Rente mit 63: Diese Menschen nehmen die Frührente in Anspruch
Wird die "Rente mit 63" abgeschafft? Darum ringt derzeit die Politik. Neue Zahlen geben nun Aufschluss, wer von dieser Rente profitiert. Eigentlich, so sieht es der Plan der Regierung vor, soll die sogenannte Rente mit 63 abgeschafft werden. Doch dagegen regt sich immer größerer Widerstand: in der SPD bereits kurz nach Vorstellung der Pläne; nun rumort es auch in der Union, nachdem sich drei CDU-Ministerpräsidenten in einem offenen Brief gegen eine Abschaffung ausgesprochen haben. Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Mario Voigt aus Thüringen und Michael Kretschmer aus Sachsen verwiesen dabei darauf, dass besonders die Ostdeutschen von der Altersrente für besonders langjährig Versicherte, wie sie offiziell heißt, profitierten. Die Befürworter der Abschaffung verweisen hingegen darauf, dass die Rente ihr Ziel verfehlt habe, weil sie vor allem von denjenigen genutzt wird, die es sich leisten können, auf die letzten zwei Beitragsjahre zu verzichten. Und das, so wird argumentiert, seien eben oft nicht die, die körperlich besonders hart arbeiten. Marcel Fratzscher , Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte vergangene Woche im ZDF-Morgenmagazin etwa, die Rente würde vor allem von besserverdienenden Männern genutzt, während Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien nichts davon hätten. Frauenanteil steigt Zahlen, die das Arbeitsministerium nun auf Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag veröffentlicht hat, zeigen, wie viele Menschen die Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch nehmen und was über sie in den Daten der Deutschen Rentenversicherung bekannt ist. So nahmen 2025 rund 262.000 Menschen die abschlagsfreie Rente in Anspruch. Die Zahl schwankt von Jahr zu Jahr, von 2015 bis 2025 lag sie zwischen rund 225.000 und 279.000. Was hingegen recht stabil bleibt, ist die Verteilung zwischen Männern und Frauen. So liegt der Männeranteil zwischen 54 und 59 Prozent, tendenziell hat er über die Jahre abgenommen, wie die folgende Grafik zeigt: Die nächste Tabelle zeigt die Höhe der durchschnittlichen Rentenzahlungen an diejenigen, die früher abschlagsfrei in Rente gegangen sind. Es zeigt sich ein deutliches Gefälle zwischen den Beträgen, die Männer und Frauen erhalten: Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin im Arbeitsministerium, weist in ihrer Antwort auf eine Linken-Anfrage zu diesem Thema darauf hin, dass von den Zahlen nicht auf die Höhe des Alterseinkommens sowie auf den Haushaltskontext geschlossen werden könne. Gerade in Westdeutschland beziehen viele Rentner zusätzlich eine Betriebsrente oder haben private Rentenzahlungen. Einige entscheiden sich auch dafür, trotz niedriger Zahlungen früher in Rente zu gehen und auf weitere Beitragsjahre zu verzichten, da sie etwa über den Ehepartner zusätzlich abgesichert sind. Unter dieser Voraussetzung muss entsprechend auch die nächste Grafik interpretiert werden, die zeigt, bei wie vielen Beziehern der Rente mit 63 Jahren die Zahlungen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle liegen. Diese liegt derzeit bei 1.446 Euro im Monat. Zudem zeigt sie große Unterschiede zwischen Ost und West: Das liegt unter anderem daran, dass die Rentenpunkte in Ostdeutschland lange weniger wert waren als die in Westdeutschland, was über viele Jahre hinweg langsam angeglichen wurde. Seit dem 1. Juli 2023 sind die Rentenpunkte in Ost und West gleich viel wert. Linke kritisiert: "Das ist eine Rentenkürzung" Die Linke sieht mit diesen Zahlen die Argumente der Gegner der "Rente mit 63" widerlegt. "Teile der Bundesregierung und der Rentenkommission behaupten immer wieder, dass von der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren vor allem Besserverdiener und Männer profitieren würden", sagte die rentenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Sarah Vollath, t-online. "Diese Behauptung ist schlicht falsch." Sie kritisiert, für viele Menschen sei es bittere Realität, nach dem Arbeitsleben mit einer Rente unterhalb der Armutsgrenze dazustehen. "Wer die abschlagsfreie Rente streicht, sorgt dafür, dass diese Menschen künftig Abschläge hinnehmen müssen und am Ende noch weniger haben", so Vollath. "Das ist eine Rentenkürzung und ein Schlag ins Gesicht für alle, die ihr Leben lang gearbeitet haben." Empfehlung der Rentenkommission zur Altersteilzeit: Dieses beliebte Arbeitsmodell soll ganz weg Die Rentenkommission hatte vorgeschlagen, als Ausgleich für den Wegfall der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren eine Härtefallregelung für Menschen auszubauen, die körperlich nicht in der Lage sind, so lange zu arbeiten. Außerdem sehen die Pläne der Kommission mehr Investitionen in Rehabilitation und Prävention vor. Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatten angekündigt, die Pläne der Rentenkommission als Komplettpaket übernehmen zu wollen. Wie genau aber eine Härtefallregelung und weitere Maßnahmen ausgestaltet werden könnten, dazu gibt es vonseiten der Regierung noch keine Angaben.