Solaranlage ans Netz: 17 Firmen fordern Schadensersatz bei Verzögerungen
Der Anschluss von Solaranlagen, Speichern oder Ladepunkten dauert vielerorts lange. 17 Energieunternehmen wollen das ändern und Netzbetreiber mit finanziellen Konsequenzen unter Druck setzen. Wer eine Solaranlage , einen Batteriespeicher oder eine Ladesäule ans Stromnetz bringen will, hat sich in Deutschland je nach Wohn- oder Unternehmensort an unterschiedliche Vorgaben zu halten. Formulare, technische Anforderungen und Abläufe unterscheiden sich von Netzgebiet zu Netzgebiet. Einige Prozesse laufen noch immer manuell. Eine Allianz aus 17 Unternehmen der Energiebranche fordert nun einen grundlegenden Umbau. Die sogenannte Energiewende-Digitalisierungs-Allianz (EDA) legt dazu einen eigenen Gesetzentwurf mit 30 Maßnahmen vor. Das Ziel: Netzanschlüsse sollen schneller, Verfahren digitaler und Vorgaben bundesweit einheitlicher werden. Schadenersatz bei Verstößen Mit einem Vorschlag aus dem alternativen Gesetzentwurf soll vor allem der Druck auf die Netzbetreiber erhöht werden: Halten Verteilnetzbetreiber gesetzlich vorgeschriebene Standards nicht ein, sollen betroffene Kunden künftig finanzielle Ansprüche geltend machen können – eine Art Schadenersatz. Netznutzer müssten nicht in jedem Fall konkret nachweisen, welcher finanzielle Schaden ihnen durch einen Verstoß entstanden ist. Nach Vorstellung der Unternehmen soll dadurch ein stärkerer Anreiz entstehen, gesetzliche Vorgaben tatsächlich einzuhalten. Formulare, Prozesse, Chaos Grund für den Vorschlag ist die stark zersplitterte Struktur der deutschen Stromnetze. Nach Angaben der Unternehmensallianz gibt es bundesweit 866 Verteilnetzbetreiber. Bei Netzanschlüssen gelten teilweise unterschiedliche administrative Vorgaben, Abläufe und technische Rahmenbedingungen. Zwar gebe es bereits gesetzliche Vorgaben für mehr Digitalisierung und Standardisierung. Nach Einschätzung der Unternehmen fehlt es der Bundesnetzagentur jedoch an Ressourcen und Instrumenten, um diese flächendeckend durchzusetzen. Der vorgelegte Entwurf soll deshalb nicht nur neue Vorgaben schaffen, sondern bestehende Regeln wirksamer machen. Digitale Plattformen sollen Verfahren beschleunigen Zu den insgesamt 30 vorgeschlagenen Maßnahmen gehören neben dem Schadensersatz auch digitale Plattformen für Netzanschluss und Netzbetrieb. Außerdem fordert die Allianz einheitliche Prüfverfahren sowie zusätzliche Informations- und Transparenzpflichten. Auch beim Einbau intelligenter Stromzähler, sogenannten Smart Metern , und bei der Steuerbarkeit von Stromverbrauch und -erzeugung wollen die Unternehmen verbindlichere Regeln. Davon sollen nicht nur Betreiber von Solaranlagen profitieren. Schnellere und einheitliche Netzanschlüsse könnten den Ausbau von Ladesäulen und Batteriespeichern erleichtern. Auch Wärmepumpen und andere flexible Verbraucher in Privathaushalten könnten schneller in das Stromsystem integriert werden. Für Unternehmen und Industrie geht es zudem um einen wichtigen Standortfaktor: Verzögert sich ein Netzanschluss, können Investitionen ins Stocken geraten und Kosten steigen. Einheitliche digitale Verfahren sollen Anschlüsse nach Vorstellung der Unternehmensallianz deshalb planbarer machen. Initiative drängt auf Tempo Die Allianz fordert Bundesregierung , Bundestag und Regulierungsbehörden auf, ihre Vorschläge zeitnah zu prüfen und in kommende Gesetzgebungsverfahren aufzunehmen. Ob insbesondere der geplante Schadenersatz für säumige Netzbetreiber politische Unterstützung findet, ist fraglich. Sollte sich der Vorschlag durchsetzen, würde sich für Netzbetreiber jedoch etwas Entscheidendes ändern: Verzögerungen und nicht eingehaltene Standards könnten für sie künftig nicht mehr nur zusätzlichen Verwaltungsaufwand bedeuten – sondern unmittelbar Geld kosten.