Handelskrieg mit USA: Kanada darf im Zollkonflikt mit Trump nicht nachgeben
Donald Trump versucht, Kanadas wirtschaftliche Abhängigkeit zu nutzen, um das Land politisch zu unterwerfen. Premierminister Mark Carney darf jetzt im Handelskrieg nicht nachgeben, auch wenn es zunächst schmerzen wird. Bastian Brauns berichtet aus Washington Donald Trump hat Kanada vor eine brutale Wahl gestellt: wirtschaftlichen Schmerz akzeptieren oder die eigene wirtschaftliche und damit auch politische Souveränität an Washington abtreten. Der kanadische Premierminister Mark Carney hat sich entschieden. Er hat die amerikanischen Bedingungen für einen Handelsdeal am Wochenende abgelehnt . Sein Land wird nun ab dem 8. September mit harten Strafzöllen auf die US-Zölle reagieren. Das ist eine riskante Strategie. Denn dieser Schritt könnte für Kanada zunächst deutlich schmerzhafter werden als für die USA . Aber es ist die einzig richtige Entscheidung. Denn vor Trumps Erpressung einzuknicken, würde die Selbstaufgabe des Nachbarn im Norden bedeuten und einen folgenschweren Präzedenzfall schaffen. Erpressermethoden der Trump-Regierung Was die Trump-Regierung in den Verhandlungen verlangte, ist für einen souveränen Staat schlicht nicht hinnehmbar. Kanada sollte etwa seine Freiheit einschränken, eigene Handelsabkommen zu schließen. Genau darin lag der politische Sprengstoff, der die Verhandlungen am Ende platzen ließ. Kanada hat vor rund einem Jahrzehnt mit der Europäischen Union das Handelsabkommen CETA vereinbart. Und die Trump-Regierung bemängelt, dass Kanada den Partnern aus der Europäischen Union bessere Bedingungen einräumt als den USA. Man verweist etwa auf Produkte wie Autos, Alkohol und Milchprodukte und argumentiert, amerikanische Unternehmen würden gegenüber Konkurrenten aus anderen Ländern benachteiligt. Das kann die US-Regierung zu Recht unfair finden. Zudem sind die Autoexporte aus Amerika ins Nachbarland deutlich zurückgegangen, allerdings weil Kanada Gegenzölle auf von den USA erhobene Zölle verhängt hatte. Daraus lässt sich kein amerikanisches Vetorecht über Kanadas souveräne Handelspolitik ableiten. Hierin liegt der grundlegende Unterschied in der amerikanischen Sicht auf die Dinge. Hart verhandeln ist etwas anderes als Erpressen. Über Zölle und Importquoten lässt sich streiten. Aber Trumps Botschaft lautet: Ihr dürft mit Europa Handel treiben, aber nur zu Bedingungen, die uns genehm sind, sonst schließen wir euch mit 50-Prozent-Strafzöllen de facto vom amerikanischen Markt aus. Unhaltbare US-Forderungen Die USA verlangten von Kanada noch etliche weitere Zugeständnisse, die nichts mit klassischen Zollfragen zu tun haben. Mark Carneys Regierung sollte sich bei Sanktionen, Exportkontrollen und anderen Handelsbeschränkungen gegenüber Drittstaaten künftig an Washington orientieren. Außerdem beanspruchten die USA Mitspracherechte bei strategischen Infrastrukturprojekten sowie beim Zugang zu kanadischen Rohstoffen wie Lithium, Nickel, Kobalt und Uran. Die Schutzregeln für Landwirtschaft, Kultur und die französische Sprache sollten gelockert, "Buy Canada"-Vorgaben bei öffentlichen Aufträgen abgeschafft und die Regeln für die Autoindustrie zugunsten der Produktion in den USA verändert werden. Damit nicht genug: Es sollten längere Patentschutzfristen für US-Pharmakonzerne gelten. Und Amerika sollte bevorzugten Zugang zu kanadischen Energieträgern bekommen. Mit höheren Verteidigungsausgaben sollten die kanadischen Streitkräfte dann in eine von den USA geführte Sicherheits- und Arktisstrategie eingebunden werden. Das war kein vielversprechendes Handelsabkommen, sondern eine wirtschaftliche Kriegserklärung. Mit ihren dreisten Forderungen hat die Trump-Regierung eine Grenze überschritten. Die kanadische Regierung konnte nicht anders, als sie entschieden zurückzuweisen. Kanada wird bluten, aber die USA auch Damit beginnt nun aller Voraussicht nach ein folgenschwerer Handelskrieg. Und Trump hat hier zunächst einen gewaltigen Vorteil. Kanada benötigt die Vereinigten Staaten viel dringender als umgekehrt. Noch 2025 gingen 71,7 Prozent aller kanadischen Warenexporte in die USA. Bei Autos und Autoteilen waren es zuletzt sogar mehr als 93 Prozent. Die für den US-Markt bestimmten Güter lassen sich nicht über Nacht in andere Länder verkaufen. Die Wirtschaft der USA und die Kanadas sind durch die Lieferketten seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden. Das Gleiche gilt für Energieträger. Rohöl, Erdgas und Strom fließen über ein dichtes Netz von Pipelines und Leitungen zwischen beiden Ländern. Aber auch Trump ist verwundbar. Die USA verkaufen Waren im Wert von mehr als 330 Milliarden Dollar nach Kanada. Amerikanische Landwirte liefern Getreide, Obst, Gemüse und andere Agrarprodukte. Autohersteller, Maschinenbauer und Energieunternehmen sind ebenfalls tief im kanadischen Markt verankert. Wie empfindlich Trump getroffen werden kann, zeigt sich aktuell etwa beim Aufstand der US-Rinderzüchter, die gegen Trumps billiges Importfleisch aus Argentinien protestieren. Trump braucht dieses Stoppschild Darum darf die kanadische Regierung jetzt trotz aller Härten für das eigene Land nicht nachgeben. Denn die Lehre für Trump wäre, dass seine Methode funktioniert. Beim nächsten Schritt würde er womöglich noch weitergehen. Seine oft als Witz verharmloste Aussage, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen zu wollen, hat einen wahren Kern. Trumps erklärtes Ziel ist es, sich die westliche Hemisphäre von der Antarktis bis zur Arktis gefügig zu machen. Mal militärisch, wie im Fall von Venezuela , mal ökonomisch, wie im Fall von Kanada, oder mit einem Mix aus beidem, wie im Fall von Panama oder Kuba . Trump braucht darum dieses klare Stoppschild.