World News in German

"Komak - People help People": So helfen Schwetzinger den Menschen in Aghanistan

Von Marion Gottlob

Schwetzingen. Es ist eine Hilfe von Herzen: Bereits seit zwei Jahren engagiert sich die in Schwetzingen lebende Raquel Rempp gemeinsam mit Said Azami für Menschen, die in den vielen kleinen Dörfern am Pamirgebirge im Norden Afghanistans leben. Sie überwindet mit ihrem Projekt nicht nur die Entfernung von mehreren Tausend Kilometern, sondern auch große Unterschiede der Kultur. Sie sagt: "Ich bin vielleicht anders als andere, aber ich möchte Menschen helfen. Wenn jeder von uns anderen Menschen ein wenig helfen würde, wäre unsere Welt viel besser." Nun haben die Bewohner eines Dorfs eine Deutschland-Fahne gestaltet, ein Danke-Schön-Video gedreht und es per Internet nach Schwetzingen gesendet.

Die kleinen Dörfer am Hindukusch liegen inmitten von mehr als 4000 Meter hohen Bergen. Dort gibt es keine Straßen, sondern nur schmale, oft lebensgefährliche Wege. Wer diese Dörfer erreichen möchte, muss sich zu Fuß, per Esel oder Pferd auf den Weg machen. Die Menschen leben noch so, wie ihre Vorfahren seit Jahrhunderten gelebt haben. Es gibt weder Strom noch fließend Wasser und keine sanitären Einrichtungen. Die Bauern ernähren sich von den wenigen Erträgen der Landwirtschaft - oft leiden sie Hunger.

Mit dem Krieg wurde die Not noch größer: Viele Männer starben und ließen Frauen und Kinder zurück. Andere kehrten mit schweren Verletzungen zurück. Das bedeutet, dass Frauen und Kinder mitunter härteste Arbeit verrichten müssen. Weite Landstriche, auch und gerade dort, sind mit Minen verseucht. So gibt es zahlreiche Menschen, die durch Minen zu Versehrten wurden. Immer wieder werden die bescheidenen Hütten durch Hochwasser zerstört.

Said Azami stammt aus dieser Region - übrigens die ärmste des Landes. Er selbst wurde durch einen Raketen-Splitter am Kopf schwer verletzt. Als Flüchtling kam er 2013 nach Deutschland. Vor kurzem hat er mit Hilfe von Raquel Rempp nach fast zweijährigen Bemühungen seinen Sohn aus Afghanistan nach Deutschland holen können. Der 16 Jahre alte Junge hat Neuigkeiten über die bittere Armut in der Heimat erzählt. Azami und Rempp sagen: "Das hat uns tief berührt."

Das Duo Rempp und Azami hat schon zwei Bücher über Afghanistan geschrieben und Lesungen gestaltet. Die Spenden von Zuhörern gingen an einen zuverlässigen Vertrauensmann in Afghanistan. Dieser Mann hat Mehl und Öl in das Dorf gebracht: "Brot ist das wichtigste Nahrungsmittel."

Rempp entdeckte auf einem Foto den circa 40 Jahre alten Amrullah, der aufgrund einer angeborenen Behinderung nicht laufen, sondern nur mit den Ellenbogen vorwärts kriechen kann. Natürlich ruft der Islam, wie das Christentum, zu Barmherzigkeit und Mitgefühl gegenüber behinderten und armen Menschen auf. Doch die Realität sieht anders aus - Behinderte müssen häufig mit Spott rechnen und erhalten nur selten Almosen wie ein altes Stück Brot, denn zu oft sind die Menschen selbst von tiefster Armut betroffen. Wie in diesem Dorf.

Amrullah lebt in einer dunklen Lehmhütte, inmitten von Schmutz und Ungeziefer. Das ändert sich. "Mit Hilfe unserer Spenden wurde das Zimmer gereinigt, es wurde ein Ofen angeschafft", erklärt Rempp. Der Mann wurde mit neuer, warmer Kleidung ausgestattet. Es wird nun eine Hilfskraft bezahlt, die den Mann alle zwei Tage wäscht und mit Essen versorgt. Ein Rollstuhl macht im Moment wenig Sinn, denn es gibt weder Gehwege noch Straßen. Stattdessen wird der Mann manchmal von Helfern in einer Schubkarre transportiert. Es gibt viele Menschen dort, denen es so geht wie Amrullah.

In Zukunft möchte Rempp in der Region den Bau einer Schule und die Anschaffung von Unterrichtsmaterialien fördern. Said Azami sagt: "Jeder Helfer ist wie eine Quelle - wenn jemand das frische Wasser der Quelle trinkt, dann ist die Quelle glücklich." Rempp zitiert Goethe: "Die Tat ist alles, nichts ist der Ruhm." Das Motto der Aktion lautet "Komak - People help People". Das persische Wort "Komak" steht für "Hilfe".

Info: Mehr Infos gibt es unter der Email remppr@gmx.de. Wer spenden möchte, informiert sich im Internet unter www.betterplace.me/komak-people-help-people.

Читайте на сайте