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Inflation: EZB ringt mit Zins-Dilemma – wie teuer wird es für alle?

Die EZB versucht, die Inflation zu bremsen, doch die Maßnahmen könnten die Konjunktur abwürgen und das Leben für viele noch teurer machen. Die Inflationsraten in Deutschland und Europa bleiben hoch, und EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagt, die Menschen im Euroraum müssten sich auf weiter steigende Verbraucherpreise einstellen. Mit der jüngsten Zinserhöhung auf 2,5 Prozent reagiert die Europäische Zentralbank auf die Teuerungsrate von 3,3 Prozent im August – deutlich über dem angestrebten Ziel von 2,0 Prozent. Doch die Ursachen der Inflation liegen nicht in einer überhitzten Nachfrage, sondern in externen Schocks wie Energiekrisen und Lieferkettenproblemen. Fragen drängen sich auf: Können höhere Zinsen wirklich die Inflation bekämpfen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen? Und droht nun ein Teufelskreis, der Verbraucherinnen und Verbraucher teuer zu stehen kommt? Deutsche Wirtschaft noch robust – aber wie lange noch? Trotz der Herausforderungen durch den Iran-Krieg und hohe Energiepreise zeigt sich die deutsche Wirtschaft bislang widerstandsfähig. Bundesbankpräsident Joachim Nagel betont, dass die exportgetriebene Wirtschaft erstaunlich robust sei. Doch er warnt zugleich: Weitere Zinserhöhungen könnten die Konjunktur bremsen. "Es ist noch zu früh, um über den nächsten Zinsschritt zu spekulieren", sagte Nagel dem Sender CNBC. Die Entwicklung der Energiepreise werde entscheidend sein. Sollte die EZB in den "restriktiven Bereich" vordringen, droht eine Dämpfung der Wirtschaft – ein Risiko, das nicht unterschätzt werden darf. Sparen statt konsumieren: ein Teufelskreis für die Binnenwirtschaft Viele Menschen in Deutschland dürften sich angesichts der EZB-Entscheidung freuen. Denn steigende Leitzinsen machen zunächst einmal das Sparen attraktiver – und das zeigt Wirkung. Laut Bundesbank-Daten legen Deutsche Haushalte ihr Geld bei steigenden Zinsen zunehmend in Tages- und Festgeldkonten an, die inzwischen Zinsen von teils über vier Prozent abwerfen. Banken wie Revolut, Renault-Bank, Chase und Ayvens locken mit attraktiven Konditionen, wie eine Auswertung von Verivox zeigt. Die Sparneigung der Deutschen erreicht den höchsten Stand seit 2008. Man dreht lieber jeden Cent dreimal um, bevor man ihn ausgibt. Tagesgeldzinsen steigen: Diese Banken zahlen bis zu 4,25 Prozent Doch jeder Euro, der auf dem Sparkonto landet, fehlt dem Binnenmarkt. Studien des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen und der GfK zeigen, dass die Konsumzurückhaltung massiv zugenommen hat. Die Angst vor weiteren Preissteigerungen drückt auf die Kauflaune – ein Teufelskreis, der die Binnenwirtschaft schwächt. Inflation: Kein Luxusproblem, sondern Alltagssorge Die Inflation trifft Verbraucherinnen und Verbraucher dort, wo sie es am wenigsten vermeiden können: bei Energie, Miete und Lebensmitteln. Diese Fixkosten lassen immer weniger Spielraum für Sparen oder Konsum. Obwohl die Sparneigung hoch ist, sinkt die tatsächliche Sparquote leicht auf 10,1 Prozent, wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Der Grund: Die steigenden Preise fressen das verfügbare Einkommen auf – auch jenes, das zum Sparen vorgesehen ist. Inflation ist kein Luxusproblem – sie betrifft jeden, ob es nun um das Auto für den Weg zur Arbeit oder schlicht um das Heizen der Wohnung geht. Die Leidtragenden der Zinspolitik Die Zinspolitik der EZB trifft Konsumenten und die Binnenwirtschaft also besonders hart. Branchen wie Bauwirtschaft, Einzelhandel und Gastronomie leiden unter der Konsumflaute. Marcel Fratzscher , Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), warnt vor den Risiken einer zu aggressiven Zinspolitik: "Die EZB muss vorsichtig agieren, um die Konjunktur nicht unnötig abzuwürgen", heißt es in einem Statement auf der Webseite des DIW. Die Zentralbank verfolgt das Ziel der Preisstabilität, doch die Abkühlung der Wirtschaft wird bewusst in Kauf genommen. Denn das größere Übel ist aus Sicht der Währungshüter eine unkontrollierte Inflation, die sich langsam in die gesamte Wirtschaft zu fressen droht und dort sogenannte Zweitrundeneffekte auslöst. Die größte Gefahr für die Wirtschaft Zweitrundeneffekte führen nach dem ersten Preisschock an der Zapfsäule oder bei der Heizkostenabrechnung mit Verzögerung auch zu einer Erhöhung der Preise von Produkten des täglichen Bedarfs, wie beispielsweise Lebensmitteln, Kleidung und öffentlichen Verkehrsmitteln. Dadurch schrumpft die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher weiter. Die Lohn-Preis-Spirale ist ein Szenario, das Ökonomen besonders fürchten. Wenn Gewerkschaften höhere Löhne fordern, um den Reallohnverlust auszugleichen, steigen die Personalkosten der Unternehmen. Diese geben die Kosten über ihre Produkte und Dienstleistungen an die Verbraucher weiter – und die Preise steigen erneut. Eine solche Dynamik könnte die Inflation dauerhaft verankern und die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher weiter schwächen. Die EZB steht vor der Herausforderung, diesen Effekt zu verhindern, ohne die Wirtschaft zu stark zu bremsen. Vorsicht ist gefragt Marcel Fratzscher plädiert deshalb für Augenmaß, Geldpolitik wirkt zeitverzögert. Wer die Zinsen zu schnell und zu stark anhebt, sieht die vollen Schäden oft erst, wenn es zu spät ist. Die EZB müsse abwarten, wie die bisherigen Zinsschritte wirken, bevor sie weitere Maßnahmen ergreife. Die Gefahr einer überhasteten Zinspolitik liegt darin, dass die Konjunktur im Euroraum unnötig hart getroffen wird. Ein datenabhängiges Vorgehen sei daher entscheidend, um die Balance zwischen Inflationsbekämpfung und Wirtschaftsstabilität zu wahren. Vertrauen in den Euro: Stabilität hat ihren Preis Bis zur nächsten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank Ende Oktober vergehen noch fast zwei Monate – und die Unsicherheit besteht weiterhin. Vorerst bleibt es also dabei, dass die hohen Energie- und Lebensmittelpreise das monatliche Budget der Menschen belasten und ihnen schlicht immer weniger Geld bleibt. Das ist der Preis einer stabilen Währung. Vertrauen in den Euro bedeutet, kurzfristige Härten zu akzeptieren, um langfristig eine unkontrollierte Inflation zu verhindern.

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