Venezuela: USA sichern sich laut Trump Kontrolle über Ölreserven im Land
Anfang des Jahres nahmen US-Spezialkräfte Venezuelas langjährigen Staatschef Nicolás Maduro fest. Nun soll es eine Vereinbarung über Ölvorkommen des Landes geben. Die USA haben sich nach Angaben von Präsident Donald Trump riesige Ölvorkommen in Venezuela gesichert. Mit der Vereinbarung bringen die USA mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven unter ihre Kontrolle, wie Trump auf der Plattform Truth Social mitteilte. Das entspräche rund einem Fünftel der Vorkommen, die sich Schätzungen zufolge in Venezuela befinden. Trump teilte dazu mit, die "historische Transaktion" verbessere die Ölversorgung der USA erheblich und werde die Benzinpreise für alle Amerikaner senken". Den Steuerzahlern in den USA entstünden durch das Geschäft keine Kosten. US-Amerikanische Unternehmen sollen die marode Energiewirtschaft des Opec-Staates wiederbeleben und gleichzeitig eine neue Rohölquelle erschließen Venezuela: USA sichern sich laut Trump Kontrolle über Ölsreserven Wie Trump weiter mitteilte, wurde die Vereinbarung in Absprache mit der geschäftsführenden Präsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, geschlossen. Eine Bestätigung aus Venezuela lag zunächst nicht vor. Zudem sei die Privatwirtschaft an der Vereinbarung beteiligt. Auf der US-Seite seien Verteidigungsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio bei den Verhandlungen dabei gewesen, teilte Trump mit. Nähere Angaben zum Inhalt der Übereinkunft machte Trump nicht. Durch die Vereinbarung wachse die Menge des den USA potenziell zur Verfügung stehenden Öls auf mehr als das Doppelte an, so Trump. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA verfügten die USA Ende 2024 über Vorkommen von 46 Milliarden Barrel. Allerdings sind darin nicht nur Rohöl, sondern auch das Kondensat enthalten, das bei der Förderung aus dem Bohrloch gewonnen wird. Bereits jetzt sind die USA der größte Produzent von Erdöl weltweit. Der Ankündigung gingen wochenlange Verhandlungen zwischen den USA und Venezuela voraus. US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete die Vereinbarung als einen Gewinn für beide Länder. Sie sichere den USA eine stabile und kostengünstige Ölversorgung und werde dazu beitragen, die Benzinpreise zu senken. Für Venezuela bringe die Vereinbarung private Investitionen in Höhe von fast 100 Milliarden Dollar und schaffe Tausende von gut bezahlten Arbeitsplätzen. Venezolanische Regierungsvertreter bereiten sich darauf vor, nächste Woche Abkommen über die Vergabe neuer Explorations- und Produktionsrechte vor allem an US-Firmen zu unterzeichnen. Venezuela soll den USA "Öl, Land und andere Vermögenswerte" gestohlen Gegen Ende des vergangenen Jahres verschärften die USA ihren Kurs gegenüber Venezuela und bauten ihre Militärpräsenz in der Region deutlich aus. Als offiziellen Grund nannten die USA dabei überwiegend den mutmaßlichen Drogenschmuggel – doch Trump selbst stellte den Einsatz auch in einen Zusammenhang mit den Ölreserven des Landes. Venezuela habe den USA "Öl, Land und andere Vermögenswerte" gestohlen, teilte er damals mit. Sie müssten sofort zurückgegeben werden. Anfang der 2000er Jahre hatte Venezuela Ölfelder verstaatlicht, wovon auch US-Firmen betroffen waren. Es folgte ein Streit über Entschädigungen. Anfang des Jahres nahmen US-Spezialkräfte dann den langjährigen Staatschef Venezuelas, Nicolás Maduro, gefangen . Die USA klagten ihn und seine Ehefrau Cilia Flores unter anderem wegen des Vorwurfs des "Drogenterrorismus" an. Kritiker bezeichneten das Vorgehen als Verstoß gegen das Völkerrecht. Seither wird das Land von der früheren Vizepräsidentin Rodríguez als geschäftsführender Präsidentin geführt. Sie arbeitet mit Washington seit längerem unter anderem in Erdölfragen zusammen. Hohe Benzinpreise setzen Trump unter Druck Trumps Regierung will die großen Ölvorkommen des Landes nutzen und hatte erheblichen Einfluss auf die venezolanische Ölindustrie und Politik ausgeübt. Mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel verfügt Venezuela über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann. Trump steht zudem innenpolitisch unter Druck, weil der Iran-Krieg die Benzinpreise auch in den USA in die Höhe treibt. Der durchschnittliche Preis für bleifreies Benzin lag am Donnerstag bei 4,09 Dollar pro Gallone. Seit Beginn des Krieges ist er damit um über ein Drittel gestiegen. Laut dem Automobilverband AAA dürfte es für Autofahrer in den USA der teuerste August der Geschichte werden. Iran-Krieg zehrt Ölreserven der USA auf Wie andere Nationen wollen die USA die angespannte Lage am Ölmarkt abfangen, indem sie ihre eigenen strategischen Reserven anzapfen. Dabei handelt es sich nicht um Ölvorkommen in der Erde, sondern um bereits gefördertes Öl. Die US-Reserve ist seit Beginn des Krieges allerdings bereits rapide geschrumpft und befindet sich auf dem niedrigsten Niveau seit etwa 44 Jahren. Analysten zeigten sich jedoch skeptisch und forderten mehr Einzelheiten zur rechtlichen und finanziellen Struktur. Es sei unklar, ob eine kurzfristige Senkung der Benzinpreise zu erwarten sei, da der Aufbau der nötigen Infrastruktur Jahre dauern könne. David Goldwyn, Präsident von Goldwyn Global Strategies, sagte, es sei fraglich, ob ein Pachtvertrag der US-Regierung nach venezolanischem Recht haltbar sei. Es gebe "keinen Präzedenzfall dafür, dass die US-Regierung einen Pachtvertrag zum Betrieb von Ölfeldern abschließt". Das südamerikanische Land verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt, produziert aber nach Jahren der Unterinvestition, Misswirtschaft und Sanktionen nur etwa 1,25 Millionen Barrel pro Tag.