Online-Betrug: KI macht Anlagebetrug immer überzeugender
Online-Abzocke ist für viele längst Alltag. Warum selbst aufmerksame Verbraucher nicht jeden Betrug rechtzeitig durchschauen können. Online- und Anlagebetrug nehmen in Deutschland weiter zu. Davor warnt das IT-Unternehmen McAfee – nicht ohne Eigeninteresse, denn das Unternehmen verkauft Sicherheitssoftware und Cloud-Lösungen, die weltweit von Millionen Menschen und Unternehmen genutzt werden. Doch die Bedrohung durch Onlinebetrug wächst – und damit auch der Bedarf an wirksamem Schutz. Im Schnitt erreichen Verbraucherinnen und Verbraucher täglich neun betrügerische Nachrichten auf dem Smartphone, per E-Mail oder über Messenger-Dienste. Betrugsversuche gehören inzwischen für viele zum digitalen Alltag. Gleichzeitig überschätzen viele ihre Fähigkeit, moderne Betrugsmaschen zu erkennen. Und durch Künstliche Intelligenz können Kriminelle ihre Nachrichten und Webseiten immer überzeugender gestalten. Onlinebetrug trifft viele – manche sogar mehrfach Für eine McAfee-Umfrage wurden mehr als 7.500 Erwachsene ab 18 Jahren in sieben Ländern befragt, darunter Deutschland, die USA , Indien , Großbritannien und Frankreich . Laut Studie haben 72 Prozent der Deutschen bereits Erfahrungen mit Onlinebetrug gemacht. Fast jeder Achte, also zwölf Prozent, ist bereits mit sogenanntem Krypto-Anlagebetrug in Kontakt gekommen. Täuschend echt dank KI : Wie Echtzeitüberweisungen Bankbetrug erleichtern Milliardenschäden durch Cybertricks: Diese Betrugsmaschen werden immer gefährlicher Dabei zeigt sich: Betrugsmaschen treffen nicht nur bestimmte Altersgruppen oder Menschen mit geringerer Digitalkompetenz. Die Gefahr zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten. Eine Gruppe gerät allerdings besonders in den Fokus: Bei sogenanntem Cybertrading-Betrug haben Kriminelle gerade bei der Generation Z vergleichsweise leichtes Spiel. Weniger als die Hälfte der Gen Z, nämlich 45 Prozent, erkennt unrealistisch hohe Renditeversprechen in E-Mails, SMS oder Messenger-Chats direkt als Täuschungsversuch. Die globale McAfee-Studie zeigt außerdem, dass jüngere Erwachsene deutlich häufiger mehrfach Opfer von Betrugsmaschen werden. Von den 25- bis 34-Jährigen berichten 30 Prozent von wiederholten Vorfällen, bei den 18- bis 24-Jährigen sind es 28 Prozent. Unter den 55- bis 64-Jährigen liegt der Anteil dagegen bei elf Prozent. Klassische Warnsignale reichen nicht mehr aus Betrugsopfern drohen nicht nur anhaltende emotionale Belastungen, sondern auch Identitätsdiebstahl und erhebliche finanzielle Verluste. Laut dem Report "State of Scams Germany 2026", den Worldline gemeinsam mit der Global Anti-Scam Alliance (Gasa) erstellt hat, beträgt der durchschnittliche Schaden 2.619 Euro pro Opfer. Für die Studie wurden 2.550 Erwachsene in Deutschland befragt. Trotzdem wissen viele nicht genau, wie sie sich wirksam vor Onlinebetrug schützen können – oder sie vertrauen darauf, moderne Betrugsmaschen selbst zu erkennen. Laut Worldline-Studie sind 57 Prozent der Befragten überzeugt, Betrugsversuche zuverlässig identifizieren zu können. Die Vorgehensweise von Betrügern ist jedoch komplex. Der Studie zufolge verlassen sich viele auf Warnsignale, die moderne Betrugsmaschen längst umgehen können. So achten 50 Prozent vor allem auf Rechtschreib- oder Grammatikfehler. Deutlich weniger prüfen unabhängige Bewertungen (34 Prozent), achten auf sichere und rückbuchbare Zahlungsmethoden wie Kreditkarte oder PayPal (24 Prozent) oder kontaktieren den vermeintlichen Absender direkt (elf Prozent). Warum Sie nicht jeden Betrugsversuch durchschauen können Die Ergebnisse zeigen ein Ungleichgewicht zwischen dem Sicherheitsgefühl vieler Verbraucherinnen und Verbraucher und den Methoden professioneller Betrüger. Kriminelle nutzen zunehmend überzeugend formulierte Nachrichten, täuschend echte Webseiten und Künstliche Intelligenz, um klassische Warnsignale zu umgehen. Erst betrügen, dann helfen: So zocken Betrüger ihre Opfer zweimal ab Tech-Visionär Ian Rogers: "Das Smartphone ist unsicher – und das wird sich nie ändern" Für Christian Michelsen vom Zahlungsdienstleister Worldline reiche es deshalb nicht mehr aus, lediglich auf bekannte Betrugsmerkmale zu achten. Betrugsprävention müsse verdächtige Vorgänge möglichst früh erkennen und Risiken begrenzen. "Von Verbrauchern kann (…) nicht erwartet werden, jede Betrugsmasche selbst zu erkennen. Umso wichtiger ist es, verdächtige Aktivitäten frühzeitig im Hintergrund zu identifizieren und Risiken zu minimieren, ohne legitime Zahlungen unnötig zu erschweren", sagt Michelsen. In mehr als der Hälfte der Fälle schlagen andere Alarm Wie wichtig solche Schutzmechanismen inzwischen sind, zeigt der Blick darauf, wer einen Betrug überhaupt entdeckt. Nur 45 Prozent der Betroffenen bemerkten den Betrug selbst. In allen anderen Fällen kam der entscheidende Hinweis von Dritten – etwa von Banken, Online-Plattformen, Telekommunikationsanbietern, Familienangehörigen, Medien oder Strafverfolgungsbehörden. Gegenüber dem Vorjahr stieg dieser Anteil laut Worldline-Studie deutlich von 44 auf 65 Prozent. Die Ergebnisse verdeutlichen: Betrugsprävention können Verbraucherinnen und Verbraucher längst nicht mehr allein leisten. Wirksamer Schutz entsteht erst, wenn verschiedene Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Zahlungskette zusammenarbeiten. Kampf gegen Betrug ist nicht allein zu gewinnen Für Andrei Skorobogatov von der Global Anti-Scam Alliance besteht eine zentrale Herausforderung darin, Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung genauso schnell weiterzuentwickeln, wie Kriminelle ihre Taktiken verändern. Dafür sollten Echtzeitinformationen, Künstliche Intelligenz und menschliches Fachwissen zusammenspielen, damit das Vertrauen der Verbraucher erhalten bleibt. "Der Kampf gegen Betrug kann von keiner einzelnen Organisation gewonnen werden. Er erfordert gemeinsame Anstrengungen des öffentlichen und privaten Sektors, um die Erkennung zu verbessern, Meldewege zu optimieren und Verbraucher zu schützen, bevor Schaden entsteht", sagt Skorobogatov. Damit verschiebt sich auch die Verantwortung: Aufmerksamkeit bleibt für Verbraucher wichtig. Sie allein reicht aber nicht aus. Banken, Zahlungsdienstleister, Plattformen, Telekommunikationsanbieter, Behörden und andere Beteiligte müssen Betrugsversuche möglichst erkennen, bevor Kriminelle ihr Ziel erreichen. Erste-Hilfe-Maßnahmen können vor Anlagebetrug schützen Anlagebetrug zählt laut McAfee zu den häufigsten Formen des Finanzbetrugs. Kriminelle täuschen dabei vermeintlich lukrative Anlagemöglichkeiten mit außergewöhnlich hohen Renditen vor, um Menschen zu riskanten Investitionen zu bewegen. Sobald die Opfer ihr Geld eingezahlt haben, tauchen die Täter unter. Wer typische Warnsignale kennt und aufmerksam bleibt, kann das eigene Risiko dennoch reduzieren. Misstrauen Sie garantierten Renditen ohne Risiko: Jede seriöse Geldanlage birgt Risiken. Verspricht Ihnen jemand außergewöhnlich hohe oder sogar garantierte Renditen, sollten Sie besonders vorsichtig sein. Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen: Betrüger nutzen aggressive Verkaufstaktiken und drängen beispielsweise auf sofortige Überweisungen oder den schnellen Download unbekannter Apps. Seriöse Anbieter geben Ihnen ausreichend Bedenkzeit. Prüfen Sie die Zulassung: Wer in Deutschland Finanzdienstleistungen anbietet, benötigt eine Erlaubnis der Finanzaufsicht Bafin. Informieren Sie sich vor einer Investition darüber, ob der Anbieter eine entsprechende Lizenz besitzt. Meiden Sie ungewöhnliche Zahlungsmethoden: Fordert jemand Sie auf, eine Investition per Überweisung, Geschenkkarte oder Kryptowährung zu bezahlen, kann das auf einen Betrugsversuch hindeuten. Solche Zahlungsmethoden sind bei Betrügern beliebt, weil sich Transaktionen schwer zurückverfolgen und meist nicht rückgängig machen lassen. Seien Sie vorsichtig bei unaufgeforderten Kontakten und Links: Kriminelle nutzen Kaltakquise per E-Mail, SMS oder Social Media . Reagieren Sie nicht auf unaufgeforderte Angebote, öffnen Sie keine unbekannten Links und rufen Sie keine Telefonnummern aus solchen Nachrichten an. Nutzen Sie zuverlässige Sicherheitstools: Betrügerische Nachrichten und gefälschte Webseiten werden technisch immer ausgefeilter. Moderne Sicherheitslösungen können dabei helfen, verdächtige Webseiten, Phishing-SMS und gefährliche Links automatisch zu erkennen und zu blockieren.