es auf das Siegertreppchen. Bronze-Coup trotz Dopingtest-Wirbel: Owen Ansah hat bei der Leichtathletik-EM als erster deutscher Sprinter seit 40 Jahren eine Medaille über 100 Meter gewonnen. Unbeeindruckt von seiner drohenden Sperre stürmte der Hamburger im Showdown von Birmingham in 10,19 Sekunden zu Bronze und musste sich damit nur dem neuen Europameister Romell Glave (10,09 Sekunden) und dessen britischem Landsmann Jeremiah Azu (10,16) geschlagen geben. "Ich dachte: Gib Gas, mach weiter", sagte Ansah nach seinem Coup im ZDF : "Am Ende wusste ich gar nicht, ob ich Dritter geworden bin. Aber umso glücklicher bin ich, dass ich mit einer Bronzemedaille nach Hause fahren kann." Ansah gewann die vierte Medaille für das DLV-Team in Birmingham und schrieb zudem Geschichte – 40 Jahre nach DDR-Sprinter Steffen Bringmann (Silber in Stuttgart) gewann der 25-Jährige als erster Deutscher wieder eine EM-Medaille über 100 Meter. Ob Ansah Bronze allerdings behalten darf, ist unklar. Schließlich wirft die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) dem deutschen Rekordhalter vor, im Juli einen Dopingtest verweigert zu haben und fordert eine Sperre von vier Jahren für den 9,98-Sekunden-Mann. Ansah weist die Vorwürfe zurück und will gegen die drohende Sperre vorgehen. Ansah präsentiert sich vom Wirbel unbeeindruckt Es gebe keine einzige Stimme in seinem Kopf, dass die Medaille bald weg sein könnte, sagte Ansah. Er habe keine Angst, Bronze wieder zu verlieren. "Ich bin im Hier und Jetzt und darauf konzentriere ich mich. Auf die Sachen, die in der Zukunft passieren, da kann ich keinen Einfluss drauf nehmen", erklärte er. "Ich bin hier. Und so fahre ich nach Hause und so lasse ich mich auch von meinen Freunden, von meinem Team, von meiner Familie feiern." Da bislang keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen wurde, ist Ansah in Birmingham startberechtigt. Sein Auftritt im Alexander Stadium war mit großer Spannung erwartet worden, der Druck immens – doch Ansah präsentierte sich von all dem Wirbel um seine Person gänzlich unbeeindruckt. Elegant und entschlossen flog er der ersten ganz großen Einzel-Medaille seiner Karriere entgegen. Und seine Mission ist noch nicht beendet. Während er vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in den Staffeln nicht eingesetzte werden wird, geht Ansah noch über die 200 m an den Start. "Glaub an Dich, zieh durch", ist Ansahs Motto in diesen bewegten Tagen: "Vertraue auf Deine Stärken. Über die 200 Meter möchte ich genau mit so viel Selbstbewusstsein an den Start gehen. Und mein Trainer sagt immer, die 200 Meter liegen mir mehr. Und dann gucken wir mal, was dabei rauskommt."