Neue Regeln: Trainermeinungen und die Fakten
Nicht alles, was es bei der Fußball-Weltmeisterschaft an neuen Regeln gab, wird in der Bundesliga übernommen. Was vor der neuen Saison diskutiert wird. Im Nachhinein darf sich keiner beschweren, er habe es nicht gewusst: Die Mannschaften der Fußball-Bundesliga haben vor der neuen Bundesliga-Saison eine Regelschulung erhalten - von den Spitzenschiedsrichtern. In einer dpa-Umfrage äußern Trainer, was sie ändern würden. Wie die Faktenlage dazu ist: Trinkpausen "Abschaffen beziehungsweise gar nicht erst einführen würde ich eine verpflichtende Trinkpause", sagt Mönchengladbachs Chefcoach Eugen Polanski . Fakt ist: Bei der WM war die sogenannte Hydration Break für etwa drei Minuten nach etwa 22 Minuten in der Mitte der beiden Spielhälften verpflichtend. Viele Fans und Experten kritisierten, dass die Unterbrechung vor allem für Werbung genutzt werde. UEFA und Bundesliga sagen: Die Referees können Trinkpausen nach Gutdünken und Temperaturen entscheiden. Mehr Eingriffsmöglichkeiten für den Video-Assistenten Julian Schuster (SC Freiburg) sagt: "Man sollte nicht zu viel durch kleinteilige Eingriffe am Spiel rumdoktern. Beim Zeitspiel etwa bin ich Freund davon, einfach konsequent nachspielen zu lassen." Fakt ist: Die Aufgaben des VAR werden erweitert. Künftig darf er eingreifen, wenn ein Platzverweis nach einer eindeutig falschen zweiten Gelben Karte erfolgt. Zudem kann der Video-Assistent den Schiedsrichter korrigieren, wenn versehentlich der falsche Spieler verwarnt oder des Feldes verwiesen wurde. Dabei geht es ausschließlich um die Identität des Spielers - ob die Verwarnung an sich berechtigt war, wird nicht überprüft. Jochen Drees, Leiter Video-Assistenten bei der DFB Schiri GmbH, erklärt aber auch: Die Linie der UEFA gehe in die Richtung, "den Schiedsrichter wieder zu stärken und nur bei klaren, offensichtlichen Fehlentscheidungen einzugreifen". VAR-Eingriffe bei Eckbällen "Ich fand es bei der WM sehr gut, dass auch die Entscheidungen bei Eckstößen überprüft wurden. Für die Bundesliga fände ich das auch sehr sinnvoll. Ein Eckstoß ist schon eine gute Möglichkeit, auch ein Tor zu erzielen", sagt Schalkes Trainer Miron Muslic. René Wagner vom 1. FC Köln fände dies ebenfalls sinnvoll, "da Standards so ein wichtiges Thema geworden sind und viele Tore aus diesen Situationen resultieren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Spielfluss durch die Überprüfung nicht verzögert wird." Fakt ist: Falsche Eckballentscheidungen werden in der Bundesliga nicht überprüft. Maßnahmen gegen Zeitspiel Die bei der Weltmeisterschaft angewandten Maßnahmen stoßen weitgehend auf große Zustimmung. Adi Hütter (Eintracht Frankfurt) sieht darin einen guten Ansatz, um für mehr Netto-Spielzeit zu sorgen. "Fußball soll von Intensität, Tempo und Spielfluss leben. Unsere Energie gehört in Aktionen, nicht in Diskussionen", sagt sein Hoffenheimer Kollege Trainer Christian Ilzer . "Am Schluss geht es darum, die Nettospielzeit zu erhöhen. Also beim Einwurf, wenn der Ball draußen ist, halt schneller einzuwerfen. Wenn jemand verletzt am Boden liegt, vielleicht steht er halt schneller auf, wenn er weiß, er muss dann eine Minute draußen bleiben", lautet die Meinung von Augsburgs Manuel Baum . Fakt ist: Schon in der Vorsaison starteten Schiedsrichter einen Acht-Sekunden-Countdown, wenn der Torhüter den Ball zu lange in der Hand hielt. Der Unparteiische kann nun auch bei Einwürfen und Abstößen fünf Sekunden runterzählen. Wenn das Spiel bei Ablauf des Countdowns nicht fortgesetzt wurde, geht der Ballbesitz ans gegnerische Team. Im Falle eines Einwurfs kann der Gegner einwerfen, beim Abstoß bekommt das gegnerische Team einen Eckstoß zugesprochen. Auch bei Auswechslungen muss es schnell gehen: Zehn Sekunden bleiben den Spielern, um nach der Anzeige des Wechsels das Feld zu verlassen. Überschreitet der Fußballer das Zeitlimit, muss sein Ersatz mindestens eine Minute bis zur nächsten Spielunterbrechung warten, bis er aufs Feld darf. Heißt: Das Team spielt so lange in Unterzahl. Nicht nur bei Auswechslungen müssen Spieler künftig mit einer Zwangspause rechnen. "Ein verletzter Spieler darf nicht auf dem Spielfeld behandelt werden und muss, wenn die Verletzung zu einer Spielunterbrechung oder einer Verzögerung der Spielfortsetzung führt, das Spielfeld verlassen und darf dieses erst eine Minute nach der Spielfortsetzung wieder betreten", heißt es im Regelwerk. So soll Zeitspiel in Form von simulierten Verletzungen - besser: Schauspielerei - verhindert werden. Ausnahmen bestehen etwa, wenn sich Torhüter verletzen oder Spieler desselben Teams nach einem Zusammenprall behandelt werden müssen. Und sonst? "Beim Thema Handspiel wäre es wünschenswert, für Spieler, Trainer und Fans mehr Klarheit, Nachvollziehbarkeit und vor allem Einheitlichkeit unabhängig von Schiedsrichtern zu haben, sagt Leverkusens Trainer Carles Martínez. "Ziel sollte es sein, dass vergleichbare Situationen unabhängig vom Schiedsrichter zu vergleichbaren Entscheidungen führen. Das würde grundsätzlich die Akzeptanz der Entscheidungen erhöhen." Fakt ist: Hier gibt es keine neuen Regeln. "Wir haben beim Handspiel keine Diskussionen gehabt, zumindest null in der Rückrunde. Wir sind happy mit dem Umgang beim Handspiel, da gibt keine neuen Anweisungen", sagt Marco Fritz, Leiter Evaluation der Schiri GmbH. Daniel Siebert, der das Champions-League-Finale zwischen Paris St. Germain und dem FC Arsenal aus London geleitet hat, erklärt: "Ich persönlich finde, wir haben da eine gute Linie gefahren." Sein "Erziehungsauftrag" sei, zu vermitteln: "Nicht jedes Mal, wenn der Ball an die Hand klatscht, ist es Handspiel."