Wärmepumpen-Installateur thermondo will Mehrfamilienhäuser erobern
Einer der größten deutschen Wärmepumpeninstallateure weitet sein Angebot auf Mehrfamilienhäuser aus. Was Eigentümer darüber wissen müssen. Das Cleantech-Unternehmen Thermondo, das vor allem auf Wärmepumpen spezialisiert ist, erweitert sein Geschäftsmodell. Wie das Berliner Unternehmen t-online mitteilt, wurde eine neue Geschäftseinheit gegründet, die Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser mit bis zu 20 Wohneinheiten anbieten soll. Bisher war Thermondo auf Ein- und Zweifamilienhäuser fokussiert und hat nur in Einzelfällen Wärmepumpen in kleineren Mehrfamilienhäusern installiert. Neuer Bereichsleiter der Einheit Thermondo Energy Solutions GmbH ist Hannes Schwarzer. "Wir haben festgestellt, dass wir immer mehr Nachfragen aus dem Bereich der Mehrfamilienhäuser erhalten haben. Die Eigentümer dieser Gebäude stehen vor ähnlichen Fragestellungen und Herausforderungen wie Einfamilienhausbesitzer", so Schwarzer im Gespräch mit t-online. Hohe Heizkosten, steigende CO2-Kosten und die neuen Vorgaben für grüne Gase in Heizungen lösten bei vielen Eigentümern Fragen aus, weshalb die Nachfrage zuletzt zugelegt habe. 3,5 Millionen Mehrfamilienhäuser in Deutschland Der Markt für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern ist Analysen und Berechnungen zufolge groß. Eine Analyse des Gebäudedienstleisters Techem ergab Anfang Oktober, dass 80 Prozent der Mehrfamilienhäuser in Deutschland technisch für eine Wärmepumpe geeignet wären. Etwa 40 Prozent der Gebäude sind sogar ohne Heizkörpertausch für eine Wärmepumpe geeignet, so Techem. In Deutschland gibt es rund 3,5 Millionen Mehrfamilienhäuser. Thermondo will diesen Markt erschließen, zunächst aber nur in Berlin , Brandenburg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Kooperationspartner ist hauptsächlich der deutsche Hersteller Buderus, es können aber auch andere europäische Hersteller zum Einsatz kommen. Das Unternehmen bietet Wärmepumpen-Lösungen sowohl für Häuser mit Zentralheizung als auch Gasetagenheizungen an. Wobei Hannes Schwarzer zugibt, dass Mehrfamilienhäuser mit Gasetagenheizungen deutlich komplexer sind als Häuser mit einer Zentralheizung. Man könne zwar eine Etagenwärmepumpe in jeder einzelnen Wohnung installieren. "Das bringt aber auch eine gewisse technische und organisatorische Komplexität mit sich: Beratungsfragen, Abstimmungsfragen, elektrische Fragen – etwa, ob der Hausanschluss stark genug ist – können sich hier besonders häufen." Die Etagenlösung könnte in manchen Eigentumsgemeinschaften die sinnvollere Variante sein, so Schwarzer. "Gerade in Gemeinschaften, wo Entscheidungsgrundlagen oft schwer und langwierig zu finden sind, kann der Umstieg von Gasetagenheizungen auf Etagenwärmepumpen flexibler sein als ein Gesamtbeschluss zur Zentralisierung des Heizsystems für das gesamte Gebäude", so der Bereichsleiter. Was kostet die Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus? Der Standardweg dürfte die Zentralheizung sein, also der Einbau einer oder mehrerer Wärmepumpen ("Kaskade") im Keller oder in der Garage, die alle Parteien versorgen. In Deutschland haben rund 13 Prozent der Mehrfamilienhäuser eine Gasetagenheizung – die Mehrheit heizt also ohnehin über ein zentralisiertes System. So oder so lautet die Empfehlung von Hannes Schwarzer: Eigentümer sollten mit dem Fachbetrieb Ihres Vertrauens sprechen, der beide Lösungen beurteilen kann. Und was kostet die Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus ? Thermondo bietet nach eigenen Angaben Systeme ab 50.000 Euro vor Förderung an. Grundsätzlich seien die Kosten aber sehr individuell, betont Schwarzer. "Ein Beispiel für Mehrkosten ist der Bedarf einer Kaskade: Wenn die Heizfläche praktisch so groß ist, dass zwei oder mehr Wärmepumpen in Reihe geschaltet werden müssen. Dann mehren sich natürlich die Anschaffungskosten." Auch wenn umfangreiche Arbeiten an der Elektrik nötig seien, wie Tausch des Zählerschranks oder Erweiterung des Hausanschlusses, könne das die Kosten in die Höhe treiben. Wie teuer es wirklich wird, kommt aber sehr auf das Haus an. Der Konkurrent Vaestro, der schon seit längerer Zeit Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser anbietet, berichtet im Gespräch mit t-online von einem Altbau mit 16 Parteien, für den eine 3er-Kaskade an Wärmepumpen benötigt wurde. Dies habe inklusive Einbau mit 120.000 Euro zu Buche geschlagen. Die kleineren Etagenwärmepumpen können aber günstiger sein. Die Firma Qvantum aus Schweden hat sich auf solche Systeme spezialisiert und verlangt rund 20.000 Euro pro Einheit. Auch hier kommt es aber darauf an, wie aufwendig die Installationsarbeiten und der Heizkörpertausch sind – das sind die großen Preistreiber. Förderung für den Heizungstausch nicht vergessen Für den Einbau einer Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus können Eigentümer auch eine Förderung erhalten . So werden für die erste Wohneinheit 28.000 Euro berücksichtigt, für die zweite bis sechste Einheit jeweils 15.000 Euro und für jede weitere Einheit dann 8.000 Euro. Je nach Einkommenssituation und Zeitpunkt des Heizungstausches werden 40 bis 80 Prozent der berücksichtigten Kosten staatlich als Zuschuss gezahlt. Bei der Antragstellung unterstützen Heizungsinstallateure – wie auch Thermondo – in der Regel ihre Kunden und berechnen die genaue Höhe der Förderung. Für Immobilienunternehmen gibt es eine andere, geringer ausfallende Förderung. Zudem können sie Steuervorteile geltend machen und bei Vermietungen die Modernisierungsumlage anwenden. Wer im Mehrfamilienhaus (oder auch im Einfamilienhaus) diese hohen Investitionskosten nicht stemmen kann oder will, kann auf sogenanntes Wärme-Contracting ausweichen. Dann baut ein Unternehmen die Wärmepumpen ein und übernimmt die gesamten Investitionskosten. Danach verkauft dieses Unternehmen als Energieanbieter die Wärme an die Hauseigentümer oder Mieter. Der Wärmevertrag gilt dann in der Regel für zehn bis 15 Jahre, danach gehen die Wärmepumpen in das Eigentum der Eigentümer über. Hier sollten Eigentümer die Vertragsbedingungen vorher genau prüfen, um sicherzustellen, dass sie über die Laufzeit nicht zu viel für ihre Anlage bezahlen. Wärme-Contracting kann für manche Eigentümer aber ein gutes Modell sein, um die Anlage ohne Finanzierungsdruck zu erneuern.